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2007-05-23 10:16:44 - ks
24 Stunden Nürburgring: Hans-Joachim Stuck: „Hier bekommen die Fans so viel Rennsport wie sonst nirgends“

Rennfahrer-Urgestein: Hans-Joachim Stuck
Mit Hans-Joachim Stuck geht beim ADAC Zurich 24h-Rennen einmal mehr der Sieger des ersten 24h-Rennens im Jahr 1970 an den Start. Der gebürtige Bayer erfüllt sich beim 35. Jubiläum einen Traum und tritt mit Sohn Johannes (20) in einem Team an. Sie teilen sich ein von Schubert Motors eingesetztes BMW Z4 M-Coupé mit Claudia Hürtgen (Aachen) und dem Schweden Richard Göransson. Im Interview spricht Hans-Joachim über Vaterfreuden, die Qualitäten seines jüngsten Teamkollegen und über die Besonderheiten der Veranstaltung.

Bei einem Testeinsatz im Rahmen der VLN haben sie einen Unfall gehabt und mussten sogar ins Krankenhaus. Wie stehen die Chancen auf den Einsatz beim 24h-Rennen?
Hans-Joachim Stuck: „Es schaut gut aus mit der Genesung. Trotzdem: Am Montag vor dem 24h-Rennen geht es für mich noch einmal zur CT und das Ergebnis dieser Untersuchung ist ausschlaggebend. Ich bin clever genug, in diesem Fall auf den Rat der Ärzte zu hören. Ein überstürztes Comeback auf der Rennstrecke wäre kontraproduktiv.“

Der gemeinsame Start 2007 ist nicht das erste gemeinsame Rennen für Sie und Ihren Sohn, aber der erste 24-Stunden-Einsatz.
Hans-Joachim Stuck: „Das erste gemeinsame 24-Stunden-Rennen von Johannes und mir war im vergangenen Jahr in Dubai – dort starteten wir allerdings in verschiedenen Teams. Wie es der Zufall wollte, lagen wir eine halbe Stunde vor Rennende plötzlich direkt hintereinander. Wir haben uns dann mit unseren Teams abgestimmt und sind gemeinsam bis zur Ziellinie gefahren – ich zum Gesamtsieg, Johannes zum Klassensieg. Das war ein sehr schönes Erlebnis.“

Wie ist das Gefühl, mit dem eigenen Sohn als Teamkollegen anzutreten?
Hans-Joachim Stuck: „Das Gefühl, mit Johannes im gleichen Team zu fahren ist ganz eigenartig und zwiespältig. Einerseits weiß ich ja nun wirklich aus eigener Erfahrung, was alles auf der Rennstrecke geschehen kann und insbesondere im Hochbetrieb auf der Nordschleife gibt es Situationen, vor die man seinen Sohn bewahren möchte. Andererseits ist es natürlich eine Riesenfreude, gemeinsam mit ihm in einem Team zu fahren. Schon als wir beim ersten VLN-Lauf in diesem Jahr auf dem Podium standen, war das ein unglaublich schönes Gefühl.“

Wie beurteilen Sie Ihren Sohn als Rennfahrer, nachdem Sie ihn ja bei den VLN-Einsätzen in diesem Jahr schon als Teamkollegen kennen lernen konnten?
Hans-Joachim Stuck: „Johannes ist ein Quereinsteiger: Er hat in der Formel BMW getestet, mochte den Monoposto aber nicht. Also hat er dank Kris Nissen einen Platz im Polo Cup gefunden. Anschließend führte der Weg in die Mini Challenge und zu Einsätzen im BMW 120d, mit dem er in Dubai seine Klasse gewann. Ab der Mini Challenge konnte man bei ihm einen richtigen Ruck spüren. Vorher schleppte es sich ein wenig hin, aber seitdem hat er eine unglaublich gute Einstellung. Ich weiß, es klingt nach voreingenommenem Vater, aber es stimmt: Johannes fährt mit viel Rennintelligenz, seitdem er sich mit richtigen Rennautos beschäftigt.“

Wie würden Sie die fahrerischen Eigenschaften Ihres Sohnes beschreiben?
Hans-Joachim Stuck: „Ich glaube, bei Johannes sind ein paar gute Eigenschaften von meiner Exfrau und mir zusammengekommen: Von seiner Mutter hat er die Intelligenz mitbekommen, vom Vater ein bisschen Draufgängertum.“

Also ein Talent mit Zukunft?
Hans-Joachim Stuck: „Ich war beeindruckt zu sehen, mit welcher fahrerischer Qualität er im VLN-Qualifying einen Platz in der ersten Startreihe herausfuhr. Claudia Hürtgen und ich kennen uns sicherlich aus auf der Nordschleife. Aber ich denke, dass der Tag nicht weit ist, wo Johannes mich einholt.“

Nun steht das 24h-Rennen bevor und nicht nur ihre Teamkollegen halten Ihr Team für einen Anwärter auf einen Platz unter den ersten drei.
Hans-Joachim Stuck: „Den Gesamtsieg beim 24h-Rennen können zehn Autos holen. Der BWM Z4 ist von der Performance her ganz sicher für einen Podiumsplatz gut. Wenn uns als Fahrern und im Team ein Null-Fehler-Rennen gelingt, können wir ganz, ganz vorne dabei sein. Allerdings ist genau das die große Hürde. Denn schon kleine Fehler machen sich beim 24h-Rennen in der Endabrechnung massiv bemerkbar.“

Im Vergleich zur Armada der Porsche hat der Z4 einen deutlich kleineren Hubraum, ist also von der Papierform her gar kein Favorit. Woher kommt die Performance, die Ihnen und ihrem Team nun schon drei Podestplätze in der aktuellen VLN-Saison brachte?
Hans-Joachim Stuck: „Der Nachteil des kleineren Hubraums mag auf den ersten Blick stimmen. Aber der Z4 ist dafür ein wirklich angenehm zu fahrendes Auto. Der Hinterradantrieb in Kombination mit Details wie ABS und Servolenkung – das ist schon im Konzept gelungen. Nicht umsonst wirbt ja BMW mit dem Slogan »Freude am Fahren«. Und dann ist da noch das Schubert-Team: Eine absolut professionelle Truppe, die einen Klasse-Job macht.“

In diesem Jahr feiert das 24h-Rennen sein 35. Jubiläum. Wenn Sie einmal Ihre Einsätze seit dem Premierensieg 1970 Revue passieren lassen – was ist da besonders in Erinnerung geblieben?
Hans-Joachim Stuck: „Der Sieg bei der Premiere ist für mich schon die stärkste Erinnerung: Damals hockten wir noch wie die Viecher in der Box, verbrachten unsere Zeit zwischen den Stints Cola trinkend oder im Campingstuhl dösend. Fahreranzüge kannte man nicht: Wir sind in normalem Hemd und Hose gefahren. Auch von Duschen oder sonstigem Komfort war da keine Rede und trotzdem mussten wir da raus auf die Strecke und alles geben. Von den Umständen her war das vielleicht der tollste Erfolg. Überhaupt kein Vergleich zu meinem letzten Gesamtsieg im Jahr 2004 – das ist ein Unterschied wie zwischen einer einmotorigen Cessna und einer Concorde. Ich freue mich auf jeden Fall sehr, dass ich diese Entwicklung über so lange Zeit begleiten konnte.“

Was hat sich geändert in diesen Jahren und was ist gleich geblieben?
Hans-Joachim Stuck: „Es haben sich natürlich viele Dinge massiv geändert. Man denke nur einmal an die Sicherheitseinrichtungen und die Professionalität bei den Bergungsmaßnahmen – ich habe das in der VLN gerade erst erlebt. Nicht geändert hat sich diese tolle Mischung aus Amateuren, Profis, Halbprofis, Werksteams und Hobbymannschaften – das macht ganz viel vom Reiz der Veranstaltung aus. Hier bekommen die Fans so viel Rennen zu sehen wie nirgendwo sonst. Und die Fans sind hier auch so frei wie sonst nie. Viele kommen hier ganz früh hin und richten sich ein, verbringen hier eine Erlebniswoche: Das ist doch etwas ganz anderes, als bei anderen Rennen, wo man nicht einmal einen Rucksack mit Verpflegung mit auf die Bühne nehmen darf. Als Fahrer bekommen wir das hautnah mit, wenn wir in den Abend hineinfahren und rund um die Strecke gehen die Grillfeuer an. Da sitzt Du im Auto und riechst die Steaks und Würstel und Dir läuft das Wasser im Mund zusammen.“

Nun treten Sie 37 Jahre nach Ihrem ersten Sieg mit Ihrem Sohn an.
Hans-Joachim Stuck: „Ich habe leider nie die Möglichkeit bekommen, ein Rennen mit meinem Vater zu fahren. Dass ich jetzt selbst mit meinem Sohn fahren kann, freut mich um so mehr. Und es markiert ein bisschen der Übergang zur nächsten Generation. Jetzt ist das Ziel, mit meinem Sohn bei diesem Rennen auf dem Podium zu stehen: Das wäre schon etwas ganz, ganz besonderes!“


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