In knapp drei Wochen startet die Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) in ihre 27. Saison. In 13 von 26 Jahren hatte am Ende ein Finne die Nase vorn, eine unglaubliche Quote für die Männer aus dem Land der Mitternachtssonne. Doch die letzten vier Jahre glichen eher einer Durststrecke, nur Marcus Grönholm holte in 2002 den Titel. Im Vorjahr gar nur ein Saisonsieg – wieder Grönholm, standesgemäß beim Heimspiel rund um Jyväskylä – und nur Endrang fünf.
Nicht ganz schuldlos an der Misere der Finnen sind vor allem die Franzosen. Zum einen, weil Grönholm und Harri Rovanperä in 2004 über alles andere als einen zuverlässigen Peugeot 307 verfügten. Und zum anderen, weil PSA-Konzernschwester Citroen das mit Abstand beste World Rally Car baute, dieses aber mit Sebastién Loeb und Carlos Sainz zwei Nicht-Skandinaviern anvertraute.
Apropos Loéb: Sechsmal erster, sechsmal zweiter, mit 36 Punkten Vorsprung überlegener Weltmeister. Wer soll den ehemaligen Kunstturner von der Titelverteidigung abhalten? Der Citroen Xsara wird in 2005 kaum schlechter sein, somit gilt der Franzose als Favorit Nummer eins auf die Meisterschaft. Einzig der bereits jetzt bekannte WRC-Ausstieg der Zitronen zum Ende dieser Saison und die somit reduzierte Weiterentwicklung wirft Fragezeichen auf.
Nach dem Rücktritt von Carlos Sainz ist Francois Duval sein neuer Teamkollege, sicherlich kein schlechter. Duval gilt als einer der schnellsten Asphalt-Piloten der Welt, der auch auf losem Untergrund immer besser zurechtkommt. Der Belgier spricht die gleiche Sprache, einer der wichtigsten Faktoren in einem französischen Team. Vor allem im Kampf um den Hattrick in der Marken-Wertung wird das Duo Loeb/Duval kaum zu schlagen sein.
Bei zehn der 16 Rallies bringt das OMV-Kronos-Team zwei Semi-Werks-Xsara an den Start. Nach dem nicht geglückten PCWRC-Titel im Vorjahr wagt die OMV-Truppe jetzt den Sprung in die Top-Liga des Rallyesports. Der Österreicher Manfred Stohl steht als Pilot fest, für das zweite Cockpit darf sich Freddy Loix (Belgien) Hoffnungen machen.
Nach dem Titelgewinn von 2003 und dem zweiten Rang im Vorjahr greift Petter Solberg heuer wieder nach dem ganz großen Wurf. Der Norweger wird in Monte Carlo und Schweden noch den 04er-Impreza lenken, ehe für Mexico der neue Bolide einsatzfähig ist. „Bei den Schneeveranstaltungen sind Taktik und Reifenwahl mehr gefragt als das neue Auto“, ist Teammanager David Lapworth überzeugt.
Als Nachfolger des auch – fahrerisch blassen – Mikko Hirvonen hat die Marke mit den sechs Sternen Stéphane Sarrazin verpflichtet. Der ehemalige Formel 1-Testfahrer überzeugte bei seinen Gastauftritten in der WM 2004 und wurde bei der Spanien-Rallye sogar vierter. Auf Schotter und Schnee hat der Franzose sicherlich noch Defizite, aber auf Asphalt wird sich selbst Petter Solberg noch wundern.
Außer beim Saisonauftakt im Fürstentum pilotiert Chris Atkinson einen dritten Werkswagen aus der Prodrive-Schmiede. Der 24jährige Australier gilt als größtes Rallyetalent seines Landes und Lapworth ist überzeugt, „dass Chris noch vor dem 30. Geburtstag Weltmeister wird.“ 2005 wird für Atkinson ein Lehrjahr sein, denn mit Finnland und Australien kennt er bislang nur zwei der 16 Läufe.