Franz Engstler gewann in Assen beide Rennen souverän
Mit einer spannenden Vorstellung vor 11.000 Zuschauern hat die ADAC Procar an diesem Wochenende ihre Visitenkarte im niederländischen Assen abgegeben. Die wohl größte Aufgabe für die Starter war dabei, den ultrakompakten Zeitplan optimal zu nutzen: Nur ein freies Training musste den Teams vor dem Qualifying reichen, um sich auf den umgebauten, nun 4,555 km langen Kurs einzustellen. Die Strecke entpuppte sich als ideale Bühne für Renndramen, denn in allen Divisionen der Produktionswagen gab es bemerkenswert zufriedene „Verlierer“: In der „großen“ Division 1 für die Fahrzeuge aus der Tourenwagen-WM gab es ebenso wie im Feld der 1.600-Kubik-Flitzer (Division 2) und in der Diesel-Division 3 Piloten, für die Pech und Glück sehr nahe beieinander lagen.
Division 1: Radermecker weiter in Führung, Schläppi rettet Wochenende
Der amtierende Procar-Meister war der erste, den das Schicksal an diesem Wochenende schlug. Matthias Schläppi (Toyota Corolla T-Sport) hatte bereits im freien Training Motorprobleme, die auch im Qualifying anhielten. Der Schweizer musste so mit dem letzten Startplatz vorlieb nehmen und die Pole kampflos dem als Meisterschaftsleader angereisten Belgier Vincent Radermecker (Chevrolet Lacetti) überlassen. Der teilte sich die erste Startreihe mit Franz Engstler (Wiggensbach), der erneut den BMW 320i E46 des Stammfahrers Rustem Teregulov übernahm. Der rennfahrende Teamchef konnte seine Ausgangsposition perfekt umsetzen und in beiden Läufen vom Start weg die Führung übernehmen. „Das war rennentscheidend“, analysierte der zweifache Zweite Radermecker anschließend. „Denn neben der Ideallinie war die Strecke voller feinem Sand. Wer den aufsammelte, konnte sich das Überholen für mindestens zwei Kurven abschminken.“ Hinter dem Führungsduo gab es turbulente Läufe. So hatte mit Rainer Bastuck der zweite Pilot im Chevrolet-Team schon frühzeitig Probleme. An dritter Stelle liegend schied er im ersten Rennen mit einem abgerissenen Wärmetauscher-Schlauch aus. Auch Philip Geipel, der zweite Corolla-Pilot im Feld, musste den ersten Umlauf als Null-Punkte-Rennen abhaken: Er hatte beim Start durchdrehende Räder, wurde in eine Rangelei verwickelt und schied aus. Dass es trotzdem kein schwarzes Wochenende für die Corolla-Mannschaft wurde, lag an Matthias Schläppi: Er wurde nach einem Blitzstart schon nach wenigen Runden an der Spitze des Feldes gesichtet. „Wir haben den Motor mit einer Notlösung zum Laufen bekommen“, grinste der Schweizer anschließend. „Die Pace an der Spitze konnte ich damit zwar nicht mitgehen, aber es reichte für zwei dritte Plätze. So bin ich noch mal mit einem blauen Auge davon gekommen.“ Die Tabellenführung behält nach den beiden Läufen in Assen Vincent Radermecker. „Ich bin beide Rennen mit Blick auf den Meisterschaftsstand gefahren“, gestand der Belgier. „Solch eine kontrollierte Fahrt ist vielleicht nicht der Traum eines Rennfahrers. Doch gegen Franz, der in der Titelvergabe keine Rolle spielt, hätte ich mir keinen Angriff erlauben können.“ So konnte der Doppelsieger denn auch strahlen: „Ich habe einen perfekten Start und ein perfektes Auto gehabt. Damit konnte ich umsetzen, was ich mir vorgenommen hatte: Vom Start ab vorneweg fahren.“
Division 2: Thierfelder neuer Tabellenleader
Ein turbulentes Wochenende erlebten auch die Teams der Procar-Division 2. So musste der vor dem Wochenende Führende Thomas Mühlenz (Citroën Saxo VTS) nach einem Überschlag im freien Training umplanen: „Wir konnten den Saxo zwar rennfertig machen, aber er lief alles andere als optimal“, ärgerte sich der Recklinghäuser. Trotzdem konnte er lächeln: „Immerhin habe ich ein wenig Schadensbegrenzung betrieben.“ Der Patzer des Spitzenreiters lieferte der versammelten Konkurrenz eine Chance, die vor allem die beiden Piloten von ETH-Tuning nutzen konnten: Guido Thierfelder und Michael Bohrer holten im Qualifying die ersten Startplätze und landeten in beiden Rennen auf den Podiumsplätzen. Im ersten Lauf mussten sie sich dabei noch hinter VW-Lupo-Pilot Kai Jordan anstellen, der allerdings beim Start zum zweiten Rennen mit Getriebedefekt ausschied. So war im zweiten Lauf der Weg für den Doppelsieg frei. „Mit den Punkten von diesem Wochenende habe ich die Führung übernommen“, jubelte Thierfelder. „Ich hatte die Titelverteidigung schon abgehakt, aber jetzt hat dieses Ziel natürlich wieder Priorität.“ Großen Sportsgeist bewies übrigens auch der einzige Ukrainer in der Procar: Andriy Kruglik wurde bei den freien Test- und Einstellfahrten am Freitag vor der Veranstaltung durch einen Motorschaden an seinem Ford Fiesta ST gebremst. Kurz entschlossen brachte er die Maschine noch am selben Tag zu seinem Motorenbauer nach Stuttgart und war pünktlich zum Qualifying am Sonntagmorgen wieder in den Niederlanden. Mehr als die letzten Positionen waren zwar nicht mehr möglich – aber mit so viel olympischen Geist verdiente er sich einen Sonderapplaus.
Division 3: Zondler kann Tabellenspitze trotz Rempler behaupten
Zwei Sieger gab es an diesem Wochenende in der Division 3: Daniel Keilwitz erwies sich im Alfa 147 JTD als unschlagbar, holte die Pole und zwei Rennsiege in der Turbodiesel-Klasse der ADAC Procar. „Das Wochenende lief wirklich perfekt“, sagte der Villinger. „Der Alfa war einfach gut vorbereitet und auch im Rennen klappte es: Ich konnte schon am Start die Führung übernehmen und mich mit einigen schnellen Runden absetzen. Danach habe ich den ersten Lauf kontrolliert zu Ende gefahren. Im zweiten Lauf war es ganz ähnlich.“ Zum zweiten Sieger wurde Martin Zondler: Der Graben-Neudorfer war im ersten Lauf unverschuldet in eine Rempelei verwickelt und musste sich vom Ende des Feldes vorarbeiten. Er war dabei überaus erfolgreich. Der Dreher und anschließende Ausfall seines Teamkollegen Stefan Michels kurz vor dem Ende des ersten Laufs bescherte ihm den dritten Platz hinter dem Solinger Uwe Reich (Alfa 147 JTD). Im zweiten Rennen konnte er seinen VW Golf 2.0 TDI vor Michels als Zweiter ins Ziel bringen. „So hat das Wochenende sogar noch einen versöhnlichen Abschluss gehabt“, gab sich der alte und neue Meisterschaftsleader in der Division 3 friedfertig. „Ich habe jetzt noch vier Punkte Vorsprung vor Daniel – da kündigt sich ein spannender Saisonabschluss an."