Fuhr in Magny Cours zu einem sicheren Start-Ziel-Sieg
Ein Rennwochenende voller Fragezeichen liegt hinter Uwe Alzen. Der Betzdorfer sicherte sich beim neunten Lauf zum Porsche Michelin Supercup souverän die Pole-Position und gewann das Rennen im Rahmen des Großen Preises von Frankreich. Bei der Siegerehrung stand ganz oben jedoch ein anderer: Richard Lietz. Sieger Alzen durfte nach Unregelmäßigkeiten am Kabelbaum seines Porsche nur unter Vorbehalt starten und wurde nicht gewertet.
Nach dem Qualifying wurde der Porsche 911 GT3 von SPS automotive-performance einer Routineuntersuchung unterzogen. „Nichts Ungewöhnliches“, sagt Alzen. „Nach jedem Qualifying und Rennen werden stichprobenartig Fahrzeuge überprüft.“ Die technischen Kommissare des Porsche-Cups stellten am Fahrzeug des Betzdorfers eine Unregelmäßigkeit am Kabelbaum fest und unterstellten dem Team Manipulation. „In Frankreich kam zum ersten Mal ein neues Gerät zur Überprüfung der Fahrzeug-Elektronik zum Einsatz“, so Alzen. „Meine Mechaniker waren bei der Überprüfung vor Ort und hatten den Anschein, dass die Kommissare mit den neuen Gerätschaften etwas überfordert waren und somit auch das Ergebnis fragwürdig ist.“
Bei einer vorangegangenen Routineuntersuchung in Silverstone wurde der originale Kabelbaum des Alzen-Porsche zur weiteren Untersuchung ausgebaut. Das Team erhielt im Austausch einen neuen Kabelbaum, der bis zum Qualifying in Frankreich im Einsatz war. „Nach Silverstone haben wir das Bauteil nicht verändert“, versichert Alzen, der von der Vorgehensweise der Cup-Leitung mehr als enttäuscht war. „Die technischen Kommissare haben sich nur auf die Ergebnisse des neuen Messgerätes verlassen. Eine Kontrolle auf die herkömmliche Art und Weise haben sie abgelehnt. Danach wurde ich disqualifiziert und konnte erst zum Rennen antreten, nachdem mein Team Berufung eingelegt hatte.“
Im Rennen bestätigte Alzen – mit einem neuen Kabelbaum von Porsche ausgestattet – seine guten Leistungen aus dem Qualifying und holte einen nie gefährdeten Start-Ziel-Sieg. Eine erneute Untersuchung des Alzen-Porsche nach dem Rennen ergab keinerlei Beanstandungen. Der nach dem Qualifying sichergestellte Kabelbaum wurde versiegelt und wird innerhalb der nächsten 30 Tage im Auftrag der französischen Sporthoheit FFSA einer Kontrolle durch ein unabhängiges Unternehmen unterzogen. „Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass der Kabelbaum genau so in unserem Auto verbaut war, wie wir ihn in Silverstone von Porsche erhalten haben. Daher kann bei der Untersuchung keine Manipulation festgestellt werden“, ist sich Alzen sicher.
„Die Vorgehensweise der Cup-Leitung war mehr als unfair – die Disqualifikation unnötig“, ärgert er sich. „Es wäre sinnvoller gewesen, mich unter Vorbehalt starten zu lassen und das Rennen normal zu werten. Porsche sollte sich immer vor Augen halten, dass hier Kundensport betrieben wird – die Teams sind zahlende Porsche-Kunden, die mit solchen Aktionen verprellt werden.“ Alzen weiter: „Im Fahrerlager und unter den Teams gibt es jede Menge Unmut über verschiedene organisatorische und technische Dinge. Es werden Fehlentscheidungen getroffen, die am Ende in erster Linie dem Sport schaden und die Kunden – also die Teams – verärgern. Das Sonntagsrennen in Indianapolis ist ein sehr gutes Beispiel: Am Morgen wurde ein Bulletin ausgegeben, dass Startübungen in der Einführungsrunde untersagt. Verschiedene Fahrer haben sich nicht daran gehalten und werden trotzdem nicht belangt. Im Gegenzug habe ich für einen ganz normalen Rennunfall am Samstag eine 15-Sekunden-Strafe bekommen. Hier stimmen einfach die Verhältnisse nicht mehr. Wenn ich einen Fehler mache, bin ich der letzte, der ihn leugnen würde – zu seinen Fehlern muss man einfach stehen. Ich wünsche mir nur, im Supercup fair behandelt zu werden. Und mit diesem Wunsch stehe ich bei weitem nicht alleine da.“
Auf einen Fahrer ist Alzen nach dem Rennen in den USA nicht gut zu sprechen. David Saelens. „Ich wollte mich nach unserem Unfall am Samstag bei ihm entschuldigen und den Vorfall klären – er hat abgelehnt. In der Presse tauchen dann unqualifizierten Bemerkungen auf. David sollte sich lieber auf sich selbst besinnen, denn er ist kein Unschuldslamm. Ein Vorfall in 2005, als er nach einem Rennen Richard Westbrook mehrfach ins Gesicht geschlagen hat, spricht für sich.“