Drei Porsche-Teams bilden die Speerspitze beim Eifelmarathon
Knapp drei Wochen noch, dann startet das Rennen des Jahres: 230 Teams sind für das ADAC Zurich 24h-Rennen 2006 angemeldet. Mehr als 760 Rennfahrer wollen beim prestigeträchtigen Langstreckenklassiker auf der Nürburgring-Nordschleife antreten. Beim wohl größten Rundstreckenrennen auf der längsten Rennstrecke der Welt starten Rennlegenden und Nachwuchspiloten, Profifahrer und Privatiers. Einmal mehr wollen etwa Klaus Ludwig und Hans-Joachim Stuck der Liste ihrer 24h-Siege einen Eintrag hinzufügen. Einmal mehr wollen aber auch Nordschleifen-Haudegen wie Uwe Alzen oder Peter Zakowski triumphieren. Für den persönlichen Saisonhöhepunkt des Jahres nimmt sich mancher Pilot „Sonderurlaub“, so etwa die DTM-Audi-Werkspiloten Christian Abt, Frank Stippler und Timo Scheider. Und auch die Liste der potenziellen Siegkandidaten erreicht in diesem Jahr Rekorddimensionen: Deutlich über 60 Fahrzeuge sind in den drei größten Hubraumklassen genannt, aus denen sich die Sieger rekrutieren werden. Eine ganze Armada von traumhaften Rennern – von „A“, wie Audi und Aston Martin über BMW, Lamborghini, Maserati, Porsche und Wiesmann R-GT bis „Z“, wie Zakspeed-Dodge Viper – hat sich das Ziel „Gesamtsieg“ auf die Fahne geschrieben.
Die Hauptverdächtigen im Nordschleifenkrimi am dritten Juni-Wochenende sind schnell ausgemacht. Es sind einige der Teams, die auch bei der Langstreckenmeisterschaft Nürburgring (VLN) tonangebend sind und die sich in diesem Jahr enorm stark aufgestellt haben. So etwa die Mannschaft von Olaf Manthey: Zwei VLN-Siege zum Saisonauftakt und einen zweiten Platz hat der Porsche GT3 MR schon geholt. Beste Aussichten für den Bonner Teamchef, mit der Fahrerbesetzung Lucas Luhr / Timo Bernhard / Mike Rockenfeller / Marcel Tiemann endlich ans Ziel seiner Träume zu kommen: den 24h-Sieg. Denn den hat Manthey, ob als Fahrer oder als Teamchef, noch nie holen können. Ähnlich gut würde Wolfgang Land der Sieg schmecken: Sein RSR-Porsche holte den Sieg beim dritten VLN-Lauf, nun sollen Marc Basseng / Patrick Simon / Timo Scheider / Frank Stippler den Sack zumachen. Die dritten Top-Favoriten haben mit dem Rennen noch eine Rechnung offen: Die Brüder Jürgen und Uwe Alzen hätten den Langstreckenklassiker der Papierform nach in den vergangenen Jahren gewinnen müssen. Aber Technikprobleme machten sie immer wieder zu traurigen Helden. Mit Weltklasse-Performance über dutzende Runden auf Verfolgungsjagd vom Schluss des Feldes aus, wieder Anschluss finden an die Spitze, und doch nie den Sieg geholt: So fährt man sich in die Herzen der Fans. Doch diesmal ist der Plan der Brüder anders. Konservativer wurde der GT3-Porsche, die Technik ist haltbarer und die Fahrerbesetzung exzellent: Klaus Ludwig (Bornheim) und Christian Abt (Kempten) greifen mit ins Volant.
Co-Favoriten: Porsche- und Sportwagen-Teams
Und dann wäre da noch das: „Was wäre wenn?“. Wenn eben das Rennglück nicht mit den Top-Favoriten ist. Dann stehen nämlich etliche Teams in den Startlöchern, die nur auf ihre Chance warten. Zum Beispiel die rund zwei Dutzend Porsche-Mannschaften, von denen viele auf die zuverlässige und schnelle GT3-Cup-Version des 911 vertrauen. Oder Teams mit den bildschönen, neu aufgebauten Sportwagen: Zwei stark besetzte Maserati-Werksmannschaft mit Michael Bartels / Andrea Bertolini / Eric van de Poele / Gianni Giudici sowie Jacques Laffite / Richard Meaden / Patrick Hong / Gianni Giudicci wollen die Qualitäten des Gransport GT3 zeigen. Zwei Lamborghini Gallardo mit starken Fahrerbesetzungen und ein bildschöner Aston Martin V8 Vantage werfen Fragezeichen auf. Ganz bescheiden gibt sich Hans-Joachim Stuck: Der dreifache 24h-Sieger hat mit Dieter Quester (Österreich), Dirk Werner (Kissenbrück) und Artur Deutgen (Duisburg) auf einem Duller-BMW M3 genannt. Welches Potenzial in dem M3 steckt, zeigten Stuck und Quester beim dritten VLN-Lauf. Nach technischen Problemen mussten sie aus der Boxengasse starten, machten schon in den ersten Runden 55 Positionen gut und landeten schließlich auf Gesamtrang fünf. Und natürlich ist da die Dodge Viper GTS-R des Zakspeed-Teams. Teamchef Peter Zakowski gehört zu den ganz wenigen Piloten, die bislang vier Mal die 24h gewinnen konnten. Mit einem weiteren Sieg könnte er sich allein an die Spitze der ewigen Bestenliste setzen.
Geheimfavoriten in der Diesel- und Allradfraktion
Das fröhliche „Was-wäre-wenn“-Spielchen kann man noch weiter treiben. Was geschieht etwa, wenn zumindest ein Teil des Rennens bei nasser Strecke stattfindet? Dann könnten sich die beiden Audi RS 4 als goldrichtige Wahl erweisen. Die allradgetriebenen Ingolstädter sind in der „großen“ Klasse SP 8 genannt und mit Christian Kohlhaas / Uwe Bleck (Andernach / Ingolstadt) und Timo Schupp / Hans Rußwurm (Bretzfeld / Meitingen) greifen Piloten mit reichlich Nordschleifenerfahrung ins Lenkrad. Oder wird es doch einer der Geheimfavoriten, die in diesen Tagen heiß gehandelt werden? Ein Beispiel: Der 1er BMW, den Schubert Motors einsetzt. Für den dieselgetriebenen Renner haben sich einige Experten einen Platz in den Top 10 ausgerechnet – mitten in der Gruppe der hubraumstarken PS-Protze. Der Grund: Das perfekt vorbereitete Auto, auf dem Johannes Stuck (Sohn von Hans-Joachim), Claudia Hürtgen (Aachen, amtierende VLN-Meisterin), Marc Hennerici (Bonn, amtierender WTCC-Privatfahrer-Champion) sowie Teamchef Torsten Schubert antreten, hat zwar weniger Leistung, dafür aber einen niedrigeren Verbrauch. Die damit möglichen verlängerten Stints sorgen gemeinsam mit der ausgereiften Renntechnik für die Rolle eines Geheimfavoriten. Es kommt nicht von ungefähr: Schon 1998 holte eine BMW-Diesel-Mannschaft – in der übrigens Stuck senior mit ins Lenkrad griff – den ersten und bislang einzigen Triumph eines Fahrzeuges mit alternativem Antriebskonzept.