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2005-07-14 17:18:49 - ju
WRC: Es droht Langeweile in der Rallye-WM

Loeb fährt in der WM derzeit alles in Grund und Boden
Nach fünf Loeb-Siegen in Folge droht Langeweile in der Rallye-WM. Und auch in Argentinien glauben nicht viele an ein Ende der Serie des Franzosen. Zu überlegen ist die Kombination Citroen-Loeb-Michelin. Vor allem die Gummis hatten in den letzten Wochen einen riesigen Anteil an der Erfolgsgeschichte des ehemaligen Bodenturners. Im Vorjahr galten die italienischen Pirellis ihren französischen Pendants auf Schotter als überlegen, doch dieses Blatt hatte sich heuer dann auch gewandt.

Im Vorjahr feierte Carlos Sainz mit – natürlich – einem Citroen Xsara seinen 26. WM-Sieg. Nach zuletzt zwei Gastspielen im Citroen-Cockpit ist der Spanier wieder in den vorgezogenen Ruhestand zurückgekehrt, ehe er für VW bei Wüstenrallies wieder aktiv wird. Und wer war im Vorjahr zweiter hinter Sainz? Richtig – der kleine geniale Super-Seb aus Oberhoffen in den Vogesen. Und sein neuer (alter) Teamkollege Francois Duval wird sich vornehmlich bemühen, daß Image des Bruchpiloten abzulegen und bloß kein Beulchen in den feuerroten Xsara zu fahren. Mit Sven Smeets, seinem vierten Co-Piloten in zwei Jahren, hofft der Belgier auf den Erfolgsweg zurückzukehren. Wer soll Loeb also am Siegen hindern?

Dank Loeb und Sainz hatten die Zitronen die Konzernbrüder mit dem Löwen im Grill von der Spitze der Marken-Wertung verdrängt. Peugeot-Dompteur Jean-Pierre Nicolas will dieses natürlich möglichst schnell ändern. Und hofft, daß vor allem Markko Märtin mal ein bisschen schneller den 307 bewegt. Der Este hat zwar bislang – neben Ford-Mann Toni Gardemeister – in allen acht WRC-Läufen gepunktet, daß Tempo an der Spitze konnte der ehemalige Frontrunner aber nicht mitgehen. Nicolas weiß, daß Märtins Fahrstiel und der 307 nicht zusammen harmonieren. „Aber ein Weltklassefahrer muß sich umstellen können, es wird Zeit, daß er Top-Ergebnisse bringt“, verlangt Nicolas vom Esten, der im Vorjahr einen Horror-Crash im Ford Focus nur leicht verletzt überstand.

"Markko hatte bei den vergangenen Rallyes Probleme, sich in eine Position zu bringen, in der viele Punkte sammeln konnte", kritisiert Nicloas den WM-Dritten des Vorjahres. "Vielleicht ist unsere Konkurrenz zuverlässiger, doch das erklärt noch nicht alles. Es stimmt, dass der 307 WRC nicht perfekt zu seinem Fahrstil passt, was er nur schwer akzeptieren kann. Wir versuchen, die Situation zu verbessern, aber Märtin muss sich gewaltig anstrengen, um das Leistungsniveau zu erreichen, dass wir von ihm erwarten und zu dem er fähig ist." Im Gegenzug lobt der Peugeot-Boss Nicolas das Engagement von Teamkollege Marcus Grönholm, der in der Fahrerwertung zwei Punkte weniger als Märtin aufweist. "Marcus Grönholm ist erstklassig in die Saison gestartet. Nur technische Defekte verhinderten, daß er nicht zweiter in der WM-Wertung ist. Die Motivation, die er trotz Problemen an den Tag legte, hat mich begeistert."

Im letzten Jahr ging Subaru im Land der Gauchos förmlich baden. Die riesigen Öffnungen im Bereich der Stossstange und der Lufthutze auf der Haube waren Gift für den Boxer-Motor, der mehrfach absoff. Peter Solberg und Chris Atkinson hoffen, daß die Mannschaft rund um David Lapworth die Probleme heuer im Griff haben. „Leider durften wir im Vorfeld in Argentinien nicht testen und der Veranstalter spricht von 17 Durchfahrten in diesem Jahr“, erklärt Teammanager Luis Moya. Die Mitsubishi Lancer von Harri Rovanperä und Gianluigi Galli sind mit neuen Hinterradaufhängungen ausgerüstet. Für Skoda greifen Armin Schwarz und Jani Paasonen ins Lenkrad.

Manfred Stohl sind die Schotterstraßen rund um die Ferienregion Carlos Paz bestens vertraut. Der Kronos-Pilot geht in Südamerika bereits zum achten Mal an den Start. Im Vorjahr errang er mit dem zweiten Platz in der Production Car World Rally Championship sein bestes Resultat. Stohl: „Diese Rallye ist extrem hart. Der relativ weiche Untergrund verlockt zu hohen Geschwindigkeiten, die sich oft rächen. Vor allem am zweiten Tag geht es schon sehr schnell zur Sache. Trotzdem muss man vom ersten Kilometer weg volles Risiko gehen. Bei insgesamt nur 340 Sonderprüfungskilometer bleibt keine Zeit abzuwarten.“

Die Bedingungen in dem Anden-Staat ähneln der Rallye Akropolis auf "hohem Niveau": Bis zu 2200 Meter winden sich die harten Schotterstrecken rund um das Städtchen Villa Carlos Paz in die Höhe. In Argentinien warten 22 Wertungsprüfungen über 340 Kilometer auf die WM-Piloten, die insgesamt eine Strecke von 1216 Kilometern zurücklegen müssen. Fast alle Wertungsprüfungen werden im Verlauf der Rallye doppelt befahren. Deshalb müssen die Pneus besonders haltbar sein, denn spätestens beim zweiten WP-Durchgang liegen Steine auf der idealen Driftlinie, die Reifen, Felgen oder die Radaufhängung schwer beschädigen können.

Die wichtigsten Starter im Überblick:
WRC: 1 Sébastien Loeb, 2 Francois Duval (beide Citroën Xsara), 3 Toni Gardemeister, 4 Roman Kresta (beide Ford Focus), 5 Petter Solberg, 6 Chris Atkinson (beide Subaru Impreza), 7 Marcus Grönholm, 8 Markko Märtin (beide Peugeot 307), 9 Harri Rovanperä, 10 Gianluigi Galli (beide Mitsubishi Lancer), 11 Armin Schwarz, 12 Jani Paasonen (beide Skoda Fabia), 14 Anthony Warmbold, 15 Luis Perez Companc (beide Ford Focus), 16 Manfred Stohl, 17 Xavier Pons (beide Citroen Xsara), 18 Daniel Carlsson, 19 Marcos Ligato (beide Peugeot 206),

Stand in der Fahrer-WM:
1. Loeb 65; 2. P. Solberg 42; 3. Märtin und Gardemeister je 39; 5. Grönholm 37; 6. Rovanperä 16; 7. Stohl und Sainz je 11; 9. Kresta 10; 10. H. Solberg 9; 11. Panizzi 7; 12. Galli 6; 13. Duval 5; 14. Warmbold, Carlsson und Hirvonen je 4; 17. Atkinson 2; 18. Pykälistö 1.

Stand in der Marken-WM:
1. Citroën 84; 2. Peugeot 79; 3. Ford 57; 4. Subaru 48; 5. Mitsubishi 37; 6. Skoda 7.

Stand in der PCWRC:
1. Arai 30; 2. Pons und Ligato 20; 4. Al-Attiyah 15; 5. Tirabassi 11; 6. Beltran 10; 7. Nutahara 9; 8. Medeghini 8; 9. Frisiero 6; 10. Pozzo und Al Wahaibi je 5; 12. Singh und Villagra je 4; 13. Errani und Teiskonen je 3.
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