Mama mia: Bei Familie Zanchi (im Bild Papa Pierlorenzo) war am Ende nichts mehr al dente
Neben den WRC- und JWRC-Teams gingen bei der Neste Rally Finland 30 weitere Fahrzeuge an den Start, die sich die spektakulärste Rallye des Jahres nicht entgehen lassen wollten. Gentlemen-driver aus aller Herren Länder oder Flying Finns, die vor den Augen der Werk-Teams glänzen wollten, kämpften hier um Sekunden und Ehre. Mit über vier Minuten Vorsprung war der italienische Mitsubishi-Werksfahrer Gianluigi Galli ganz klar der Schnellste vom „best of the rest“ vor den beiden finnischen Markenkollegen Kaj Kuistila und Juha Vuorela.
Galli und der Finne Kristian Sohlberg wechseln sich seit Saisonbeginn am Steuer des zweiten Mitsubishi Lancer WRC neben Gilles Panizzi ab. Der jeweils andere „darf“ dann die Rallye in einem Gruppe N-Boliden bestreiten. Und der 32jährige Italiener bewies einmal mehr seine Klasse. Lediglich in der Auftaktprüfung knöpfte Juha Vuorela dem Werksfahrer einige Sekunden ab, ab Prüfung zwei übernahm Galli dann die Führung und gab diese bis zum Ziel nicht mehr ab.
Mehr als die Hälfte der „other drivers“ verabschiedete sich nach einem Unfall. Den Auftakt machte der mitfavorisierte Ari Laivola (Mitsubishi Lancer), der gleich in der ersten Linkskurve der zweiten Prüfung den wohl spektakulärsten Abgang der gesamten 54. Neste Rally hinlegte. Im vierten Gang ging es seitwärts in einen Graben, ehe ein Felsen den Lancer hochkatapultierte und auf einer Länge von rund 100 Metern drei Rollen vorwärts in den Wald folgten. Durch umherfliegende Trümmerteile wurden drei Zuschauer leicht verletzt. Ein teures Wochenende hatte auch Familie Zanchi aus Italien: Papa Pierlorenzo rollte seinen Lancer in der Zielkurve von WP 12 ab, Sohn Pierfrancesco rund einen Kilometer nach dem Start von WP 19.
Für lautstarke Unterstützung sorgten rund 30 Fans des Letten Maris Neiksans. Mit ihren orange-farbenen Team-T-Shirts sahen sie eher aus wie holländische Fussballfans. Der Gesang und die Schlachtrufe „Latvia“ erinnerten auch eher an die Ballsportart. Der 20jährige dankte es am Steuer des gleichfarbigen Ford Puma mit beherzter Fahrweise. Ein dreifacher Überschlag im zweiten Tag (gleiche Kurve wie Papa Zanchi) beendete dann die Fahrt des vermeintlichen neuen Baltikum-Märtins.
Zu besonderer Ehre gelangte der Ungar Tamas Tagai, als er seinen Skoda Octavia in der berühmten Linkskurve von Myllypohja (WP 4) zu Gulasch verwandelte. Größen wie Petter Solberg (zu Ford Focus-Zeiten) haben sich im dortigen Graben bereits verewigt. Nachdem in 2003 keiner rollte, stand im diesjährigen Programmheft (!) zu lesen: „The most deceptive place is the bend at 23,1 km. Last year was a disappointment for spectators waiting to see rolls, but can it happen two years in a row?“ Zehn Autos nachdem JWRC-Pilot Alessandro Broccoli mit seinem Punto Graben, Steine und Telegrafenmasten getroffen hatte, aber nicht gerollt war, beantwortete Tagai die Programmheft-Frage mit einem dreieinhalbfachen Rittberger …
other drivers-Endergebnis nach 22 Wertungsprüfungen:
1. Galli/D´Amore (Mitsubishi Lancer) 3:26.54,7 Stunden
2. Kuistila/Jokinen (Mitsubishi Lancer) + 4.19,0 Minuten
3. Vuorela/Kapanen (Mitsubishi Lancer) + 6.58,1 Min.
4. Ketimäki/Alanen (Suzuki Ignis) + 7.00,3 Min.
5. Sipilä/Koljonen (Mitsubishi Lancer) + 10.13,5 Min.
6. Valimäki/Honkanen (Suzuki Ignis) + 10.37,1 Min.
7. Dorossinski/Kornilov (Subaru Impreza) + 13.57,7 Min.
8. Rossetti/Desposito (Citroen Saxo) + 16.32,0 Min.
9. Alsgaard/Pettersen (Mitsubishi Lancer) + 16.35,2 Min.
10. Atkinson/Atkinson (Subaru Impreza) + 21.57,4 Min.