Wüstenfüchse Kahle/Schünemann bestes Deutsches Team
Durch das türkische Hochland von Ankara in das kurdische Grenzgebiet zum Iran führte die diesjährige Rallye d’Orient. 52 Rallyefahrzeuge, LKW und Bikes kämpften um den Sieg. Im vierten Lauf zur Cross-Country Weltmeisterschaft sollten die Teilnehmer aus 19 Nationen in sieben Tagen 3.420 km mit 1.650 km Wertungsprüfungen zurücklegen. Die Strecke führte auf staubigen Pisten durch ausgetrocknete Seen und tiefe Schluchten, über 2.500 m hohe Gebirgsrücken, auf Eselspfaden und durch Bachbetten.
Top-Favoriten waren die beiden Race-Touaregs des VW-Werksteams, die von mehr als 40 Experten betreut wurden. Kein Wunder, ging es doch darum, den führenden Platz in der Weltmeisterschaft zu halten und weiter auszubauen.
Als Privat-Team war dagegen das HS Rallye Team mit dem fünffachen Deutschen Rallye-Meister Matthias Kahle und dem Co-Piloten Dr. Thomas M. Schünemann, Geschäftsführer der HSHamburger Software GmbH & Co. KG, lediglich mit vier weiteren hochmotivierten Service-Profis unterwegs. Eingesetzt wurde der Prototyp des holländischen Teams Fast & Speed. Bereits auf der diesjährigen Rallye Dakar machte der Wagen Furore – Klassensieg und achter Gesamtrang. „Wir
haben mit dem Vorgängermodell in Holland nur eine kurze Testfahrt gemacht, daher bin ich gespannt, wie schnell ich mich an das Fahrzeug gewöhnen werde“, so Matthias Kahle vor dem Start.
Nach dem Überraschungs-Erfolg im Cross-Country-Sport mit dem fünften Gesamtrang beim WM-Lauf in Dubai (Herbst 2004), lag das HS Rallye Team nach dem zweiten Tag der Rallye d¹Orient auf einem mittleren 14. Gesamtrang. „An die Navigation im Wüstensand mit GPS habe ich mich damals schnell gewöhnen können. Hier aber ist die präzise Umsetzung des Bordbuchs gefordert, das Herausfinden des richtigen Wegs aus einer Vielzahl von Spuren – und das unter starkem Wettbewerbsdruck in hoher Geschwindigkeit. Durch Probleme in der Navigation haben wir zunächst einige Zeit verloren, wir lernten aber zügig hinzu“, kommentiert Dr. Thomas M. Schünemann. Und weiter: „Hinzu kommt, dass wir diese Veranstaltung zum ersten Mal fahren, während die Top-Teams die Strecken zum Teil aus den Vorjahren kennen.“ Matthias Kahle ergänzt: „Viel Zeit hat auch gekostet, dass wir am zweiten Tag
über 100 km hinter langsamen Teilnehmern fahren mussten, die wir aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse es war sehr staubig nicht überholen konnten.“
Mit dem dritten Tag begann dann eine spektakuläre Aufholjagd: Obwohl das HS Rallye Team als 14. Fahrzeug startete, errang es den fünften Platz in der Tageswertung und konnte sich damit auf den neunten Gesamtrang verbessern. Am vierten Tag ließen Kahle und Dr. Schünemann sogar auf einer Prüfung das Rallye-As Jean-Louis Schlesser hinter sich und arbeiteten sich mit weiteren fünften Plätzen in den Tageswertungen nach vorne. „Matthias und Thomas haben die Nerven behalten und bauen das Rennen taktisch richtig auf“, so Eigner Johnny Hakvoort und Teamchef Henk Hellegers von Fast & Speed.
Während sich aufgrund der schwierigen Wegstrecke mehrere Fahrzeuge zum Teil erhebliche Schäden zuzogen, bleibt der größte Schaden am Fahrzeug des HS Rallye Teams ein Lackschaden aufgrund eines umgestürzten Zelts vor dem Start. „Wir hatten ausreichend Zeit für die notwendigen Wartungsarbeiten am Fahrzeug und konnten darüber hinaus sogar noch anderen Teams helfen.
Matthias fährt äußerst bedacht und verursacht keinerlei Schäden“, lächelt Werkstattmeister Roel Brussen entspannt.
Nach den letzten beiden Navigationsetappen ist es dann endgültig: fünften Rang im Gesamtklassement und bestes Deutsches Team beim vierten Lauf zur Cross-Country Weltmeisterschaft für das HS Rallye Team.
Lediglich die beiden Werksfahrzeuge von VW, der Prototyp von Jean-Louis Schlesser/François Borsotto und der werksnahe Nissan des Französischen Meisters Serge Jordan/Jean-Marie Lurquin liegen davor.
20 Stunden, 40 Minuten und acht Sekunden auf Bestzeit. „In meiner Jugend habe ich gern Karl May gelesen. Die letzten sieben Tage „Durch das wilde Kurdistan¹ wird eine meiner intensivsten Erfahrungen sein“, resümiert Dr. Thomas M. Schünemann im Ziel...