Suchen in... Verzeichnis  Motorsport News        | Site hinzufügen |    QMN
Startseite
Motorsport Markt
Motorsport News
Motorsport News
Div.: Range Rover und Jaguar E-Type als Classic Stars
Supercup: Sean Edwards nutzt Heimvorteil zur Pole-Position
24h: Car Collection unter den Top 25
24h: Gestrahlt, gekämpft, geschraubt und doch verloren
24h: Mathol Racing entert zwei Mal das Podium
24h: Ölspur beendete Hoffnungen aufs Podium
24h: Alle Hoffnungen verrauchten in der Nacht
24h: PZ Willich mit dem bestem Porsche
24h: Machtwechsel in der GT4-Klasse
24h: Kein glückliches Wochenende für WTM-Racing
24h: Erster Audi-Gesamtsieg in der Grünen Hölle
24h: HARIBO-Corvette trug den Goldbären durch Tag und Nacht
24h: Tragik beim Wochenspiegel Team Manthey, Frikadelli-Porsche auf Platz sechs
24h: Dritter Klassensieg in Folge für Peugeot
24h: Audi holt ersten Sieg am Ring
Alle Motorsport News...
Features
RAC Rallye 2010
Autoluojus Ralli Pori
38. ADAC Rallye Oberehe
20. Rallye Zorn
ADAC Taunus Rallye
Featureübersicht
Bücher und Multimedia
DTM Race Driver 3: Create & Race für Nintendo DS ab sofort im Handel erhältlich
Forza Motorsport 2 ab Mai in den Regalen
"Mensch Schumi"
Übersicht
Motorsport 2000 Intern
Impressum
Firmeninfo
Email
Seitenanfang
 
2005-09-07 22:07:57 - ks
VLN: „Heimlicher" Volvo Rennleiter Jürgen Kühl im Ruhestand

Kühl ließ sich in den letzten Jahren kaum ein Rennen auf der Nordschleife entgehen
Jürgen Kühl geht im Alter von 63 Jahren in den Vorruhestand. Der gebürtige Hamburger arbeitete 35 Jahre bei der Volvo Car Germany GmbH im hessischen Dietzenbach als Technischer Leiter und wirkte dank seiner Position hinter den Kulissen auch als Architekt vieler Erfolge von Volvo im Motorsport. Auch nach dem offiziellen Ruhestand wird Kühl als Repräsentant für das heutige Volvo S60-Rennteam tätig sein und seine Kontakte zu Sponsoren und Technikpartnern aufrecht halten.

Als das eidgenössische Team von Ruedi Eggenberger ab 1984 die unvergessenen Volvo 240 Turbo in der Tourenwagen-Europameisterschaft einsetzte, war Kühl für den internationalen Konzern-Rennleiter Bosse Wikås eine wichtige Stütze. „Ich erhielt regelmäßig Telexe aus Göteborg oder aus der Schweiz, Fax gab es damals ja noch nicht, ob ich logistische Hilfe bei technischen Problemen geben könnte“, blickt Kühl auf die Goldenen Achtziger zurück, deren Motorsport-Landschaft viel mehr als heute von Kreativität, Pragmatismus und Improvisationskunst geprägt waren. „Wann immer das Werksteam zu Rennen in Deutschland kam, habe ich hier die Betreuung übernommen.“ Das führte zwangsläufig zu einigen atemberaubenden Geschichten – etwa beim EM-Lauf auf dem Nürburgring 1985. „Auf einmal stand Tom Walkinshaw, der damals die Werks-Rover einsetzte, in unserer Box und sagte: ´Mit dem Auto fahrt Ihr nicht; die Hinterachse ist nicht in Ordnung.´ Also mussten wir die Wagen wieder umrüsten auf eine normale Hinterachse. Wir fuhren mit ein paar Mechanikern zu unserem Händler Zirwes nach Ulmen in unmittelbarer Nachbarschaft zum Ring, um dort eine neue Hinterachse zu besorgen. Aber der hatte keine am Lager. Also schnappten wir uns eine Dose Caramba und bauten die Längsträger von einem seiner Schrottautos aus, die er hinter der Werkstatt zwischenlagerte. Die haben wir im Fahrerlager mit einer Stahlbürste bearbeitet, den ganzen Rost abgekratzt und an unsere EM-Autos gebaut. Mit diesen Autos ist Gianfranco Brancatelli dann 1985 Europameister geworden…“

Neben dem erfolgreichen EM-Auftritt wirkte Kühl auch bei einem Volvo Einsatz in der Deutschen Produktionwagen-Meisterschaft, der frühen DTM, als heimlicher deutscher Rennleiter mit. „Der Sportliche Leiter des Flugplatzrennens von Mainz-Finthen rief mich eines Tages an, weil er die EM-Volvo 1984 für sein DPM-Rennen haben wollte. Bo Wikås hat mir gegenüber klargestellt, dass wir die Werksautos nicht kriegen können – aber empfahl mir das IPS-Team von Ingmar Persson und Per Stureson, die in der Schwedischen Tourenwagen-Meisterschaft einen Volvo 240 einsetzten. Also habe ich IPS rübergeholt. Wir waren zuvor lange aus dem Spitzensport weg gewesen; dann gewann Stureson in Mainz-Finthen plötzlich mit einer halben Runde Vorsprung – gegen die BMW-Fahrer wie Harald Grohs, Strietzel Stuck und Co. Die waren alle ganz platt. Nach dem Rennen meinte der Technische Kommissar, der Luftmengenmesser im Auto sei kein Original-Serienteil. Daraufhin gab ich ihm den Schlüssel von meinem Dienstwagen und sagte, er solle nachgucken gehen, was da drin sei. Als er vom Parkplatz wiederkam, herrschte da auch Ruhe.“ Die Triumphtour von Mainz-Finthen war das Vorspiel zu einem erfolgreichen Jahr 1985. Unter der Regie von Kühl gewann Per Stureson im Volvo die DPM – nach einem packenden Finale gegen den heutigen Opel-Sportchef Volker Strycek. „Mein damaliger Chef Hans-Jürgen Karalus hat mir in allen Bereichen freie Hand gelassen, dieses Projekt zu unterstützen. Das hat sich für alle Beteiligten ausgezahlt. Auch für die Marke waren die damaligen Sporterfolge eine unheimlich tolle Geschichte.“

Kühls Erfahrungen beschränkten sich nicht nur auf die Rundstrecke. „Es gab einmal zwei süße Schwedinnen, die in der Rallye-Europameisterschaft bei einigen Läufen einen Volvo 240 Turbo recht schnell bewegten: Susanne Kottulinsky mit Beifahrerin Tina Thörner, der heutigen bessere Hälfte von Matthias Ekström. Diese beiden Rallye-Mäuschen habe ich auf Bitten von Volvo Rallye-Werksfahrer Tom Trana bei der Hunsrück- und der Hessenrallye 1984 in Deutschland betreut. Bei der Hunsrück waren beide irre schnell unterwegs, dann kam das Missgeschick: Susanne war auf der Verbindungsetappe zu schnell und wurde geblitzt – ich durfte bezahlen, da sie nur schwedische Kronen bei sich hatte…“

Das letzte Projekt, in das Kühl eingebunden war, war die Entwicklung des 5-Zylinder-Volvo S60 von Mühlner Motorsport. Dieser setzte in seiner Kategorie der BF Goodrich-Langstreckenmeisterschaft neue Akzente, holte von 2003 bis 2005 drei aufeinanderfolgende Klassensiege bei den 24 Stunden auf dem Nürburgring und war in 2004 mit zehn Siegen bei elf Rennen der erfolgreichste Rennwagen auf der legendären Nordschleife. Auch in seinem vierten Jahr – mittlerweile eingesetzt vom PSR-Team des Danny Berk aus Mayschoß – ist der schnelle Schwede in den Händen von Ulli Andree/Rainer Wehner/Juppy Bermes/Ulli Packeisen noch immer konkurrenz- und siegfähig. „Da war ich quasi der verlängerte Arm, der die Fäden zwischen Mühlner Motorsport und dem Volvo Mutterkonzern in Göteborg gesponnen hat“, blickt Kühl zurück. „Ich habe zum Beispiel dafür gesorgt, dass wir an Teile oder auch an Zeichnungen aus der Konstruktionsabteilung gekommen sind, an die du normaler Weise nicht rankommst.“

Auf die zahlreichen Siege beim 24-Stunden-Klassiker in der „Grünen Hölle“ und bei den Nordschleifen-Schlachten der deutschen BF Goodrich-Langstreckenmeisterschaft ist Kühl denn auch zu Recht stolz. „Die Vorzeichen für dieses Projekt waren ganz andere als bei dem Programm mit den 240 oder auch dem späteren Engagement von Volvo mit den Prodrive-S60 in der Tourenwagen-EM. Das hier war kein Werkssport, sondern nur eine geduldete Privatinitiative. Aber wir haben in so vorbildlicher und effektiver Art und Weise alle an einem Strang gezogen, dass wir ein echt tolles Auto entwickelt und der Marke auch damit etwas Gutes getan haben.“

Kühl ließ sich in den letzten Jahren kaum ein Rennen auf der Nordschleife entgehen. „Auch im Ruhestand werde ich so oft es geht zum Ring hochfahren und auch weiterhin als Repräsentant des Teams die Kontakte zu den Sponsoren aufrecht erhalten.“ Zurück in den hohen Norden zieht den humorvollen Hanseaten, dessen Hamburger Akzent die vielen Jahre im Hessischen unbeschadet überstanden hat, zwar nicht: „Ich bleibe in Rödermark wohnen. Da mache ich mit meinen Freunden vom Tennisklub jede Woche eine Mountainbike-Tour, und auch sonst fühle ich mich dort rundherum wohl – nicht zuletzt, weil das Wetter hier besser ist als da oben.“ Aber die norddeutsche Herkunft hat dennoch ihre Spuren hinterlassen: Kühl ist begeisterter Segler, und seine Törn-Häufigkeit dürfte in den nächsten Jahren spürbar zunehmen.
Artikel per Email versendenArtikel per Email versenden
Artikel druckenArtikel drucken