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2006-01-26 00:42:44 - ks
Le Mans: Audi R10 zeigt erstmals sein Potenzial

Sebring-Bestzeit aus dem Vorjahr unterboten
Auch am zweiten Tag des "Winter Test" der American Le Mans-Serie (ALMS) in Sebring stand der neue Audi R10 im Mittelpunkt des Interesses. Audi Pilot Dindo Capello deutete am Dienstag erstmals das Potenzial des neuen Diesel-Sportwagens an: Mit seiner schnellste Runde von 1.48,816 Minuten unterbot er die Pole Position-Zeit aus dem Vorjahr um fast eine Sekunde. Ulrich Baretzky, Leiter Motorentechnik bei Audi Sport, über den Verlauf der Entwicklung des 650 PS starken V12 TDI-Motors und die Testfahrten des Audi R10 in Sebring.

Welche Bedeutung hat die Zeit, die Dindo Capello erzielt hat?
Ulrich Baretzky: "Keine große. Es war nicht unser Ziel, hier in Sebring um jeden Preis schnelle Rundenzeiten zu fahren. Es geht uns darum, Daten zu gewinnen und das Auto auszusortieren. Die Zeit zeigt natürlich, dass wir mit dem Konzept des R10 in die richtige Richtung unterwegs sind. Man muss bedenken, dass dies erst unser dritter Test mit einem völlig neuen Auto ist. Bis Le Mans ist es noch ein weiter Weg, denn dort kommt es nicht auf eine schnelle Runde, sondern vor allem auf Zuverlässigkeit an."

Für viele scheint es eine Überraschung zu sein, dass der V12 TDI-Motor des R10 nicht nur sehr leise ist, sondern auch völlig rauchfrei läuft…
Baretzky: "Es war von Anfang an unser Anspruch, dass man genau wie bei unseren Serienautos den Diesel nicht als Diesel erkennt – schon gar nicht an Rauchwolken, sondern höchstens am besonders leisen Geräusch, am geringen Verbrauch und an seiner Leistungsfähigkeit. Unser Ziel war es, einen schadstoffarmen Dieselmotor zu entwickeln und zu Gunsten eines rauchfreien Betriebs lieber auf das eine oder andere PS zu verzichten. Wir setzen hier in Sebring auch erstmals neue Partikelfilter ein, die sich bisher sehr gut bewährt haben. Sie gefallen meinen Kollegen von der Fahrzeugseite zwar nicht so gut, weil sie recht groß sind. Doch selbst wenn man nach 20 Runden mit den Fingern in den Auspuff fasst, hat man saubere Finger. Und genau das wollten wir erreichen. Unser TDI-Motor ist leistungsstark und sauber."

Der V12 TDI des R10 scheint bereits sehr zuverlässig zu sein. Ist das selbstverständlich?
Baretzky: "Selbstverständlich ist gar nichts. Das R10-Projekt ist sehr ehrgeizig, weil wir komplettes Neuland betreten haben und es viele Fragezeichen gab und noch immer gibt. Gegenüber der Entwicklung des R8 hatten wir den Vorteil, dass wir inzwischen Erfahrungen und Prüfstände haben, die wir vor sieben Jahren noch nicht hatten. Wir können uns hier auf der Rennstrecke auf Dinge konzentrieren, die man auf dem Prüfstand nicht simulieren kann – dazu zählen die wellige Strecke und die Hitze."

In Sebring wurde der R10 erstmals bei großer Hitze getestet. Welche Erkenntnisse gibt es?
Baretzky: "Es gab einige Überraschungen – bisher allerdings eher positiver Art. Die Konfiguration der Kühler und der gesamte Diesel-Kreislauf zählen zu den Dingen, die sich auf dem Prüfstand nicht simulieren lassen. Man kann weder eine Motorhaube simulieren, noch den Fahrtwind, eine Boxengasse oder die Asphalttemperaturen. Man kann eben nicht alles unter Laborbedingungen erarbeiten. Man braucht auch die Tests auf der Rennstrecke."

In Sebring sind dabei Probleme aufgetreten, die sich bei den beiden Tests in Europa noch nicht offenbart hatten.
Bartezky: "Genau deswegen sind wir hier. Wir wollen die Kinderkrankheiten aussortieren, dazu eignet sich die Strecke in Sebring ganz hervorragend. Es hätte mich beunruhigt, wenn nichts aufgetreten wäre. Je früher wir Schwachstellen finden, desto früher können wir sie abstellen. Wir wollen schließlich nicht beim Testen eine problemlose Fahrt haben, sondern beim Rennen in Le Mans."
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