Nach den harten Steppen in Argentinien und dem Vollgas-Schotter in Finnland geht es nun für die Teams der Rallye-Weltmeisterschaft auf deutschen Asphalt. Oder besser gesagt: Auf harten Belag. Denn die 23. OMV ADAC Rallye Deutschland bietet zumindest erstmals seit sechs Monaten (Monte Carlo) keinen Schotter. Offiziell gilt „die Deutschland“ als Asphalt-Event, aber sie bietet eine reichliche Mischung verschiedener Untergründe.
Am ersten Tag geht es vornehmlich über betonierte und bitumierte Winzersträsschen in den Weinbergen. Viele 90 Grad-Abzweige verlangen unweigerlich den Einsatz der Handbremse. Die Beton-Panzer-Pisten mit ihren vielen Schlaglöchern und scharfen Kanten des Truppenübungsplatzes Baumholder bilden dann am Samstag den Rahmen. Und die Schlussetappe wird dann auf flüssigen Kreisstraßen im Saarland abgehalten, vergleichbar mit den Rallyepisten der Rally Catalunya.
Erstmals wurde die Rallye Deutschland 1982 ausgetragen. Im Verlauf der Jahre wanderte das Hauptquartier von Frankfurt am Main, über Sankt Wendel, Koblenz und Adenau nach Trier. Deutschland älteste Stadt beheimatet den OMV-Event seit 2000. Und die 24 Wertungsprüfungen mit einer Länge von 411,06 Kilometern liegen mitten im Herzen des weltbekannten Weinanbaugebietes der Mosel.
Citroen hat die vergangenen drei Jahre der Deutschland dominiert und nur wenige glauben, dass Sebastien Loeb heuer nicht den Trier-Hattrick unter Dach und Fach bringt. Zu überlegen waren die bisherigen Saisonleistungen des Elsässers. Vier Saisonsiege (Monte Carlo, Schweden, Zypern, Türkei) und zuletzt der hervorragende vierte Platz in Finnland haben den Vorsprung von Loeb in der WM-Tabelle auf 22 Punkte anwachsen lassen. Der 29jährige gilt als absoluter Asphalt-Experte und mit einem Sieg kann der Citroen-Pilot einen Riesenschritt Richtung ersten WM-Titel machen.
PSA-Konzernschwester Peugeot hat sich neben Finnland-Sieger Marcus Grönholm mit dem Asphaltglüher Cedric Robert verstärkt. Nach dem ersten Sieg des 307 WRC ist Grönholm auch für Deutschland optimistisch, zumal sich der Finne im Vorjahr Loeb nur um 3,6 Sekunden geschlagen geben mußte. Auf einen Ausrutscher von Loeb hoffen vor allem Weltmeister Petter Solberg (Subaru), Markko Märtin (Ford), Grönholm sowie Carlos Sainz im zweiten Citroen. Dieses Verfolger-Quartett ist nur durch vier Punkte in der WM-Tabelle getrennt.
Die ADAC-Rallye zählt ebenfalls als fünfter von sieben WM-Läufen zur Production Car World Rallye Championship (PCWRC). Das OMV-Duo Jani Paasonen und Manfred Stahl nimmt die Prüfungen als Führungsduo in Angriff, wobei der Österreicher auf Asphalt sicherlich stärker einzuschätzen ist als der Finne.