Erst auf den letzten drei der 18 Wertungsprüfungen ließ Sebastien Loeb den Konkurrenten eine Chance. Bis dahin hatte der amtierende Weltmeister die versammelte Meute geradezu gedemütigt und ihnen über vier Minuten eingeschenkt. Im Ziel freute sich der Citroën-Pilot dann über den dritten Sieg in Folge, den vierten in dieser Saison und den souveränen Ausbau der Tabellenspitze. „Ich kann mich eigentlich nicht erinnern, jemals so überlegen gewonnen zu haben“, strahlte Super-Seb auch im Ziel.
Für die Sensation der Rallye sorgte zweifelsfrei Manfred Stohl, der im vom Kronos-Team privat eingesetzten Citroën Xsara sensationell auf den zweiten Rang fuhr. Markko Märtin fing im verbliebenen Werks-Peugeot 307 auf der 15. Prüfung noch den lange Zeit zweitplatzierten Henning Solberg im ebenfalls privat eingesetzten Ford Focus noch ab. Im WM-Klassement hat Märtin nun zu Petter Solberg aufgeschlossen, der seinen Subaru Impreza bereits am ersten Tag mit Motorschaden abstellen musste.
Petters älterer Bruder Henning war dennoch sehr zufrieden: „Ich habe nach der 15. Prüfung versucht, den Druck zu erhöhen, um die Zeit auf Märtin wieder aufzuholen. Am Nachmittag haben wir mit den Reifen gepokert, aber das hat sich nicht ausgezahlt. Aber mit dem vierten Rang bin ich nicht unglücklich, denn das bisherige beste Ergebnis meiner Karriere war ein fünfter Platz."
Mit 40 Sekunden Vorsprung auf Henning Solberg und 59 Sekunden auf Märtin ging Manfred Stohl in den Schlusstag der Rallye Zypern. Und noch bevor der Peugeot-Werkspilot seine Aufholjagd starten konnte, hatte sie der Wiener schon beendet. Denn der Kronos-Pilot in der Auftakt-Prüfung die zweitbeste Zeit hinter Sebastien Loeb. Stohl: „Ich wollte gleich zu Beginn zeigen, dass wir unseren Platz verteidigen wollen und auf jeden Fall mithalten können.“ Stohls Platzierung bedeutete gleichzeitig das beste Ergebnis eines Österreichers bei einem WRC-Lauf aller Zeiten.
Auf den Plätzen fünf und sechs sorgte das Blue Oval-Doppel Toni Gardemeister und Roman Kresta dafür, dass das Ford-Werks-Team zum 50. Mal in Folge (!) in die WM-Punkteränge fuhr. Gardemeister bleibt somit neben Märtin auch der einzige, der bei allen WRC-Läufen in diesem Jahr Punkte sammelte. Landsmann Harri Rovanperä wurde im Mitsubishi Lancer siebter. Daniel Carlsson überholte im Bozian-Peugeot 206 am Schlusstag noch Janne Tuohino im Skoda und kassierte den letzten Fahrer-WM-Zähler. Tuohino wurde mit drei Punkten für die Marken-Wertung belohnt.
Im Verlauf des heutigen Tages vermeldete Stephane Prevot übrigens seinen sofortigen Ausstieg bei Citroën. Sein Fahrer Francois Duval hatte zum fünften Mal (bei sechs Läufen) in diesem Jahr einen Unfall gebaut, wobei gestern der Xsara sogar abgebrannt war. Citroën-Sportchef Guy Frequelin dachte sogar laut über die Entlassung von Duval nach: „Alle seine Unfälle waren dumm. Hier auf Zypern wäre es leicht gewesen, WM-Punkte zu sammeln.“ Gerüchten zu Folge könnte bei der Türkei-Rallye in drei Wochen bereits Carlos Sainz wieder im Xsara-Cockpit Platz nehmen.
Gesamtklassement nach 18 Wertungsprüfungen:
1. Loeb/Elena (Citroën Xsara/M) 5:02.29,4 Stunden
2. Stohl/Minor (Citroën Xsara/M) + 4.098,5 Minuten
3. Märtin/Park (Peugeot 307/P) + 4.41,9 Min.
4. H.Solberg/Menkerud (Ford Focus/M) + 5.15,7 Min.
5. Gardemeister/Honkanen (Ford Focus/M) + 7.37,3 Min.
6. Kresta/Mozny (Ford Focus/M) + 10.17,4 Min.
7. Rovanperä/Pietiläinen (Mitsubishi Lancer/P) + 12.18,7 Min.
8. Carlsson/Andersson (Subaru Impreza/P) + 16.03,2 Min.
9. Tuohino/Markkula (Skoda Fabia/M) + 16.46,3 Min.
10. Atkinson/MacNeall (Subaru Impreza/P) + 27.01,5 Min.
11. Panizzi/Panizzi (Mitsubishi Lancer/P) + 31.30,4 Min.
13. Schwarz/Wicha (Skoda Fabia/M) + 34.33,2 Min.
M= Michelin, P=Pirelli