WRC: Loeb weiter ungefährdet, Solberg mit Mega-Crash
WP 13 brachte Armin Schwarz Glück: Bestzeit im Skoda Fabia
Der zweite Tag zur 23. OMV ADAC Rallye Deutschland ist sicherlich der Entscheidende. Hier stehen nicht nur die meisten Wertungsprüfungskilometer auf dem Programm, sondern mit dem Truppenübungsplatz Baumholder und der berühmt-berüchtigten Panzerplatte auch die härtesten und gefährlichsten. Kommt dann auch noch Regen dazu, wird der deutsche WM-Lauf zu einer Schlitterpartie. Von allem unbeeindruckt zieht Sebastien Loeb an der Spitze weiterhin munter seine Kreise. Mit fast einer Minute Vorsprung sah der Citroen-Pilot das Etappenziel vor Francois Duval im besten Ford und Teamkollegen Carlos Sainz.
„So klar wie es aussieht, ist die Führung nicht“, versuchte der Spitzenreiter und Tabellenführer Sebastien Loeb vorzeitige Glückwünsche zum Hattrick zu bremsen. "Francois Duval attackiert hart. Ich muss alles geben, um vorne zu bleiben. Im Regen ist das nicht ohne Risiko." Die Bestzeit auf der 40,30 Kilometer langen WP 16 am Ende des Tages unterstrich aber einmal mehr Loebs Extraklasse. Duval hingegen konnte auf der letzten Prüfung des Tages an Carlos Sainz vorbeiziehen und hat nun seinerseits fünf Sekunden Vorsprung auf den Spanier. "Handgeschnittene Slicks waren heute Nachmittag wohl die falsche Entscheidung...“, ärgerte sich der Argentinien-Sieger. Etwas Glück hatte Duval in WP 16, als er seitlich einen Hinkelstein touchierte, aber ohne Folgeschäden die Fahrt fortsetzen konnte.
Die zweite Etappe begann mit WP 9 „Bosenberg“ auf saarländischen Kreisstraßen. Und auch mit zwei Paukenschlägen. Zunächst flog mit Roman Kresta der bis dahin schnellste Skoda Fabia ab. Mit gebrochener Vorderradaufhängung musste der Tscheche aufgeben. Den unmittelbar dahinter gestarteten Gilles Panizzi erwischte es noch schlimmer: Der Mitsubishi-Pilot kam beim Anbremsen einer Rechtskurve mit den rechten Rädern aufs Gras. Mit hinten rechts krachte der Lancer gegen einen Baum und rutschte dann auf der linken Fahrbahnseite eine Böschung hinunter. Nach rund 250 Metern erfolgte mit der Fahrertür voran der Aufprall gegen einen Baum. Beifahrer Herve Panizzi konnte sich selbständig befreien, Gilles zunächst nicht. Untersuchungen im Krankenhaus ergaben später, dass sich Gilles Panizzi keine Knochenbrüche zugezogen hat.
Freddy Loix, nach dem ersten Tag nur 13., ließ für sich die erste Bestzeit notieren. Eine Prüfung später meldete Francois Duval seine Ansprüche zur Jagd aufs Citroen-Duo an. In den Prüfungen elf und zwölf war es dann Markko Märtin, der, endlich mit richtigen Reifen unterwegs, der Konkurrenz den Auspuff zeigte. „Du musst morgens um 8.00 Uhr entscheiden, welche Reifen Du mittags um 14.00 Uhr fahren“, bemängelte der Este das aktuelle Reglement. „Das ist sehr gefährlich und ähnelt einer Lotterie.“ Den Citroen-Piloten Loeb und Sainz wurde allerdings in WP 12 auch die Märtin-Zeit zugeordnet, da beide nach einem mächtigen Abflug von Petter Solberg die Königsprüfung „Panzerplatte lang“ nicht in Angriff nehmen konnten.
Beim Weltmeister wurden Erinnerungen an das Vorjahr wach. Auch damals verschrottete „Hollywood“ einen Subaru Impreza auf Baumholder. Aber dieses Mal war es noch um einiges heftiger, denn der Norweger verzeichnete den bisher schlimmsten Unfall der Rallye-Saison 2004. Nach genau zehn Sekunden der zwölften Prüfung fuhr Solberg eine Linkskurve etwas zu früh an und kam am Kurvenausgang rechts von der Strasse ab. Frontal krachte der Norweger in eine Panzersperre, ehe ein sechs- bis siebenfacher Überschlag auf weiteren Panzersperren folgte. Die Prüfung wurde sofort abgebrochen.
„In der Linkskurve hat das Fahrzeug etwas abgehoben, dadurch sind wir nach rechts getragen worden“, vermutete Petter Solberg. „Der Aufprall war natürlich heftig und unser Fahrzeug ist ein absoluter Totalschaden.“ Was der Norweger verschwieg, die TV-Bilder seiner Inboardkamera aber zeigten: Aufgrund der massiven und stabilen Beton-Panzersperren knickte der Überrollkäfig mehrfach wie Streichhölzer weg, Beifahrer Phil Mills wurde förmlich im Sitz eingequetscht. Subaru-Teammanager Luis Moya: "Phil Mills wurde zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht, wo sich keine Verletzungen herausstellten. Er bleibt aber vorsichtshalber über Nacht dort."
Ein Wechselbad der Gefühle erlebte Armin Schwarz. Der Deutsche sorgte mit einigen guten WP-Zeiten für Aufsehen, in WP 13 feierte der Skoda-Pilot sogar eine Bestzeit. In Prüfung 12 kostete ein defekter Turbolader rund sieben Minuten und die Bremsenprobleme vom Vortag tauchten erneut teilweise auf. Auf Platz fünf vorgefahren ist Cedric Robert im verbliebenen Werks-Peugeot 307. "Immer wenn ich am Start einer Prüfung stehe, fängt es zu regnen an..." Von 13 auf sechs kämpfte sich Markenkollege Freddy Loix nach vorn. Und auch Mikko Hirvonen liegt jetzt als neunter endlich in den Top Ten. "Es war tierisch glatt. Beinahe hätte ich bei vollem Tempo einen Hirsch getroffen."
WRC-Ergebnis nach 17 von 24 Wertungsprüfungen:
1. Loeb/Elena (Citroen Xsara) 3:04.20,3 Stunden
2. Duval/Prevot (Ford Focus) + 54,7 Sekunden
3. Sainz/Marti (Citroen Xsara) +1.00,4 Minuten
4. Märtin/Park (Ford Focus WRC) + 2.24,1 Min.
5. Robert/Bedon (Peugeot 307) + 3.33,6 Min.
6. Loix/Smeets (Peugeot 307) + 3.46,2 Min.
7. Gardemeister/Lukander (Skoda Fabia) + 4.10,9 Min.
8. Sarrazin/Pivato (Subaru Impreza) + 5.07,3 Min.
9. Hirvonen/Lehtinen (Subaru Impreza) + 5.19,5 Min.
10. Bengue/Escudero (Peugeot 206) + 9.37,8 Min.
11. Warmbold/Price (Ford Focus) + 11.30,4 Min.
12. Vouilloz/Giraudet (Peugeot 206) + 12.23,2 Min.
13. Schwarz/Hiemer (Skoda Fabia) + 12.28,5 Min.