CHC: Henrich/Schulten mit 0,02 Punkten Vorsprung Meister
Jürgen Schulten (links) und Ludger Henrich (rechts) starten in 2006 mit der Nummer 1
Bewegende Szenen nach der Zieldurchfahrt: Ludger Henrich (Schmitten) und Jürgen Schulten (Hamminkeln) lagen sich mit der gesamten Mannschaft vom Pink Power Performance Center in den Armen. Die beiden hatten mit dem Opel Corsa soeben den Meistertitel im Castrol-HAUGG-Cup „Um die Willi Hieke Pokale“ gewonnen – mit dem knappsten Vorsprung aller Zeiten: 0,02 Punkte! Dem unterlegenen Bastian Hüttinger aus Neuenstein war natürlich die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben, auch wenn der 25jährige stolz auf sich und seine Hüttinger-Mannschaft sein darf.
Beim Debüt des veranstaltenden Automobilclub Oberhausen (ACO) gab es natürlich auch einen Gesamtsieger, wobei hier die Entscheidung fast ebenso spannend war wie in der Meisterschaft. Nach 15 Runden auf der Nürburgring-Nordschleife (=312,45 Kilometern) siegte BMW M3-Pilot Hans-Rolf Salzer aus Alpenrod mit sechs Sekunden Vorsprung – dem knappsten des Jahres – vor dem Hückeswagener Peter Festl im Porsche GT3-RS. 40 Strafpunkte in der zweiten Sollrunde kosteten Festl den möglichen zweiten Saisonsieg.
Aber Dank dieses guten Resultates, für den Seat-Händler war es der vierte Erfolg in der Gruppe N/F über 2000 ccm, beendete Festl seine Comeback-Saison nach rund 15jähriger Pause mit dem 16. Endrang. Hans-Rolf Salzer schob sich gar noch auf den vierten Meisterschaftsrang vor. Sohn Sascha Salzer drehte in 8.40 Minuten eine neue persönliche Bestzeit, siegte bei den VLN-Serienwagen und kletterte in der Tabelle auf den 13. Platz. Und das mit der Glücks-Start-Nummer 13!
Aber zurück zum Titel-Rennen. Die Eifel präsentierte sich sonnendurchflutet und hielt mal wieder ein paar Herbst-Überraschungen für die Teams bereit. Einige Streckenabschnitte erreicht die Sonne zu dieser Jahreszeit nicht mehr, so dass hier maximal die Ideallinie trocken ist. Und das auch nicht immer. Jedenfalls zeigten die Rundenzeiten in der Anfangsphase quer Beet +15 Sekunden bei nahezu allen Piloten.
Mit zwei Ausnahmen: Stefan Aust, mit Guido Majewski (beide Münster) dieses Jahr schon zweimal Gesamtsieger, setzte den Bonk-BMW M3 in der dritten Runde im Bereich Kesselchen vehement in die Leitplanken. Bei Aust wurde ein leichtes Schleudertrauma festgestellt, nach kurzer Zeit konnte der BMW-Pilot das Krankenhaus verlassen.
Und die zweite Ausnahme hieß Bastian Hüttinger. Für den angehenden KFZ-Meister ging es um den Titel und am Steuer des Hüttinger-Motorsport-Ford Escort RS 2000 war es ihm wohl egal, ob die Strecke nass oder trocken war. Mit 8.34 Minuten war der 25jährige in der dritten Runde sogar zwei Sekunden schneller als der spätere Gesamtsieger Salzer! Bastian zeigte absolute Nervenstärke, hatte nach drei Sprintrunden 64 Sekunden (!) Vorsprung in der Klasse und machte seinen Titel-Konkurrenten Ludger Henrich und Jürgen Schulten klar: „Ich erfülle meinen Teil, jetzt seid ihr am Zug!“ Sehr zur Freude von Teamchef Dieter (Vater) und Pressechef Patrick (Bruder), die mit der Zunge schnalzten ob der Leistung von „Basti“.
Aber im Opel-Lager hatte man alles im Griff. Auch hier ist Teamchef Theo Henrich gleichzeitig Vater. Und – auch wenn schon im fortgeschrittenen Alter – hüpfte der Boss vom Pink Power Team an der Boxenmauer auf und ab: „Hoffentlich hält alles, drückt uns die Daumen!“ Sohn Ludger hatte zunächst am Steuer Platz genommen und hielt sich immer in der Nähe des Hauptkonkurrenten Ralf Grass (Uedem) im BMW 318iS auf. Mit zwei Sekunden Vorsprung übergab der 45jährige vielfache Opel-Sportpokalgewinner das Corsa-Volant an Jürgen Schulten. „Einige Ecken sind brutal nass und glatt und in der letzten Schikane ist etwas Öl, ansonsten läuft der Corsa perfekt“, rief Ludger seinem Teamkollegen noch zu, ehe dieser in der Hatzenbach verschwand.
Der Mönchengladbacher Torsten Kratz hatte das Steuer von Ralf Grass und auch nach seiner ersten Runde die Führung übernommen. Diese sollte der Löhmer-Pilot mit dem Grass Racing-BMW nicht mehr abgeben. Zweiter Saisonsieg und Platz fünf in der Jahreswertung sind der verdiente Lohn einer hervorragenden Saison!
Jürgen Schulten, eigentlich ein engagierter Feuerwehrmann, umrundete den Eifelkurs eher als ob es sich um einen Fehlalarm handeln würde. „Ich werde nichts riskieren, vorsichtig beim Überholen sein und das Material schonen“, hatte der 37jährige noch kurz vor seinem Stint gesagt. Und der Heizungsbaumeister hielt sich an seiner eigene Marschroute. Schulten wusste, dass der zweite Platz für den Titel reichen würde. Nach einer Fahrzeit von 2:33.51,0 Stunden kreuzte der PPPC-Corsa den Zielsstrich und der Jubel kannte keine Grenzen mehr. CHC-Sportleiter Karl-Heinz Breidbach gehörte zu den ersten Gratulanten und übergab die symbolische Start-Nummer 1 für 2006.
Bastian Hüttinger lieferte eine fehlerfreie Leistung ab, feierte den vierten Saisonsieg und war dann doch ein bisschen stolz auf den Vizetitel. „Wir haben dieses Jahr mehr erreicht, als wir erwartet haben“, waren sich Vater und Söhne einig. „Glückwunsch an Ludger und Jürgen! Im nächsten Jahr kommen wir wieder und dann greifen wir erneut an!“ Apropos angreifen: Roland Auster aus Spenge, der erst zum dritten Mal überhaupt im CHC an den Start ging, wurde im VW Scirocco hinter Hüttinger zweiter. Dritter wurden Markus Schumacher/Maic Hagenloch (Bonn/Ofterdingen) im Frintrup-BMW 320iS vor Daniel Ortmann (Kirchen) im Opel Kadett E.
Ebenfalls über den vierten Klassensieg der Saison freuten sich die beiden Kölner Joachim und Jens Scheefeldt. Das Vater-und-Sohn-Team im Ford Fiesta hatte in der mit acht Startern stark besetzten Gruppe H bis 1600 ccm die Nase vorn und verbesserte sich in der Meisterschaft noch auf Platz sieben. Pech hatten die beiden Opel Corsa von Otto-Tuning: Bei Jörg Kosmalla/Benno Cormann (Köln/Neuenrade) musste das Radlager vorne links gewechselt werden und die beiden wurden nur sechste. Am Fahrzeug von Jörg Kosmalla/Uwe Karp (Leverkusen) flog der Keilriemen weg. Willi Volz (Rauenberg) hatte Glück im Unglück, als er seinen Toyota Corolla an der Hohen Acht heftig in die Leitplanken setzte.
In der Michaela-Lochmann-Trophy (MLT), dem so genannten CHC light, standen Christof Degener (Hattingen) und Dirk Kehrberg (Bochum) bereits seit dem letzten Lauf als Champions fest. Und auch beim Saisonfinale waren die beiden im Cockpit des Benninghofen-VW Golf GTi wieder meisterhaft: Überlegener Klassensieg bei den Specials bis 2000 ccm vor Klaus-Dieter Justa/Christoph Krause (Marl/Niederkassel) im BMW 318iS.
Bei den Specials bis 1600 ccm siegten die Teamkollegen Frank Mestermann (Hattingen) und Dirk Kriwett (Essen), ebenfalls mit einem VW Golf GTi von André Benninghofen. Der Teamchef seinerseits hatte weniger Glück und musste in der sechsten Runde mit technischem Defekt am Metzgesfeld aufgeben. Der ebenfalls zuvor als Vizemeister feststehende Karl-Heinz Zammert aus Düsseldorf, der im Januar 2006 übrigens seinen 70. Geburtstag feiert, wurde zusammen mit Holger Träger (Bochum) zweiter bei den seriennahen Fahrzeugen bis 2000 ccm. Die beiden Düsseldorfer Jürgen Stölting/Thomas Matuschweski blieben wie Zammert/Träger strafpunktefrei, waren am Steuer des BMW 318iS aber in der entscheidenden Sprintrunde über eine Minute schneller.
Gesamtklassement:
1 Hans-Rolf Salzer BMW M3 4571
2 Peter Festl Porsche GT3 4577
3 Matthias Holle Honda S2000 4629
4 Bastian Hüttinger Ford Escort RS2000 4699
5 Marcel Krichel/Pascal Krichel Porsche 968 CS 4763
6 Paul Gerd Krell BMW M3 4797
7 Sascha Salzer BMW M3 4831
8 Jörg Prüser/Stephan Schroers BMW 325i 4834
9 Kuno Kuttenkeuler/Michael Schmidtke Ford Focus 4843
10 Roland Auster VW Scirocco 4847