Das Aus kam für Jodexnis / Destrée / Merten / Abbelen in der Nacht
Über 220 Teams hatten für das 33. Zürich 24h-Rennen genannt und waren bei schlechten Wetterbedingungen an den Nürburgring gereist. Darunter auch das ClickVers-Team Kersten Jodexnis und Wolfgang Destrée, die bei den 24 Stunden am Steuer des Porsche 996 GT 3 RS von Mario Merten und Klaus Abbelen unterstützt wurden.
Regengüsse und Hagelschauer machten nicht nur den rund 180.000 Fans rund um die Nürburgring-Nordschleife zu schaffen. Auch die Fahrer und ihre Mechanikercrews hatten bei diesen Bedingungen alle Hände voll zu tun. Im ersten Zeittraining am Freitag fuhr man fast ausschliesslich auf regennasser Fahrbahn und die ClickVers-Mannschaft rangierte auf dem guten 11. Platz. Das zweite Zeittraining wurde in den Abendstunden gefahren. Die Bedingungen wechselten von nasser Piste auf eine abtrocknende Ideallinie, die richtige Reifenwahl war gefragt. Jodexnis/Destrée/Merten/Abbelen holten sich trotz nicht immer optimaler Bereifung mit Rang 14 aber eine für das Rennen gute Ausgangsposition.
Die Startaufstellung glich einem riesigen Volksfest und auch der ClickVers-Porsche wurde von Menschenmassen umringt. Eine tolle Atmosphäre, in der die Hoffnung der vier symphatischen Rennfahrer auf ein gutes Resultat noch groß war. Der routinierte Klaus Abbelen, auch unter dem Spitznamen "Frikadelli" bekannt, wurde als Startfahrer eingesetzt. Bei strömendem Regen reihte er sich nach zwei Einführungsrunden in das vordere Fahrerfeld ein. An der Spitze gab es mächtig Gedränge, Zakowski in der Dodge Viper übernahm vor den beiden Werks-BMW die Führung, während der Trainingsschnellste, Uwe Alzen, mit ersten technischen Problemen die Box anrollen musste. Grossmann in der zweiten Viper stand gleich in der zweiten Kurve quer und schob auch noch den Falken-Nissan Skyline halb von der Strecke. Abbelen blieb cool, hielt sich aus dem Gerangel heraus und ließ sich in der heissen Anfangsphase etwas zurückfallen. So kam er unbehelligt von Remplern und Ausrutschern über die ersten schwierigen Runden. Zwar fiel der ClickVers-Porsche zunächst auf Rang 21 zurück, doch holte Wolfgang Destrée in den Nachmittagsstunden wieder mächtig auf. Er liess das blau-gelbe Geschoss wie gewohnt richtig fliegen und rangierte bald auf dem fünften Gesamtrang. Dabei hatte er auch noch den satten Vorsprung von einer Rennrunde auf den an sechster Position fahrenden Kontrahenten herausgefahren. Doch das Glück war nicht von langer Dauer. Wohl auch aufgrund des bei den 24-Stunden vorgeschriebenen Zusatzgewichtes brach im Streckenabschnitt Pflanzgarten der Radträger vorne rechts. Destrée kam von der Strecke ab und touchierte auch noch die Leitplanken. Einige Meter rollte er noch auf dem Grünstreifen vorwärts, dann half nur noch der Abschleppwagen.
In der Box angekommen, ging der Stress für die Mechaniker los. Eine Stunde Zeit und sicher eine Menge Nerven kostete die Reparatur. Dann konnte Merten den 996er für die Weiterfahrt übernehmen. Auf den 176. Gesamtrang war man zurückgefallen und zu allem Überfluss zog das Fahrzeug nach rechts, wie der junge Nürburger an Funker Christoph Graef übermittelte.
Nach der 7. Rennstunde hatte man sich nach mehreren Fahrerwechseln auf den 111. Rang vorgearbeitet, als Merten in den Abendstunden erneut die Box mit großen Problemen ansteuerte. "Das Auto springt wie ein Känguruh", so Merten zu den Zicken des Porsche in der letzten Runde und die Mechaniker holten den Boliden wieder in die Box. Man stellte fest, daß sich der Unterboden gelöst hatte - wohl noch ein Spätschaden aus dem ersten Einschlag. Der Blau-Gelbe hatte kaum noch Anpreßdruck, die Haftung auf der Vorderachse hatte gefährlich nachgelassen und eine Beschädigung des riesigen Heckspoilers tat ein Übriges. Die Boxenmannschaft reparierte so schnell es ging, wieder verließ der ClickVers-Porsche die Box und reihte sich ins Renngeschehen ein.
Doch kurz vor Mitternacht kamen gleich mehrere neue Probleme auf das vom Pech gebeutelte Team zu. Der Waagebalken der Bremsanlage brach und ließ das Auto beim Anbremsen entweder nach rechts oder links ziehen. Hinzu kam, dass der zweite Gang sich nicht mehr schalten liess. In einer Lagebesprechung in der Box wägte man die Möglichkeiten, die Probleme in den Griff zu bekommen, ab. Letztendlich entschloss man sich schweren Herzens, aber zur Sicherheit der Fahrer, das Rennen an diesem Punkt aufzugeben. Fahrer wie Mechaniker hatten einen guten Job geleistet, doch war allen klar, daß man eine Weiterfahrt nicht erzwingen konnte.
Als dann am Sonntag um 15 Uhr die beiden Werks-BMW wie im Vorjahr im Formationsflug als Sieger und Zweitplatzierter die Ziellinie mit der drittplatzierten Zakspeed-Viper überquerten, war die Box 29 des ClickVers-Teams schon längst leer, Jodexnis, Destrée, Merten und Abbelen schon zu Hause oder bei Freunden. Doch vorher hatten sich die Vier schon verabredet: Für 2006 nämlich, denn da wollen sie in der gleichen Fahrerbesetzung wieder bei dem größten Langstreckenspektakel der Welt antreten.