WTCC: Tourenwagen-Weltmeister Andy Priaulx im Porträt
Schneller und taktischer Fahrer: Der amtierende Tourenwagen-Champion Andy Priaulx
Andy Priaulx ist nicht bloß ein schneller Fahrer. Er ist auch ein Taktiker. Und das selbst während des Rennens. Blitzschnell kann der 32-Jährige seine Strategie den Gegebenheiten auf der Strecke anpassen und auf veränderte Situationen reagieren. Auf diese Weise gelang es ihm 2005, in 16 von 20 WTCC-Läufen Punkte zu sammeln. Diese Konstanz wurde am Ende mit dem Tourenwagen-Weltmeistertitel belohnt. Die abgelaufene Saison nahm Priaulx mit einer neuen Taktik in Angriff. Ihm war klar, dass er aufgrund des erhöhten Zusatzgewichts von bis zu 80 Kilogramm darum gehen würde, mit geringem Ballast so viele Punkte wie möglich zu sammeln und voll auf Sieg zu fahren.
Bereits beim Saisonauftakt in Monza setzte der Pilot von der Kanalinsel Guernsey sein Vorhaben in die Tat um. Er fuhr im neuen BMW 320si WTCC auf die Poleposition und sicherte sich den Sieg im ersten Rennen. Insgesamt vier weitere Triumphe in Magny-Cours, Oschersleben, Curitiba und Macau folgten. Nicht selten machte sich Priaulx dabei die umgekehrte Startreihenfolge im zweiten Rennen zunutze. Es galt, mit mittlerweile mehr Zusatzgewicht an Bord den achten Platz im ersten Lauf zu sichern, um dann von der Poleposition in Rennen zwei das Tempo zu diktieren. So entwickelte sich Priaulx 2006 vom konstanten Punktesammler zum Seriensieger. Kein Pilot gewann mehr Läufe als der Fahrer vom BMW Team UK.
Priaulx kann auf eine Bilderbuch-Karriere im Tourenwagensport zurückblicken. 2002 bestritt er in der Britischen Tourenwagenmeisterschaft (BTCC) seine erste komplette Saison und feierte auf Anhieb einen Sieg sowie drei Polepositions. Im folgenden Jahr startete er mit einem BMW 320i erstmals für das BMW Team Great Britain in der Europameisterschaft. Bis zuletzt kämpfte er um den Titel und beendete die Saison schließlich auf dem dritten Platz. 2004 folgte der Titelgewinn in der FIA ETCC, ein Jahr später beerbte er Robert Ravaglia als Tourenwagen-Weltmeister.
Wenn er nach dem Training oder nach dem Qualifying zu seiner RBM-Mannschaft in die Box zurückkehrt, sieht Priaulx seine Arbeit noch lange nicht als erledigt an. Stundenlang brütet er mit seinem Renningenieuren und Teamchef Bart Mampay über den Telemetriedaten. Akribisch arbeitet er daran, das Auto noch besser zu machen. Dieser Aufwand hat sich auch 2006 gelohnt: So war das Team schon früh in der Lage, den BMW 320si so abzustimmen, dass Priaulx auch mit viel Handicapgewicht schnelle Zeiten erreichen konnte. Ein unschätzbarer Vorteil.
Abschalten kann Priaulx nur im Kreise seine Familie. Seine Frau Joanne ist bei den meisten Rennen dabei und freut sich über jeden Sieg ihres Mannes als wäre es sein erster. „Aber selbst, wenn ich mit meiner Frau zuhause sitze und wir aufs Meer blicken“, sagt Priaulx, „grübele ich manchmal über Verbesserungen an meinem Auto nach.“ Das macht den Tourenwagen-Weltmeister aus.