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2004-08-10 19:15:43 - ju
WRC: Gut gebrüllt, Löwe!

Nach 2000, 2001 und 2002 feierte Markus Grönholm seinen vierten Finnland-Sieg
Endlich ist der erste WRC-Sieg für den Peugeot 307 unter Dach und Fach: Marcus Grönholm sorgte bei der 54. Neste Rally Finland dafür, dass im Hause PSA und vor allem bei Peugeot-Sportchef Corrado Provera die Steine der Erleichterung gleich reihenweise plumpsten. Nach der Disqualifikation und dem verlorenen Sieg auf Zypern nun endlich der erste richtige „10er“. Vorjahressieger Markko Märtin wurde im Ford Focus zweiter vor Carlos Sainz im Citroen. Nach einer taktischen Meisterleistung fuhr Tabellenführer Sebastian Loeb auf Rang vier.

Das Weitsprungspektakel über achterbahnähnliche Schotterpfade begann wie gewohnt: Die „Flying Finns“ machten ihrem Namen alle Ehre, nahmen Mut, Herz und Ortkenntnisse in beide Hände und trumpften erst einmal mächtig auf. Mit Rovanperä, Lindholm, Grönholm, Tuohino, Hirvonen, Pykälistö und Paasonen feierte „Suomi“ gleich auf der Auftaktprüfung einen siebenfach-Erfolg. Weltmeister Petter Solberg wurde nur elfter, Tabellenführer Loeb sogar nur 14. Vor allem der Franzose wußte, dass er an diesem Wochenende keine Sieges-Chance haben wird. „Ein paar Punkte sammeln, mehr ist nicht drin“, meinte der vierfache Saisonsieger vor dem Start.

In Prüfung zwei verpasste Grönholm einen Abzweig und verlor acht Sekunden auf die Spitze, wo die Peugeot-Teamkollegen Rovanperä und Lindholm weiter angasten. Petter Solberg wurde allmählich munter und Juuso Pykälistö im erstmals eingesetzten dritten Citroen Xsara hatte die Herren Sainz und Loeb weiter im Griff. Jani Paasonen im dritten Skoda deutete sein Potential und das des Fabia WRC an und mischte weit vorne mit. Janne Tuohino bewies vom ersten Meter an, das er wie in Schweden zu Recht im Marken-WM-Focus anstelle des Belgiers Francois Duval sitzt.

Der hohe Speed - die Wertungsprüfungen haben Durchschnittstempi mit bis zu 130 km/h – forderte bald die ersten Opfer. Pykälistö parkte in WP drei den Xsara mit Motorschaden. Und Petter Solberg seinen Subaru Impreza im Graben (WP 4). „Ausgangs einer Linkskurve bin ich von der Bahn abgekommen“, ärgerte sich „Hollywood“. „Dabei brach dann vorne rechts die Aufhängung.“ Aufgrund von hohem Fieber und der Einnahme von Medikamenten in Verbindung mit den Außentemperaturen von rund 30 Grad hatte der Norweger ein solches Ende befürchtet. „Schon auf den Prüfungen zuvor war ich unkonzentriert und habe mehrfach um Wiederholung des Aufschriebs gebeten.“ Aufgrund des Super-Rallye-Systems durfte der Weltmeister ab dem zweiten Tag dem WRC-Feld hinterherfahren. Sieben vermeintliche (Pseudo-)Bestzeiten zeigten, dass der Subaru-Pilot gute Chancen auf den Sieg gehabt hätte.

Die Peugeot 307 hatten vom ersten Meter an das Geschehen bestimmt. Rovanperä, Grönholm und dessen Vetter Sebastian Lindholm führten die Meute an. Nicht nur, dass die Löwen erstmals in dieser Saison einen dritten 307 einsetzen. Der sechsfache finnische Meister hatte auch das brandneue Fünf-Gang-Getriebe montiert, während Rovanperä und Grönholm noch mit der alten Vier-Gang-Einheit ausgerüstet waren. „Für Deutschland sollen auch die Marken-WM-Fahrzeuge mit dem neuen Getriebe bestückt werden, für Finnland war uns das Risiko noch zu gross“, betonte Provera.

Zu gross war auch der Einsatz von Rovanperä in Prüfung sechs. Bei einem dreifachen seitlichen Salto gingen zwar nur zwei Minuten verloren, beim anschließenden Service folgte die Aufgabe. „Die Schäden sind einfach zu umfangreich, dabei lief es so gut“, ärgerte sich der bei den Finnen derzeit beliebteste WRC-Pilot. „Ich kam außen in den losen Schotter, das war es dann.“ Nach Rovanperäs Abgang reduzierte Grönholm seinen Einsatz auf 90 Prozent. „Ich gehe keine Risiken mehr ein, wir wollen endlich den ersten Sieg für den 307. Ich muß nur aufpassen, die Konzentration nicht zu verlieren!“ Der jetzt vierfache Neste Rally-Sieger markierte dennoch elf Bestzeiten, mit den vier von Rovanperä gerechnet verbuchten die Löwen 15 der 22 möglichen WP-Siege.

Peugeot-Teamkollege Lindholm legte - an zweiter Stelle liegend - seinen 307 am zweiten Tag in Prüfung zwölf ab, 500 Meter vor der berühmten Sprungkuppe am „Yellow House“ ging es kopfüber ins Unterholz. Während für Märtin die Sicherung des zweiten Platzes Priorität genoss und Carlos Sainz einem sicheren dritten Platz entgegenfuhr, kämpften Loeb und Tuohino bis zum letzten Meter um Platz vier. Am Ende sollte der Franzose das bessere Ende für sich haben, zumal Ford-Boss Malcolm Wilson seinen finnischen Piloten gebeten hatte, kein unnötiges Risiko einzugehen. Das Duo Märtin/Tuohino sammelte für das Blue Oval insgesamt 12 Marken-WM-Punkte und war damit erfolgreicher als die Wettbewerber Citroen (11), Peugeot (10) und Mitsubishi (3).

Ein Debakel erlebte das so hoffnungsvoll nach Finnland gereiste Subaru-Team. Nach Solbergs Unfall in Prüfung vier sollte Mikko Hirvonen die Kohlen aus dem Feuer holen. „Gerade bei seinem Heimspiel soll Mikko mal zeigen, was in ihm steckt“, hatte Prodrive-Manager David Lapworth noch vor dem Start gesagt. Und der 24jährige meinte auch nach den ersten Prüfungen. „Ich hatte einige Mal Glück und wir wären beinahe abgeflogen.“ Die letzte Prüfung des ersten Tages, die Super Special Stage auf der Pferderennbahn Killeri, wurde Hirvonen dann zum Verhängnis und er knallte fast frontal in die Leitplanken.

Zum „Inmarsat Star of the Rally“ wurde von einer Jury Jani Paasonen gewählt. Der 29jährige sorgte als sechster für das beste WRC-Ergebnis eines Skoda Fabia. Der Aushilfsfahrer – eigentlich ist Paasonen heuer in der PCWRC für das OMV-Team unterwegs – überzeugte bei seinem Debüt für die Tschechen. Selbst der etatmäßige Werksfahrer Toni Gardemeister verlor eineinhalb Minuten auf seinen Landsmann und wurde achter. Ganz schwach die Vorstellung von Veteran Armin Schwarz im eigentlichen Nummer eins-Skoda. Der Deutsche war zu keiner Zeit konkurrenzfähig und landete mit fast zwölf Minuten Rückstand nur auf Rang zwölf.

Für Mitsubishi ergatterte Asphaltspezialist Gilles Panizzi als elfter noch drei WM-Punkte, während Kristian Sohlberg immer noch auf seine erste Zielankunft in einem World Rally Car wartet. Der 26jährige Sohn des finnischen Motorsportverbandspräsidenten Kari O. Sohlberg lag konstant in den Top Ten, ehe ein Überschlag in Prüfung 14 die Fahrt beendete.

WRC-Endergebnis 54. Neste Rally Finland nach 22 Wertungsprüfungen:
1. Grönholm/Rautiainen (Peugeot 307) 3:07.16,1 Stunden
2. Märtin/Park (Ford Focus WRC) + 34,7 Sekunden
3. Sainz/Marti (Citroen Xsara) + 1.09,8 Minuten
4. Loeb/Elena (Citroen Xsara) + 2.23,3 Min.
5. Tuohino/Aho (Ford Focus) + 2.36,7 Min.
6. Paasonen/Vainikka (Skoda Fabia) + 4.36,2 Min.
7. Duval/Prevot (Ford Focus) + 5.51,0 Min.
8. Gardemeister/Lukander (Skoda Fabia) + 6.03,2 Min.
9. Carlsson/Andersson (Peugeot 206) + 6.41,1 Min.
10. H.Solberg/ Menkerud (Peugeot 206) + 7.04,6 Min.
11. Panizzi/Panizzi (Mitsubishi Lancer) + 7.33,0 Min.
12. Schwarz/Hiemer (Skoda Fabia) + 11.58,3 Min.
13. Viita/Hantunen (Ford Focus) + 19.15,9 Min.

wichtige WRC-Ausfälle:
WP 14: K.Sohlberg/Lindström (Mitsubishi Lancer) Unfall/Überschlag
WP 12: Lindholm/Tuominen (Peugeot 207) Unfall/Überschlag
WP 10: Hirvonen/Lehtinen (Subaru Impreza) Unfall/Leitplanke in Super Special
WP 9: Warmbold/Price (Ford Focus) Kraftübertragung
WP 6: Rovanperä/Pietilainen (Peugeot 307) Unfall/Überschlag
WP 4: P.Solberg/Mills (Subaru Impreza) Unfall/Radaufhängung vorne rechts
WP 3: Pykälistö/Ovaskainen (Citroen Xsara) Motorschaden

WP-Bestzeiten:
Grönholm 11; Märtin 5; Rovanperä 4; Sainz und Duval je 1.

Stand in der WRC (Fahrer):
1. Loeb 66; 2. Solberg 44; 3. Märtin und Grönholm je 42; 5. Sainz 40; 6. Duval 31; 7. Hirvonen 18; 8. Tuohino 16; 9. Rovanperä 14; 10. Carlsson 6; 11. Panizzi 5; 12. Loix 4; 13. H.Solberg, Stohl, Perez-Companc und Paasonen je 3; 17. Valimäki, Ginley und Pozzo je 2; 20. Gardemeister, Warmbold, Burri, Vovos und Campos je 1.

Stand in der WRC (Marken):
1. Citroen 109; 2. Ford 83; 3. Subaru 64; 4. Peugeot 61; 5. Mitsubishi 17.


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