Steht am Samstag auf der Pole-Position: Der Japaner Kamui Kobayashi
Die einzig sichere Konstante in Macau ist der Grand Prix. Während die einstige portugiesische Kolonie im südchinesischen Meer nahezu wöchentlich ihr Gesicht verändert und ein Wolkenkratzer nach dem anderen in den Himmel schießt, schlängelt sich der 6,2 Kilometer lange Giua Circuit noch immer unverändert gefährlich durch die Stadt. Gefahr droht hier an jeder Ecke, vor allem wenn man im Formel-3-Monoposto sitzt. Der kleinste Fehler endet unweigerlich im Aus und nur wer allen Mut zusammenfasst und dann noch einen klaren Kopf behält, ist vorn zu finden, im 32-köpfigen Starterfeld des 53. Macau Grand Prix.
Auf eines kann man sich in Macau und bei der Formel 3 ebenfalls verlassen: auf die mutigen Streckenposten mit ihren roten Flaggen. Gleich drei Mal wurde im zweiten und damit abschließenden Training Rot geschwenkt, im ersten Qualifying gab’s zwei Unterbrechungen. Verrückt Macau-typisch, dass immer die gleichen Beteiligten den Rhythmus des Trainings störten: der Deutsche Adrian Sutil (Tom’s Toyota) und der Amerikaner Charlie Kimbal (Dallara Mercedes). Dritter im Bunde der Rot-Sünder war im Abschlusstraining der Brite Mike Conway (Dallara-Mercedes).
Einer, der durch die vielen Unerbrechungen dramatisch gestört wurde, war der Deutsche Sebastian Vettel. Dabei richten sich in Macau alle Kameras auf den Formel-1-Testpiloten (Sauber-BMW). Vettel erreichte nach einem mäßigen ersten Training und einem rythmusstörenden zweiten Training nur den neunten Platz. Zudem hadert der 19-Jährige Vizemeister der Formel-3-Euroserie auch mit dem Top-Speed in Macau: „Die Sektorzeiten in der Stadt sind richtig gut, auf den langen Geraden unten am Meer allerdings hapert es“.
Wie nahe in Macau Wohl oder Wehe beieinander liegen, verdeutlichte das Abschlusstraining von Kamui Kobayashi. Der Japaner legte im Dallara-Mercedes des ASM Teams zuerst die Bestzeit von 2:13.449 Minuten Minuten vor, und krachte anschließend vehement in die Mauer. Dennoch blieb der 20-Jährige vorn. Eine ausgezeichnete Leistung für den Tabellenachten der Formel-3-Euroserie. Auf dem zweiten Platz landete mit Kohei Hirate ebenfalls ein Japaner. Im Dallara-Mercedes des britischen Manor Teams kam der 20-Jährge auf 2:13.566 Minuten. Platz drei erreichte der Franzose Romain Grosjean (2:13.930 Minuten) im Dallara-Mercedes des Teams Signature. Dass im zweiten Qualifyng deutlich schnellere Zeiten erreicht wurden, unterstreicht der Este Marko Asmer, dessen Zeit (2:13.965 Minuten) aus dem ersten Qualifying für Platz vier reichte, während die ersten elf Piloten aller ihre Bestzeit im zweiten Qualifying erzielten.
Wie vermutet, ist für die beiden Teams aus dem ATS Formel-3-Cup der olympische Gedanke vordergründig. Bei Ombra Racing kamen Mauro Massironi (Italien) und Michael Ho (Macau) im Feld der weltbesten Formel-3-Piloten auf die Startplätze 26 und 29 während die beiden Macanesen Lei Kit Meng und Jo Merszei im Swss Racing Team die Plätze 31 und 32 belegten.
Kamui Kobayashi: "Es fühlt sich phantastisch an, ganz vorne zu stehen. Obwohl ich schon vorne stand, habe ich in meiner letzten Runde noch mal richtig gepusht, da ich ein super gutes Auto hatte. Leider bin ich dann in die Mauer gekracht. Es geht hier eben manchmal nur um Zentimeter, die den Erfolg oder den Misserfolg bedeuten."
Kohei Hirate: "Das Qualifyng ist in Macau immer schwierig. Ich habe mich vor allem am Anfang äußerst konzentriert, um so schnell wie möglich eine schnelle Runde zu erreichen. Leider konnte ich meinen neuen Reifensatz wegen der vielen Rot-Phasen nicht optimal nutzen."
Romain Grosjean: "Es war ein chaotisches Training, in dem man kaum einen Rhythmus finden konnte. Deshalb bin ich mit dem dritten Platz zufrieden. Leider bin ich dann gegen Trainingsende noch in die Leitplanke gerutscht."