Nach Mexico und Japan betreten die Teams der Rallye-WM am kommenden Wochenende erneut Neuland: Die Rallye Sardinien ersetzt die traditionsreiche Rallye San Remo als italienischen WM-Lauf. Nicht nur ein geografischer Wechsel, sondern auch einer von Asphalt auf Schotter. Wobei bis Ende der 80er Jahre rund um San Remo auch Schotter-Prüfungen auf dem Programm standen. Unter dem Namen „Costa Smeralda“ ist die heutige „Sardinien“ übrigens bekannt geworden und zählte jahrelang zur italienischen sowie Europameisterschaft.
Citroen könnte bereits in Italien alles klar machen, sowohl in der Fahrer- als auch in der Herstellerwertung. In Grossbritannien kämpfte Sebastien Loeb trotz seines großen Vorsprungs in der Tabelle bis zum letzten Meter um den Sieg und mußte sich nur knapp Petter Solberg geschlagen geben. Auch in Sardinien wird erwartet, dass der Franzose erneut den ersten Platz anvisiert. Sollte er wirklich gewinnen und Solberg wird dritter oder schlechter, ist dem Citroen-Piloten die WRC-Krone 2004 sicher. Teamkollege Carlos Sainz gewann heuer in Argentinien und auch die Straßen auf Sardinien sind denen der Gauchos sehr ähnlich. Vielleicht kommt auch der Spanier, der als Spezialist für neue Rallies gilt, zum zweiten Saisonsieg.
Ford will seine eindruckvolle Serie von 40 WRC-Läufen in Folge mit WM-Punkten weiter ausbauen. Markko Märtin wurde in den letzten beiden Rallies jeweils dritter, aber nach seinem schweren Argentinien-Unfall hat es ein bisschen den Anschein, als ob dem Esten die letzten Zehntel fehlen, Loeb und Solberg hinter sich zu lassen. Teamkollege Francois Duval trumpfte heuer in Mexico als zweiter gross auf und der erste WRC-Sieg ist sicherlich im Bereich des Möglichen. Vielleicht gelingt dem Belgier dieses bereits in Italien.
Der amtierende Weltmeister Petter Solberg muß eigentlich alle ausstehenden vier WM-Läufe gewinnen, will er Loeb noch abfangen. 28 Punkte Rückstand bei noch maximal 40 zu vergebenen sind aber mehr als eine harte Nuss. Nach seinen Siegen in Japan und Wales gilt der Norweger als Favorit in Italien. Sein Fahrstil in Verbindung mit der Schotter-Stärke der Kombination Subaru-Pirelli gelten als derzeit führend im Rallye-Zirkus.
Mit nur einem Saisonsieg verlief die Saison für Peugeot alles andere als zufrieden stellend. Da die Franzosen keine Chancen mehr auf etwaige WM-Titel haben, zählen nur noch Einzelerfolge. Marcus Grönholm und auch Harri Rovanperä haben in den letzten Wochen im Vergleich zu den anderen WRC-Teams die meisten Testfahrten abgespult. Rovanperä siegte übrigens im Vorjahr auf Sardinien, allerdings sind nur noch 12 der 384 WP-Kilometer von damals identisch.
Nach der guten Leistung von Finnland enttäuschte das Skoda-Team im Wales. Mit überarbeiteten Motoren werden Armin Schwarz und Toni Gardemeister versuchen, die etablierten Teams zu ärgern. Die Rallye Sardinien zählt übrigens auch als sechster Saisonlauf zu Junior-World-Rally-Championship (JWRC).
Stand in der WRC (Fahrer):
1. Loeb 92; 2. Solberg 64; 3. Märtin 59; 4. Sainz 55; 5. Grönholm 47; 6. Duval 43; 7. Hirvonen 23; 8. 8. Rovanperä 20; 9. Tuohino 16; 10. Loix 7; 11. Carlsson 6; 12. Panizzi 5; 13. Robert und Stohl je 4; 15. H.Solberg, Perez-Companc, Paasonen und Gardemeister je 3; 19. Valimäki, Ginley, Pozzo und Warmbold je 2; 23. Burri, Vovos und Campos je 1.
Stand in der WRC (Marken):
1. Citroen 150; 2. Ford 112; 3. Subaru 91; 4. Peugeot 76; 5. Mitsubishi 17.
Stand in der JWRC:
1. Wilks 26; 2. Bernardi 24; 3. Katajamäki 22; 4. Andersson 21; 5. Aava; 6. Meeke 14; 7. Cols und Pons je 12; 9. Baldacci 11; 10. Broccoli, Marshall, Chicherit und Latvala je 5; 14. Cecchettini und Betti je 3; 16. Rautenbach und Scorcioni je 2; 18. Tabaton 1.