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2006-11-13 10:14:01 - ks
WTCC: Fünf Fragen, fünf Antworten: Die BMW Titelkandidaten im Interview

Freut sich auf den Straßenkurs in Macau: Dirk Müller
Drei Fahrer der BMW Länderteams in der FIA World Touring Car Championship (WTCC) machen sich vor dem Saisonfinale in Macau am 19. November noch Hoffnungen auf den Gewinn des Fahrertitels. Andy Priaulx (GBR) vom BMW Team UK reist als amtierender Weltmeister in die ehemalige portugiesische Kolonie und liegt derzeit mit 59 Punkten auf Platz zwei der Fahrerwertung. BMW Team Germany Pilot Jörg Müller (Hückelhoven) folgt punktgleich auf der dritten Position. Sein Teamkollege Dirk Müller (Burbach) hat als Sechster 53 Zähler auf dem Konto und kann ebenfalls noch den Sprung an die Spitze schaffen. Wenige Tage vor der Entscheidung auf dem "Guia Circuit" spricht das Trio über den Titelkampf.

Das Saisonfinale rückt immer näher. Wie bereiten Sie sich auf Macau vor?
Andy Priaulx: "Ich bereite mich exakt so auf das Finale vor, wie ich es im vergangenen Jahr getan habe. Damals hat es zum Erfolg geführt, ich hatte ein herausragendes Wochenende. Ich werde früh anreisen und gemeinsam mit dem Team mit der Arbeit beginnen. Ich fühle mich gut vorbereitet."

Jörg Müller: "Bevor ich nach Macau fliege, verbringe ich einige Tage beim Tauchen in Thailand. Das hilft mir, völlig abzuschalten und den Kopf frei zu bekommen. Tauchen ist für mich der erholsamste Sport auf der Welt. Deshalb werde ich völlig entspannt nach Macau kommen. Ich weiß, dass ich dort stark bin und bin fest entschlossen, für BMW den Titel zu gewinnen."

Dirk Müller: "Ich nehme die beiden Läufe so wie jedes Überseerennen in Angriff und bereite mich nicht speziell vor. Natürlich betreibe ich auch weiterhin mein tägliches Fitnessprogramm, um topfit zu sein. Ich brauche nicht viel Zeit, um mich etwa an die Zeitumstellung zu gewöhnen. Viel wichtiger ist es, schon früh die Konzentration für die beiden Rennen zu sammeln."

Mögen Sie den "Guia Circuit"?
Andy Priaulx: "Ich liebe es, sehr schnell sehr nah an den Leitplanken und den Begrenzungsmauern entlang zu fahren. Die vielen schnellen Kurven verlangen höchsten Einsatz von den Fahrern. Das liegt mir."

Jörg Müller: "Die Strecke ist toll und sehr abwechslungsreich. Oben in der Stadt ist man schnell unterwegs, am Wasser warten hingegen langsame Passagen. Vor allem mag ich die engen Leitplanken. Auf solchen Kursen fühle ich mich immer besonders sicher. Es macht Spaß, die komplette Fahrbahnbreite auszunutzen."

Dirk Müller: "Macau ist ein absolutes Highlight und fast schon von einer Art Mythos umgeben. Das liegt in hohem Maße am traditionsreichen Formel-3-Rennen, das für junge Fahrer alljährlich ein tolles Sprungbrett ist. Für Tourenwagen gibt es allerdings durchaus schönere Strecken. Dennoch ist Macau eine ungeheure Herausforderung."

Welche Rolle spielt das Zusatzgewicht bei der WM-Entscheidung?
Andy Priaulx: "Gewicht wird zumindest keine Hilfe im Titelkampf sein. Je leichter man ist, desto besser. Ich bin recht glücklich, diesmal nur 45 Kilogramm an Bord zu haben. So leicht war ich seit Magny-Cours - also seit dem zweiten Wochenende der Saison - nicht mehr. Die Ausgangslage könnte schlechter sein."

Jörg Müller: "In der Theorie wirkt sich das Gewicht in Macau stärker aus als auf anderen Strecken. Schließlich ist es der längste Kurs im Kalender. Andererseits kommt es dort in hohem Maße darauf an, wie gut man die Strecke kennt. Was das angeht, muss ich mir keine Sorgen machen."

Dirk Müller: "Das Handicapgewicht wird ein großer Faktor sein. Mittlerweile kennen die meisten WTCC-Piloten den Kurs sehr gut, so dass sich nicht mehr so viel mit Streckenkenntnis ausgleichen lässt. Dennoch ist Erfahrung in Macau auch weiterhin ein Vorteil."

Wie sieht Ihre Strategie für die Saisonrennen 19 und 20 aus?
Andy Priaulx: "Es hilft wenig, sich eine Strategie zurechtzulegen. Ich werde mein Bestes geben. Und dann sehen wir, ob es reicht."

Jörg Müller: "Es ist schlichtweg unmöglich, sich in Macau eine genaue Strategie zu überlegen. Das Ziel muss einfach sein, so viele Punkte wie möglich zu sammeln - und das in beiden Läufen. Das Motto lautet also: Vollgas."

Dirk Müller: "Natürlich ist es das Ziel, im Qualifying weit vorn zu stehen, zwei Mal auf das Podest zu fahren und damit anschließend Weltmeister zu werden. Diese Vorstellung dürften allerdings viele andere Fahrer mit mir teilen. Man sollte sich nicht selbst unter Druck setzen. Es können viele unerwartete Dinge passieren."

Was war für Sie bisher der Höhepunkt des Jahres?
Andy Priaulx: "Schön war der Sieg von der Pole gleich im ersten Rennen in Monza. Außerdem habe ich in Curitiba mit 65 Kilogramm Handicapgewicht gewonnen. Das war außergewöhnlich. Aus Brünn habe ich trotz 60 Kilogramm Ballasts zwölf Punkte mitgenommen. Es hat also in diesem Jahr viele besondere Momente gegeben. Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass 2006 mein bisher bestes Jahr gewesen ist."

Jörg Müller: "Ich habe zwar in Magny-Cours nicht gewonnen, dort aber mit zwei zweiten Plätzen mein bestes Saisonergebnis erreicht. Dieser Kurs liegt mir, und ich fahre gerne dort. Es war fantastisch, in den beiden Rennen 16 Punkte zu sammeln."

Dirk Müller: "Ich habe mit Sicherheit kein einfaches Jahr gehabt. Oft war ich in Zweikämpfe verwickelt und musste mir jeden WM-Punkt hart erarbeiten. In manchen Situationen hat mir das Glück gefehlt. Aber so ist es nun mal im Motorsport. Umso motivierter bin ich, in Macau noch einmal sehr gut abzuschneiden."
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