Franz Engstler nahm auf der Nordschleife das Ruder selbst in die Hand
Jede Menge Action und knappe Fights in allen Divisionen, neue Führende und enge Punktestände als perfekte Ausgangsbasis für spannende restliche Saisonläufe: Die Nürburgring-Nordschleife bescherte der ADAC Procar an diesem Wochenende einen Höhepunkt im Saisonkalender. Vor vollen Zuschauerrängen rund um die 25,378 km lange Strecke konnte sich der Allgäuer Franz Engstler perfekt in Szene setzen. Im BMW 320i E46 holte er die Pole-Position und einen souveränen Start-Ziel-Sieg.
Franz Engstler, bislang in der ADAC Procar nur als Teamchef aktiv, nutzte die Gunst der Stunde: Sein russischer Stammpilot Rustem Teregulov musste beim 24h-Rennen berufsbedingt passen und Engstler übernahm das Volant des BMW. Und prompt setzte er sich auf der Nordschleife, die er wie seine Westentasche kennt, toll in Szene. Engstler: „Was für ein perfektes Rennen! Es hat alles gepasst: Der 320i war ja vor zwei Wochen in Oschersleben stark beschädigt worden und jetzt vom Team wieder hervorragend vorbereitet. Auch die Reifen haben genial funktioniert.“ Ab dem nächsten Procar-Lauf im niederländischen Assen (15. – 16. Juli) sitzt wieder der russische Stammfahrer im Cockpit. Und doch grinste Engstler: „ Das hat ganz viel Laune gemacht – hätte ich ein zweites Auto, würde ich mir glatt überlegen, ab sofort auch selbst wieder in der Procar zu starten.“ Ein breites Lachen hatte auch der zweitplatzierte Vincent Radermecker (Chevrolet Lacetti) nach dem Zieldurchlauf im Gesicht: Nachdem zunächst der amtierende Champion Mathias Schläppi (Toyota Corolla T-Sport) die zweite Rennposition übernommen hatte, lieferte er sich mit Radermecker ein rundenlanges Duell, das schließlich der Belgier für sich entscheiden konnte.
Schläppi lief – hinter Radermeckers Teamkollegen Rainer Bastuck – als Vierter ein und für den Lacetti-Primus reichten die so erzielten Punkte knapp, die Führungsposition zurück zu erobern: Mit 66 Punkten liegt er nun zwei Zähler vor Schläppi. „Das war ein harter Kampf mit Mathias auf der Nordschleife“, erzählte der Belgier. „Diese gute Punkteausbeute war unser Ziel – schön, dass es geklappt hat. Das entschädigt wirklich für den Lauf in Oschersleben, wo ich so viele Zähler verloren habe.“ Als Drittplatzierter in der Division 1 wurde Rainer Bastuck (Lebach) abgewinkt, der im zweiten Chevrolet Lacetti einen Logenplatz beim spannenden Kampf seines Teampartners hatte: „Mathias und Vincent lieferten sich vor mir einen beinharten Fight“, schilderte er, „beide drehten sich sogar. Ich kam nur nicht vorbei, so dass ich mich hinten anstellte und in Ruhe auf meine Chance wartete. Schließlich geschieht bei einer solchen Aktion schnell etwas mit den Reifen oder dem Fahrwerk.“ Eben dies war in der dritten von vier Runden der Fall, in der Bastuck sich vor Schläppi platzieren konnte.
Thierfelder macht das Rennen, Neitzel Dritte
Punktelos blieb auf der Nordschleife der Tabellenführende in der Division 2: Thomas Mühlenz (Recklinghausen, Citroën Saxo VTS) gewann zwar das Startduell der 1600-Kubik-Renner gegen Pole-Sitter Kai Jordan (VW Lupo Gti) und setzte sich vor Guido Thierfelder (Citroën Saxo) und Jordan in Führung. Doch hinter ihm drängte Markenkollege Thierfelder mächtig nach: „Ich habe von Beginn an viel Druck auf Thomas gemacht“, schilderte der Troisdorfer. „Er hat sich schließlich in einen Fahrfehler treiben lassen.“ Der im Qualifying noch als Dritter gestoppte Rheinländer ließ dabei eine Trainingssitzung aus: „Wir sind im zweiten Qualifying nicht angetreten, um das Material zu schonen“, sagte Thierfelder. „Das war eine goldrichtige Entscheidung.“ Hinter Thierfelder lief der zweite Pilot der Mannschaft von ETH-Tuning im Ziel ein: Michael Bohrer (Merzig, Citroën Saxo VTS) ließ seinem Teamkollegen bewusst den Vortritt: „Ich habe Abstand gehalten und wollte keine Kollision mit ihm riskieren. Ich habe ihn vorgelassen, denn er hat viel mehr Nordschleifenerfahrung.“ Die Routine auf der längsten Rennstrecke war gewissermaßen auch für die Drittplatzierte in der Division 3 entscheidend: Steffi Neitzel (Marl) setzte im Ford Fiesta Sport auf eine kontrollierte Fahrt und war damit höchst erfolgreich. „Ich habe so wenig Erfahrung auf der Nordschleife, dass ich das Rennen wie eine zusätzliche Übungseinheit angegangen bin“, lächelte die Ford-Pilotin. „Ich ließ die anderen ziehen und bin mein Tempo gefahren. Alle anderen sind nacheinander ausgefallen und ich fand mich schließlich auf dem Siegerpodest wieder. Riesig!“
Teamkollegen Surauer und Keilwitz im Formationsflug zum Sieg
Eine souveräne Fahrt zeigten auch in der Division 3 für Dieselfahrzeuge zwei Teamkollegen: Robert Surauer (Bad Neustadt) und Daniel Keilwitz (Villingen) brachten ihre Alfa 147 JTD des MSC Röhn nach einer tollen Windschattenfahrt als Erster und Zweiter vor Martin Zondler (Graben-Neudorf, VW Golf 2.0 TDI) ins Ziel. „Daniel und ich sind die ganze Zeit zusammen gefahren“, kommentierte Surauer. „Teilweise war weniger als eine Sekunde zwischen uns, teilweise lagen wir sogar auf gleicher Höhe. Das war schon super-eng. Aber natürlich ist man unter Teamkollegen fair. Weil wir uns einig waren, konnten wir uns ein wenig vom Rest des Feldes absetzen. Auf der Döttinger Höhe konnte ich schließlich an Daniel vorbei gehen.“ Auch Keilwitz strahlte über den zweiten Platz: „Der Fight mit Robert hat riesigen Spaß gemacht. Ich hatte mir ein wenig Vorsprung auf ihn herausgefahren, aber es reichte nicht, ihn abzuhängen. So konnte er mich aus dem Windschatten heraus überholen.“