24h: Andree: "Klassensieg in 2005 wiegt am schwersten"
Ulli Andree zählt zu den erfolgreichsten Fahrern in der "Grünen Hölle"
Ulli Andree zählt zu den erfolgreichsten Fahrern in der "Grünen Hölle". Im vergangenen Jahr verpasste der Kölner den Titel der BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft nur knapp. Beim ADAC Zürich 24h-Rennen war er umso erfolgreicher. Nach Klassensiegen bei den 24h Specials bis 2.500 ccm Hubraum in den Jahren 2003 und 2004 folgte in diesem Jahr der Hattrick.
Sie haben in 2005 unter widrigsten Umständen Ihren dritten Klassensieg bei den 24 Stunden auf dem Nürburgring in Folge geholt – und das quasi immer in demselben Fahrzeug. Wie ordnen sie ihn ein?
In 2003 hatten wir seinerzeit freies Aufspielen, da niemand in der damals BMW-dominierten Klasse für Spezialtourenwagen und -GTs bis 2,5 Liter Hubraum mit dem Volvo gerechnet hat. 2004 wurden wir dann – auch durch die zahlreichen Siege in der VLN - zum Favoriten gestempelt. Aber das Wetter hat uns total in die Hände gespielt: Es hat ständig geregnet, aber es war im Gegensatz zu 2005 relativ warm dabei. Zudem hatte ich mit Juppy Bermes, Andy Middendorf und Jörg Seidel ja die Traumpartner schlechthin im Auto. Wir alle wie auch das damalige Einsatzteam kannten das Auto und dessen Stärken im Regen. 2005 aber war alles anders: Mit Prosports Racing (PSR) ein neues Team, das den S60 erst wenige Wochen vor den 24h übernommen hatte, keine Unterstützung vom Importeur und mit Rainer Wehner sowie Ulli Packeisen zwei S60-Neulinge in der Mannschaft. Beide haben sich dann wie auch das PSR-Team als extrem stark erwiesen, als hätten sie vorher nie was anderes gemacht – also wiegt unter diesen Vorzeichen der Klassensieg in 2005 einfach am schwersten.
…obwohl Ihr Rennen im Gegensatz zu den Vorjahren ja nicht so reibungslos lief.
Richtig, aber genau da zeigt sich meines Erachtens die Stärke eines Teams, wie dem von PSR, und den Fahrern: Trotz aller Widrigkeiten und obwohl wir bei PSR mit dem Auto noch in einer Lernphase stecken, haben wir nie die Flinte ins Korn geworfen und haben weiter gekämpft. Die zahlreichen Glückwünsche nach dem Rennen geben uns da sicherlich Recht. Es gab hinterher aber leider auch Mitmenschen, die uns die Freude an diesem Klassensieg ausreden wollten.
Sie waren ja im Gesamtklassement auch schon mal weiter vorne platziert.
Wir konnten aufgrund der Probleme im Gesamt nicht so weit nach vorne fahren wie in 2003 und 2004, als wir an den Top Ten gekratzt haben – dennoch ist es ein Klassensieg. Zudem hatten wir so viele mindestens gleich starke Gegner wie nie zuvor in der Klasse. Und alle hatten zahlreiche Probleme zu bewältigen, wobei sich unsere letztlich als die geringsten herausstellten. Aber wer hat denn gesagt, dass etwas Glück nicht auch zum Siegen dazu gehört? Zudem haben wir nie aufgegeben und bis zum Schluß weitergekämpft, so dass wir alle im Team keinen Grund sehen, warum wir uns nicht über den Sieg freuen sollten. Sehr happy bin ich auch für Juppy Bermes, der wie ich bei allen drei S60-Siegen am Lenkrad drehte, und nun bereits seinen 15. Klassensieg insgesamt bei den 24h am Ring eingefahren hat.
In zwei Ihrer Turns hat es in 2005 aber etwas an Glück gefehlt, oder?
Ja und nein. Grundsätzlich hatten wir das gesamte Rennen über das Problem – dafür kann aber Dunlop als unser Reifenlieferant nichts –, dass wir die Hinterreifen überhaupt nicht auf Temperatur gebracht haben. Daraufhin bin ich in der Anfangsphase einmal durch die Wiese gefahren, was mich die Frontschürze gekostet hat. Und in der Nacht bin ich in einer Gruppe zu überrundender Fahrzeuge mit einem BMW aneinander geraten und seitlich in die Planken gerutscht. Das ist sicher Pech, zum Glück aber trug das Auto außer kosmetischen Dingen keine strukturellen Schäden davon. Auch in solchen Situationen muß man positiv denken: Sieht man sich an, wie viele wirklich gute Piloten wegen teilweise böser Unfälle nicht ins Ziel gekommen sind, hatten wir doch echtes Glück jeweils weiterfahren zu können.
Wie haben PSR-Teamchef Danny Berk und Ihre Fahrerkollegen reagiert?
Es hat keine bösen Worte gegeben, im Gegenteil. Alle haben mich positiv bestärkt und wieder aufgebaut. Zudem haben sich Ulli P., Rainer und Juppy keinerlei Blöße auf der Strecke gegeben und kleinere Technik-Gremlins hat PSR schnell in den Griff bekommen. Genau so stelle ich mir echtes Teamwork vor. Und schließlich hat ja auch die allgemeine Freude über den Klassensieg überwogen.
Mit welchem persönlichen Ziel sind Sie in die 24 Stunden 2005 gegangen?
Ich wollte mit dem Volvo unbedingt zum dritten Mal in Folge die Klasse gewinnen, also den Hattrick schaffen – und das ist uns gelungen. Also - Ziel voll erreicht, mit besonders herzlichem Dank auch an unsere treuen Sponsorpartner, ohne deren spontane Unterstützung der Volvo S60 gar nicht mehr am Start gewesen wäre.