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DPWM: Zwischen Himmel und Hölle

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Claudia Hürtgen will in 9:10 Minuten um die Nordschleife |
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| Keine andere Rennstrecke auf der Welt übt diese Faszination aus, aber auch nirgendwo sonst sind Sieg oder Niederlage enger miteinander verbunden. Die Jagd durch die Eifel ist ein Ritt zwischen Himmel und Hölle. Der Nürburgring und dessen unvergleichliche Nordschleife sind schon allein Herausforderung genug – im Fight mit sich und der Konkurrenz wird die 24,358 Kilometer lange Kombination aus der Kurzanbindung des Grand Prix Kurses und der Nordschleife zum Wagnis des Jahres. In zwei Tagen ist es so weit: die DMSB-Produktionswagen-Meisterschaft startet zum ersten Mal auf der Nordschleife – im Rahmen des Int. ADAC-24-Stunden-Rennens.
Nach dem Saisonstart vor fünf Wochen in Oschersleben hat es der zweite Saisonauftritt also ganz schön in sich. „Ein Fehler und alles ist aus“, warnt Claudia Hürtgen (BMW 320i). Was die einzige Dame im Feld der Division 1 so treffend meint, sei an einem Beispiel erklärt: wer auf dem langen Bergaufstück von ‚Breitscheid’ hinauf zur ‚Hohen Acht’ nur mal kurz vom Gas muss, ist ruckzuck fünf bis sechs Sekunden hinten dran. Der berühmte Zug ist dann weg und die Spitzengruppe, die man später im Bereich der ‚Döttinger Höhe’ für den guten Windschatten so dringend braucht, auch. Hürtgen spricht vom „Königsrennen“, vom „kalkulierten Risiko“ und vom „Vier-Runden-Sprint“ – und genau diese drei Faktoren bringen es auf den Punkt, denn: „Einen Vorteil hat keiner aus der Spitzengruppe. Die kennen alle den Ring in und auswendig. Klar, an diesem Wochenende wird die Meisterschaft nicht entschieden, doch ein Rennen auf der Nordschleife zu gewinnen, ist immer besondere Motivation.“
Allein deshalb wird es Patrick Bernhard (Ford Focus) schwer haben, seinen sieben-Punkte-Vorsprung als Tabellenführer zu verteidigen. Die Konkurrenz ist dem 32-Jährigen ganz schön auf den Fersen. Die Gefahr droht vor allem aus dem weiß-blauen Lager. Hennerici, Engstler, Winkelhock heißen die Akteure auf den folgenden Plätzen. Während Franz Engstler und Thomas Winkelhock die erfahrene, etablierte Fraktion vertreten und immer für einen Sieg gut sind, greift mit Marc Hennerici ein Debütant nach den Sternen in der neuen DMSB-Produktionswagen-Meisterschaft – immerhin fuhr der Rookie gleich bei seinem ersten Rennen in dieser Serie auf den zweiten Platz.
Auf eine solche Platzierung schielt vor allem Michael Funke beim Nordschleifen-Tanz. Nur Tabellenplatz 12 ist ihm nach dem Saisonstart in Oschersleben geblieben: „Ein geplatztes Tellerrad der Achsübersetzung war Schuld“, definiert Funke das Getriebeproblem und erklärt seinen Ausfall im zweiten Lauf. In der Eifel soll der Weg zurück an die Spitze führen – sofern die Nummer mit dem Qualifying klappt. Denn die beiden 90-Minuten-Zeittraining haben es in sich, wie der 34-Jährige aus Tönisvorst erklärt: „Wir werden wohl zusammen 150 Autos auf der Strecke sein, denn alle Tourenwagenserien der Beru Top 10 trainieren gemeinsam. Da müssen wir mit unseren schnellen 2-Liter-Autos sehen, dass wir vorne sind.“ Raus, eine Runde Kurzanbindung und ab geht die Post Richtung ‚Hatzenbach’. Will heißen: die Etablierten nutzen nur eine kurze Runde auf der Grand-Prix-Strecke, um ihre Reifen anzuwärmen und stützen sich dann in die Zeitenjagd. „Eine komplette erste Runde kostet zu viel Zeit und zu viel Material. Wer die Nordschleife und sein Auto kennt, geht direkt aufs Ganze“, verspricht Michael Funke.
Weder Front- oder Heckantrieb dürften beim dritten Lauf zur DMSB Produktionswagen-Meisterschaft den Ausschlag geben, zu leistungsgleich und zu ähnlich in der Fahrdynamik sind die Fahrzeuge mittlerweile, entscheidend ist ein optimales Training, ein ausgewogenes Set-up, eine perfekte Streckenkenntnis und der richtige Stoß Adrenalin, wenn es über Deutschlands berühmteste Piste geht.
Nicht anders wird dies in der Division 2 sein. Hier sind 1.600 Kubikzentimeter angesagt und während die ‚Großen’ von rund 260 PS sprechen, sind die ‚Kleinen’ immer noch für beeindruckende 180 PS gut. In 9:10 Minuten will Claudia Hürtgen als amtierende Meisterin der Vorgängerserie DTC die gut 24 Kilometer erledigt haben, rund 10 Minuten schätzt Michael Bohrer für eine seiner schnellen Runden zu benötigen. Als Tabellenführer geht der 21-Jährige sein Heimspiel an: „Der Nürburgring liegt nur 160 Kilometer von meinem Heimatdorf Merzig entfernt. Natürlich bin ich zuweilen mit meinem Privatauto auf der Strecke. Dennoch, der perfekte Ring-Kenner bin ich nicht“, gibt Bohrer zu. Den ‚alten Fuchs’ Peter Scharmach nennt der Jüngling ehrfurchtsvoll denjenigen, den es auf der Nordschleife zu schlagen gilt: „Doch meine direkte Konkurrenz sehe ich eher in Markenkollegen Guido Thierfelder und VW Lupo-Piloten Kai Jordan.“ Mit nur einem Punkt Vorsprung kommt Bohrer vor Thierfelder in die Eifel, und selbst Kai Jordan hat auf dem sechsten Tabellenplatz immerhin noch 31 Zähler.
Die Herausforderung könnte also nicht größer sein, zumal sich alles auf ein einziges Rennen konzentriert: Samstag, 11:15 Uhr. Der sonst in der DMSB-Produktionswagen-Meisterschaft übliche 15-Minuten-Sprint entfällt, dafür wartet der Tanz zwischen Himmel und grüner Hölle auf die Akteure. Und dieser wird anstrengend, wenn Claudia Hürtgen richtig gerechnet hat: „9:10 Minuten pro Runde, macht mehr als 36 Minuten, die es nirgendwo sonst mehr in sich haben, als in den Eifelwäldern.“
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