Aston Martin Chef Dr. Ulrich Bez greift selbst ins Lenkrad
Kaum nimmt die Starterliste des ADAC Zurich 24h-Rennens Gestalt an, beginnt traditionell das große Zählen: Wie viele Piloten haben diesmal genannt? (765.) Aus wie vielen Nationen kommen sie? (20.) Gibt es besonders interessante Fahrer unter ihnen? (Natürlich, jede Menge!). Ein Streifzug durch die Starterliste wirft Schlaglichter auf eine Eigenart, die dieses Rennen so unverwechselbar macht: Hier treffen Rennfahrer aus aller Herren Länder aufeinander, die alle nur eines wollen: Die Nordschleife bezwingen.
Den „Exotenstatus“ hat etwa der einzige Pilot aus Bahrain: Jaber Ali Khalifa Alkhalifa ist waschechter Scheich – ein Neffe des Königs von Bahrain – und liebt seinen Job als Pilot eines F16-Kampfjets genauso wie seine rasante Passion: die Nürburgring-Nordschleife. Seit diesem Jahr ist er zum festen Bestandteil der Nordschleifen-Szene geworden und tritt mittlerweile regelmäßig in der VLN (Langstreckenmeisterschaft Nürburgring) an. Alkhalifa gehört zu den weit über 200 ausländischen Piloten, die auf die rund 550 Fahrer aus Deutschland treffen. Und nicht nur die Top-Piloten, auch die „stillen Stars“ sind bemerkenswert. Etwa Uwe Bleck im Audi RS 4 mit der Start-Nummer 5. Kennen Sie nicht? Doch! Der Ingenieur in Diensten der Ingolstädter war derjenige, der 2005 beim Remake des Audi-Werbespots mit einem A6 die 80-Prozent-Steigung der Skisprungschanze im finnischen Kaipola hinauffuhr.
Managerspiel mit drei Buchstaben? „24h“!
Ganz typisch für das ADAC Zurich 24h-Rennen ist auch eine weitere Gruppe von Startern, die sich ganz unauffällig in die Riege der Piloten einreihen: Manager und Unternehmer, die den Nadelstreifenanzug gegen den Rennoverall tauschen. Ein typischer Fall: Dr. Ulrich Bez (Düsseldorf). Der Chef von Aston Martin lässt es sich nicht nehmen, den bildschönen Aston Martin V8 Vantage in freier Wildbahn zu bewegen, den seine Mitarbeiter für das 24h-Rennen 2006 aufgebaut haben. Mit an Bord unter anderem Horst von Saurma-Jeltsch, der rennfahrende Chef der Zeitschrift „sport auto“. Auch der Chefredakteur der „auto motor und sport“ ist im Einsatz: Bernd Ostmann geht auf einem Audi A3 2.0T FSI an den Start – und hat höchst interessante Teamkollegen: Dr. Ulrich Hackenberg, den Audi-Entwicklungschef und Guglielmo Fiocci, Vorstandsvorsitzenden von Pirelli Deutschland. Vierter im Bunde: Weltklasseschwimmer Mark Warnecke. Zu den Gentlemen-Drivern gehören auch jene Manager, die sich einen festen Platz in der Szene erarbeitet haben. Klaus Dieter Frers etwa, im bürgerlichen Leben Vorstandsvorsitzender der Paragon AG und bei den 24 Stunden im Renn-Fiesta unterwegs. Oder Klaus „Frikadelli“ Abbelen, der ausnahmsweise einmal keine Würste produzieren lässt, sondern mit Sabine Schmitz einen Porsche 997 durch Tag und Nacht steuern will. Ein fast noch imposanteres Renngerät hat sich Hermann Tilke ausgesucht: Der international erfolgreiche Rennstreckenarchitekt geht auf dem Nürburgring in einem Lamborghini Gallardo von Raeder Motorsport ins Rennen. Ingvar Carlsson, renngestählter Chef der gleichnamigen Edel-Tuningschmiede für Mercedes-Modelle, hat diesmal einen SLK 350 aufgebaut.
Große Namen – die nächste Generation
Einige Male stutzt der Fachmann beim Studium der Nennungsliste für das ADAC Zurich 24h-Rennen: Diesen Namen ... den kennt man doch. Aber mit anderem Vornamen. Des Rätsels einfach Lösung: Die nächste Generation von Rennfahrern drängt auf die Rennstrecke. Johannes Stuck etwa stellt die dritte Generation der Rennfahrerfamilie: Nach Großvater Hans Stuck (1900 bis 1978) und Vater Hans-Joachim (geboren 1951) tritt nun auch der 19-Jährige Filius auf der Nürburgring-Nordschleife an. Noch ein bekannter Name: Heyer – in dieser Familie tritt Sohn Kenneth (26 Jahre) heute in die Fußstapfen seines Vaters Hans, der als „Mann mit dem Tirolerhut“ zu den Legenden im deutschen Tourenwagensport gehört. Er ist dabei übrigens ebenso erfolgreich wie der 19-jährige Sohn eines weiteren Altstars: Sebastian Asch ist wie Kenneth Heyer im Seat Leon Supercopa unterwegs. Für die 24h wechselt der Ammerbucher auf einen Ford Focus STR.
Spitzen-Rennfahrer im Dutzend
Bevor der Eindruck aufkommt, die 24h auf dem Nürburgring seien ein reiner Tummelplatz der Gentlemendriver und Hobbypiloten: Natürlich sind auch Profi-Rennfahrer vertreten. Dutzendfach. Der Versuch, ihnen auch nur annähernd gerecht zu werden, schlägt fehl. Stars, wie Hans-Joachim Stuck und Klaus Ludwig treten ebenso an wie Formel-1-erfahrende Racer à la Johnny Cecotto und Michael Bartels. Aus den Reihen der Nennungen ließe sich ein komplettes DTM-Feld rekrutieren, dass die Fans ganz sicherlich in Scharen anziehen würde. Denn wo sieht man sonst einen alten Haudegen wie Dieter Quester im Fight mit den ehemaligen DTM-Meistern Ludwig, Thiim, Stuck und aktuellen DTM-Piloten wie Christian Abt, Timo Scheider und Frank Stippler! Alleine die Zählung ehemaliger und aktueller DTM-Piloten bringt es auf 24 Namen. Unter Ihnen sind auch alte Bekannte aus dem Ausland: Jacques Lafitte etwa (übrigens ebenfalls ein Pilot mit Formel-1-Erfahrung), der zu den 21 Startern aus Frankreich gehört. Oder Gentlemandriver Gianni Giudicci, der die Fraktion der 41 Piloten aus Italien repräsentiert. Die Südeuropäer sind damit übrigens die stärkste ausländische Gruppe, dicht gefolgt von den Racern von der britischen Insel. Sie bringen es auf 39 Starter.