Typisch Macau: Crashs, zwei Safety-Car-Phasen, Rennabbruch und am Ende ein Sieger, mit dem keiner so richtig gerechnet hatte. Alexandre Premat (Dallara Mercedes-HWA) krönte seine Formel-3-Karriere mit dem prestigeträchtigen Sieg im 51. Macau Grand Prix. Der Franzose kann als Vizemeister der Formel-3-Euroserie nun doch noch den ganz großen Triumph feiern und auf höhere Aufgaben hoffen.
Auf dem zweiten Platz landete der Pole Robert Kubica (Dallara Mercedes-HWA), der davon profitierte, dass das auf 15 Runden angesetzte Rennen in der 13. Runde abgebrochen und demnach laut FIA-Reglement nach elf Runden gewertet wurde. Kubica: „Ich habe bei beiden Re-Starts Fehler gemacht und Premat wegziehen lassen. Aber ich war auch auf den Geraden nicht schnell genug. Wir haben unser Auto auf die Ecken in der Stadt abgestimmt und nicht auf Top-Speed.“ Obwohl sich Fabio Carbone (Dallara Nissan-Tomei) in der zwölften Runde an Kubica vorbeibremsen konnte und beim Abbruch auf Platz zwei lag, folgte seine Wertung nur auf Platz vier. Den dritten Platz kassierte der Brasilianer Lucas di Grassi (Dallara Renault-Sodemo).
Ursache des Rennabbruchs war einmal mehr ein Massencrash mit insgesamt sechs Fahrzeugen. Darunter auch der einzige Vertreter aus dem RECARO Formel-3-Cup, Ho-Pin Tung. Der Chinese war damit nach seinem unverschuldeten Unfall im Qualirennen erneut im Pech. Nico Rosberg wird seinen Fehler viel schwerer verschmerzen. Der einzige Deutsche im Feld der 32 weltbesten Formel-3-Piloten hatte den Sieg bei seinem zweiten Macau-Auftritt vor Augen, als er in Führung liegend am Ende der langen Geraden in die Reifenstapel der berüchtigten Lisboa-Kurve rutsche. Nico Rosberg (Dallara Opel-Spiess): „Das ganze Wochenende lief super. Ich habe mir keinen einzigen Schnitzer erlaubt - weder im Training noch im Qualifikationsrennen. Nachdem ich den Start gegen Hamilton gewonnen und bereits eine knappe Sekunde Vorsprung am Ende der ersten Runde hatte, war eigentlich die Grundlage für einen Sieg geschaffen. Und dann passiert mir diese blöde Verbremser. Ärgerlich, denn ich hatte den Riesengewinn in der Hand.“
Rosberg riss mit seinem Fehler auch den Pole-Setter Lewis Hamilton (Dallara Mercedes-HWA) ins Aus. Nur knapp eine Sekunde hinter dem Deutschen fahrend, rutsche der farbige Brite gegen den Rosberg-Monoposto. Damit war das breite Grinsen von Alexandre Premat förmlich unter dem Helm auszumachen. Der 22-Jährige Macau-Debütant rauschte am Crash-Duo vorbei in Führung. Danach war sein Sieg nie wirklich in Gefahr. Vor allem bei den beiden Re-Starts am Ende der fünften und elften Runde konnte Premat stets einen Vorsprung herausfahren. Dass der ASM-Pilot der große Glückspilz sein würde und nach seinem Sieg beim diesjährigen Malboro-Masters das Macau-Rennen überhaupt beenden konnte, zeigte sich in Runde zwei: mit beiden linken Rädern krachte sein Monoposto an die Wand und blieb dennoch unbeschädigt. Schlechter erging es Jamie Green (Dallara Mercedes-HWA), der in der achten Runde auf Platz zwei liegend gegen die Hafenmauer rutschte und sich dabei einen Reifenschaden mit anschließendem Boxenstop einhandelte: „Ich glaube, der Reifen hat schon vorher Luft verloren, deshalb passierte der Ausrutscher.“
Dass im Spieler-Paradies Macau vor den Toren Hongkongs auch zum Rennsieg eine gehörige Portion Glück gehört, beweist die Aussage des Siegers: „Als ich an die Wand geschlagen bin, blieb mir fast das Herz stehen, unglaublich, dass mein Auto einen solchen Einschlag unbeschadet überstanden hat. Ich bin also unglaublich glücklich, denn außer mir haben nur David Coulthard und Takuma Sato in Zandvoort und in Macau gewonnen. Ich bin also auf dem richtigen Weg und schiele nun in Richtung der neuen Serie GP2 oder sogar auf die Formel 1. Mit Sicherheit werde ich nicht mehr in der Euroserie antreten, denn auch dort habe ich eine Menge erreicht.“
So wie der Franzose in der einstigen Kolonie Portugals im Glück war, ging das Spektakel auch für das dutzend Crashkandidaten glimpflich aus: außer einem riesigen Versicherungsschaden ist mal wieder nichts passiert – glückliches Macau!