Nach zehn Wochen Pause geht die Rallye-Weltmeisterschaft am kommenden Wochenende in die zweite Saisonhälfte. Die OMV ADAC Rallye Deutschland ist der neunte von insgesamt 16 Läufen zur WRC. Das Event rund um Trier ist gleichzeitig die letzte Asphalt-Rallye der Saison. Wie auch in der Vergangenheit üblich, betrachten viele der WRC-Piloten die OMV-Rallye als „drei in einem“. Jede Etappe findet in einem anderen Landesteil mit anderen Streckencharakteristiken und unterschiedlichen Asphaltbelägen statt.
Die erste Etappe am Freitag findet traditionell in den Weinbergen an der Mosel statt. Am Samstag steht dann wieder der Truppenübungsplatz Baumholder auf dem Programm, Dank seiner Hinkelsteine vermutlich die gefährlichste Etappe der gesamten Rallye-WM wie diverse Unfälle der letzten Jahre – siehe Petter Solberg – verdeutlichen. Das Saarland ist am Sonntag dann traditionell die Region für die letzten Wertungsprüfungen.
Das Wetter spielte in der Vergangenheit oft eine wichtige Rolle, vor allem Regen verwandelte die Panzerstraßen auf Baumholder in gefährlich glatte Pisten. Regen sorgte aber auch in den Weinbergen und im Saarland dafür, daß viel Schlamm – auch Dank Cutten – auf die Straßen gespült wurde.
Seit dem letzten Lauf, der Acropolis in Griechenland im Juni, haben die Teams etliche Testkilometer abgespult und freuen sich jetzt, daß es endlich wieder Ernst wird.
Der große Favorit ist und bleibt aber Sebastien Loeb. Der Doppelweltmeister hat bislang alle Auflagen der Deutschland gewonnen, seitdem der Lauf zur WRC zählt. Mit einem weiteren Triumph kann der Franzose seinen Vorsprung in der WM weiter ausbauen. Sein neuer Teamkollege im Marken-WM-berechtigten zweiten Kronos-Citroen ist Daniel Sordo, der den zuletzt schwachen Xavier Pons ersetzt. Pons lenkt ab sofort das ehemalige – und offiziell als absolut privat deklarierte - Sordo-Auto.
Loebs großer Herausforderer ist Marcus Grönholm. Der Finne gewann mit dem Ford Focus in Monte Carlo und liegt in der WM auf Rang zwei, allerdings mit 29 Punkten Rückstand auf Loeb. Sowohl der ehemalige Weltmeister als auch sein finnischer Teamkollege Mikko Hirvonen starten in Deutschland mit einer neuen Evolutionsstufe des Motors. Grönholm ist optimistisch, Loeb bei der OMV Rallye zu besiegen. Und Hirvonen möchte möglichst viele Punkte für die Hersteller-Wertung ergattern.
Das Subaru World Rallye Team ist vor allem froh, daß mit der Deutschland der letzte Asphalt-Lauf der Saison auf dem Programm steht. Die Pirelli-Reifen an den Imprezas von Petter Solberg und Stephane Sarrazin sind auf Asphalt nicht konkurrenzfähig. Und da Pirelli am Saisonende ohnehin aus der WRC aussteigt ist auch nicht davon auszugehen, daß die Italiener vor der Deutschland noch einmal kräftig in die Weiterentwicklung investiert haben. Und die Technik der Subarus war auch nicht gerade standfest. Die Prodrive-Truppe sehnt sich jedenfalls der Finnland-Rallye in einer Woche entgegen.
Asphalt-Spezialist und DTM-Star Mattias Ekström möchte mit einem guten Resultat WM-Punkte sammeln. Für Andreas Aigner ist die OMV ADAC Rallye der erste WM-Lauf, den der Junior bereits kennt, wenn auch nur an Volant eine Gruppe N-Mitsubishi Lancer. Das Red Bull Skoda-Team hat sich in Österreich und Deutschland mit umfangreichen Testfahrten auf den deutschen WM-Lauf vorbereitet.
Mattias Ekström, der von Audi Motorsport Chef Dr. Wolfgang Ullrich für den WM-Einsatz eine Freigabe erhielt, geht sehr offen in diese Aufgabe: "Ich habe mich durch die Tests gut vorbereitet. Damit habe ich auch ein gutes Gefühl für das Auto bekommen. Ich werde versuchen, schnell und dabei relativ fehlerlos zu fahren. Dann müsste ein faires Ergebnis drinnen sein. Ein WM-Punkt wäre natürlich ein Traum." Recht optimistisch blickt auch Youngster Andreas Aigner dem Event entgegen: "Es ist die erste Rallye die ich kenne. Da ich sehr ehrgeizig bin, möchte ich den Abstand auf die Spitze pro Kilometer auf eine Sekunde verringern.“
Auch die beiden Teamverantwortlichen Raimund Baumschlager und Armin Schwarz hoffen auf ein gutes Abschneiden in Deutschland: "Wir haben in der Sommerpause sehr viel gearbeitet. Es wurden neue Teile gebaut und diese auch bei Testfahrten erfolgreich eingesetzt. Mit Mattias haben wir einen Fahrer in Trier, der in der Lage sein sollte, ein gutes Resultat für das Team einzufahren. Andreas hat jetzt erstmals die Chance sich auf einer Strecke zu bewähren, die er schon kennt."
Sehr zur Freude von Hauptsponsor OMV startet Manfred Stohl mit seinem Bozian-Peugeot 307 aus dem OMV-Team. Die Cockpits bei Stobart Ford haben Matthew Wilson und Jari-Matti Latvala. Gute Chancen auf eine vordere Platzierung haben auch die Privatiers Toni Gardemeister (Citroen Xsara), Jan Kopecky (Skoda Fabia) und Garath MacHale (Ford Focus).
Schwach besetzt ist die Junior World Rally Championship (JWRC). Nur zehn der eingeschriebenen 26 Teams kommen nach Deutschland. Unter anderem glänzt das komplette Suzuki-Werksteam mit Abwesenheit. Die OMV-Rallye ist auch der vierte Lauf zur Ford Fiesta Sporting Trophy International, wo derzeit Allesandro Bettega vor Mathieu Biasion führt.
Die Wettbewerbspremiere des roten Suzuki Swift Super 1600 ist gleich aus mehreren Gründen eine runde Sache: Im Jahr 2002, bei der ersten WM-Saison von Suzuki, sorgte Niki Schelle an gleicher Stelle für eine kleine Sensation. Damals erreichte er in der Junior-WM mit dem Ignis Super 1600 als Dritter den ersten WM-Podiumsplatz für Suzuki. Nun will es der schnelle Bayer noch einmal wissen: „Am Rallyesonntag feiere ich meinen 40. Geburtstag. Suzuki ermöglicht mir nun, diesen im Swift Super 1600 standesgemäß zu zelebrieren. Für einen Herzblut-Motorsportler wie mich ein schönes und außergewöhnliches Geschenk zugleich. Ich bin voll motiviert und kann mich hoffentlich mit einem guten Resultat bedanken.“
Auszug aus Teilnehmerliste OMV ADAC Rallye Deutschland:
1 Kronos WRT: Sebastien Loeb/Daniel Elena (Citroën Xsara)
2 Kronos WRT: Daniel Sordo/Marc Marti (Citroën Xsara)
3 Ford WRT: Marcus Grönholm/Timo Rautiainen (Ford Focus 06)
4 Ford WRT: Mikko Hirvonen/Jarmo Lehtinen (Ford Focus 06)
5 Subaru WRT: Petter Solberg/Philip Mills (Subaru Impreza 06)
6 Subaru WRT: Stephane Sarrazin/Stephane Prevot (Subaru Impreza 06)
7 OMV Peugeot Norway: Manfred Stohl/Ilka Minor (Peugeot 307)
9 Stobart M-Sport: Matthew Wilson/Michael Orr (Ford Focus 04)
10 Stobart M-Sport: Jari-Matti Latvala/Miikka Anttila (Ford Focus 04)
11 Red Bull Skoda: Mattias Ekström/Jonas Andersson (Skoda Fabia)
12 Red Bull Skoda: Andreas Aigner/Timo Gottschalk (Skoda Fabia)
14 Toni Gardemeister/Jakke Honkanen (Citroen Xsara)
15 Kronos WRT: Xavier Pons/Carlos Del Barrio (Citroën Xsara)
16 Subaru WRT: Chris Atkinson/Glenn MacNeall (Subaru Impreza 06)
17 Czech RT Skoda: Jan Kopecky/Filip Schovanek (Skoda Fabia)
18 First Motorsport: Francois Duval/Patrick Pivato (Skoda Fabia)
20 Gareth MacHale/Paul Nagle (Ford Focus)
21 Matthias Kahle/Peter Göbel (Skoda Fabia)
22 Pieter Tsjoen/Eddy Chevaillier (Ford Focus)
23 Stepan Vojtech/Michal Ernst (Peugeot 307)
24 Kristian Poulsen/Ole Frederiksen (Toyota Corolla)
25 Erik Wevers/Filip Godde (Toyota Corolla)
65 Niki Schelle/Michael Wenzel (Suzuki Swift Super 1600)
Stand in der Fahrer-WM:
1. Loeb (Citroën) 74; 2. Grönholm (Ford) 45; 3. Sordo (Citroën) 33; 4. Hirvonen (Ford) 21; 5. Stohl (Peugeot) und P.Solberg (Subaru) je 20; 7. Galli (Mitsubishi/Peugeot), Pons (Citroen) 10, H.Solberg (Peugeot) und Gardemeister (Peugeot/Citroen) je 11; 11. Bengue (Peugeot) 9; 12. Atkinson (Subaru) 8; 13. Carlsson (Mitsubishi) und Sarrazin (Subaru) je 6; 15. Radström (Subaru), Kopecky (Skoda), Valimäki (Mitsubishi) und Duval (Skoda) je 4; 19. Sohlberg (Subaru), Katajamäki (Ford) und MacHale (Ford) je 3; 22. Wilson (Ford) 1.
Stand in der Marken-WM:
1. Kronos-Citroën 69; 2. BP Ford 57; 3. 555 Subaru 51, 4. OMV Peugeot Norway 35; 5. Stobart Ford 15; 6. Red Bull Skoda 11.