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Formel 1: Nick Shorrock: „Michelin will als Weltmeister gehen!“

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Will als Sieger die Formel-1-Bühne verlassen: Formel 1-Direktor von Michelin Nick Shorrock |
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| Eine enorm spannende Formel 1-Saison ist auf ihre Zielgerade eingebogen: In gut einer Woche findet in Brasilien der 18. und letzte Grand Prix 2006 statt. Michelin besitzt als Reifenpartner des Renault F1 Teams eine ausgezeichnete Ausgangsposition, um beide WM-Titel zu verteidigen. Fernando Alonso fehlt noch ein Punkt, um endgültig als alter und neuer Champion festzustehen, seinem Team noch zehn. Nick Shorrock erläutert als Formel 1-Direktor von Michelin, welche Schlüsse er aus dem zurückliegenden Rennen in Japan für das große Finale in Interlagos zieht.
Nick, eine Woche nach Suzuka, wie lautet Ihre Analyse des Großen Preis von Japan?
Wir sollten das Rennwochenende in seinem chronologischen Ablauf betrachten. Am Freitag hatte Regen unsere Vorbereitungen beeinträchtigt, erst in den letzten zehn Minuten des zweiten Freien Trainings konnten wir noch im Trockenen fahren. Dabei erwiesen sich unsere Teams als sehr konkurrenzfähig, dies stimmte uns optimistisch - auch wenn wir auf keinerlei Informationen zurückgreifen konnten, wie sich die Performance unserer Pneus über längere Distanzen entwickeln würde. Aus diesem Grund haben wir mit unseren Partnern für den Samstagmorgen eine spezielle Strategie vereinbart und konnten dadurch viele verschiedene Dinge testen. Alle unsere Autos gingen mit hohen Benzinladungen auf die Strecke, darum sahen wir im dritten Freien Training für Außenstehende auch nicht sehr schnell aus.
Was hatte sich Michelin für das Qualifying ausgerechnet?
Wir wussten vor dem abschließenden Zeittraining, dass unsere Konkurrenz im Qualifying im Vorteil sein könnte - wenngleich uns nicht ganz klar war, warum. Darum haben wir uns gemeinsam mit unseren Partnern auf das Rennen konzentriert und das Qualifying abgehakt. Wir sorgten dafür, dass unsere Autos im Grand Prix mit konstant leistungsfähigen Reifen größere Chancen besaßen. Am Samstagmorgen hatten wir erkannt, dass unsere Pneus mit exakt jenen Charakteristiken aufwarteten wie zuvor bei den Testfahrten in Silverstone.
Dann sind Sie am Sonntag optimistisch an den Start gegangen?
Ja und nein, denn gut geschlafen haben wir in der Nacht davor nicht - wir konnten uns einfach nicht erklären, warum die Pneus unseres Wettbewerbers über eine Runde betrachtet schneller waren als unsere. Wie auch immer: Nach dem Start zeigte sich bald, dass wir das Tempo der Ferrari nicht nur mitgehen konnten, sondern dass Fernando Alonso sogar auf Michael Schumacher aufschloss, als der Motor des Deutschen einging.
Wie kam dies?
Die Strecke hatte sich um ein paar Grad Asphalttemperatur abgekühlt. Damit arbeiteten insbesondere unsere ,Prime'-Reifen innerhalb ihrer optimalen Betriebsbedingungen. Zugleich litten die Ferrari-Pneus offensichtlich unter Graining...
Wie bereitet sich Michelin auf Brasilien vor?
Im Moment sind wir damit beschäftigt, die endgültige Auswahl für das Saisonfinale festzulegen. Wie es aussieht, werden wir zehn verschiedene Reifentypen nach Südamerika schicken. Die Region rund um Interlagos hält, speziell was das Wetter betrifft, immer ein paar Überraschungen bereit. Die Asphaltoberfläche ist nicht ganz so rauh und materialverschleißend wie jene in Suzuka, also haben wir uns in puncto Laufflächenmischungen eher für Medium-Sorten entschieden. Noch im September nahmen wir die Strecke ein letztes Mal in Augenschein und stellten dabei fest, dass sich die Straßenqualität seit dem Vorjahr nicht nennenswert verändert hat. Drei kleine Abschnitte haben eine neue Oberfläche erhalten, aber das fällt kaum ins Gewicht.
Renault und Michelin führen vor dem letzten Saisonrennen beide WM-Wertungen an. Grund genug für Sie, eher vorsichtig an den Brasilien-Grand Prix heranzugehen?
Nein, nicht wirklich. So aggressiv wie zum Beispiel in Magny-Cours legen wir unsere Reifenstrategie zwar nicht aus, aber wir müssen schon sicherstellen, dass wir konkurrenzfähig sind. Dafür haben wir uns zum Beispiel im Vorfeld lange mit Renault F1 Chefingenieur Pat Symonds unterhalten. Unsere Pneus sollten absolut top sein. Sind sie es nicht, werden wir dafür einen hohen Preis bezahlen, was die Rundenzeiten betrifft.
Für Michelin ist das Interlagos-Rennen ein ganz besonderer Grand Prix - nämlich der letzte vor dem Ausstieg aus der Formel 1…
Ja, das stimmt. Rein psychologisch betrachtet stehen wir vor einem ebenso wichtigen wie schwierigen Wochenende. Wir müssen uns noch einmal hundertprozentig konzentrieren, auch wenn wir nach dem famosen Ergebnis von Suzuka etwas ruhiger an die Sache herangehen können. Dennoch: Alles kann passieren, noch ist nichts gewonnen, ganz im Gegenteil sogar. Ich denke, dass wir alle nach dem Rennen sehr traurig über unseren Abschied aus der Formel 1 sein werden - hoffentlich bringt uns das Resultat auf andere Gedanken! Neben unserem Stammteam begleiten uns übrigens 30 zusätzliche Mitarbeiter, die durch ihren außergewöhnlichen Einsatz unseren Erfolg im Grand Prix-Sport maßgeblich unterstützt haben.
Was auch immer in Brasilien passieren wird: Haben wir nicht eine fantastische Saison erlebt?
Absolut. Ich glaube, unsere Partnerteams haben uns noch nie zuvor so zu Höchstleistungen angetrieben wie in diesem Jahr. Gewinnen ist immer schön, aber nach einem so intensiven Kampf am Ende ganz vorne zu stehen würde dieses Gefühl nochmals deutlich übertreffen. Wir sind auf jeden Fall fest gewillt, die Formel 1 als Weltmeister zu verlassen.
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