24h: Schnock: „Mindestens zwei Dutzend Siegkandisaten“
Die Leistungsdichte ist im Vergleich zu 2003 nochmals größer geworden
Seine Zeitstrafen in Form einer Kaffeestunde mit sündigen Piloten sind gefürchtet und sein Herz für Rennfahrer ist mindetens ebenso groß wie sein Fachwissen für Detailfragen des technischen Reglements: Hans Schnock hat das 24h-Rennen seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten als stellvertretender Rennleiter und – seit 1999 – als Rennleiter begleitet. Im Gespräch beschreibt er die wichtigsten Eckdaten für das 24h-Rennen 2004.
Das Starterfeld beim 24h-Rennen 2004 ist beachtenswert. Ist das Rennen weiter im Aufwind?
„Wir erleben ohne Zweifel jetzt schon im vierten Jahr einen Boom. Ich war selbst überrascht, als ich die vorläufige Nennungsliste gesehen habe – das Starterfeld ist nochmal stärker als im vergangenen Jahr geworden. Auch die Quantität stimmt: Für das 24h-Rennen haben sich 227 Starter angemeldet, und selbst für das Youngtimer-Rennen im Rahmenprogramm liegen 230 Nennungen vor. Bei einem Limit von 220 Startern für das Rennen müssten wir – einige zurückgezogene Nennungen vorausgesetzt – also jeden, der genannt hat, auch im Hauptrennen erleben können.“
Ein Erfolgsfaktor für das Rennen ist das Reglement, das verschiedene Fahrzeug-Konzepte auf einen Nenner bringt. Was wurde für 2004 geändert?
„Es gab einige Klarstellungen und Präzisierungen gegenüber dem vergangenen Jahr. An grundsätzlichen Regelungen haben wir nicht gerüttelt. In Zusammenarbeit mit dem DMSB haben wir jedem Team die Chance gegeben, schon weit im Vorfeld alle Fragen zu ihren Fahrzeugen klären und klarstellen zu können. So muss bei uns niemand Angst vor der technischen Abnahme haben: Wer sich an die von uns vorgeschlagene Vorgehensweise gehalten hat, konnte alle Fragen mit dem ADAC Nordrhein bereits im Vorfeld klären.“
Das Reglement schafft den Spagat zwischen Fahrzeugen, wie dem speziell für Langstrecken-Rennen entwickelten BMW M3 GTR, den DTM-Fahrzeugen von Audi und Opel und dem Alzen-Porsche 996 Turbo aus der Langstreckenmeisterschaft. Wie funktioniert das?
„Unser Ziel ist es, ein Reglement zu schaffen, das zwischen den unterschiedlichsten Fahrzeugtypen einen gerechten Ausgleich der Chancen schafft. Das bedeutet etwa, dass die DTM-Fahrzeuge und der BMW bei uns in einer gemeinsamen Klasse einsortiert werden. Denn beide Fahrzeugtypen sind in etwa von Hubraum und Leistung her ähnlich. Allerdings müssen die DTM-Fahrzeuge massiv zuladen, um das vorgeschriebene Gewicht zu erreichen. 150 bis 200 kg zusätzliches Gewicht bedeutet, dass in den DTM-Rennern das Gewichst-Äquivalent von zwei Beifahrern mit an Bord genommen wird. In anderen Klassen schaffen wir einen zusätzlichen Ausgleich über das Tankvolumen – alles in allem haben wir also eine ganze Bandbreite von Möglichkeiten, um Chancengleichheit herzustellen.“
Das Reglement sorgte schon im vergangenen Jahr für ein enorm spannendes Rennen. Wie viele Siegkandidaten gibt es in diesem Jahr?
„Es gibt mindestens ein Dutzend ernsthafter Kandidaten – eher noch mehr. Die Leistungsdichte an der Spitze des Feldes ist im Vergleich zu 2003 nochmals größer geworden. Voraussagen über den späteren Sieger sind in diesem Jahr noch viel weniger möglich, als in der Vergangenheit.“
Bei aller Spannung an der Spitze des Feldes sind es auch die vielen Privatfahrer, die am Ring antreten – gibt es hier ein besonderes Augenmerk?
„Die Privatiers sind für uns das Salz in der Suppe, sie sind die Basis des gesamten Rennens. Wir haben 20 bis 30 Werks- und Semi-Werks-Fahrzeuge am Start und sind über dieses hochklassige Feld sehr glücklich. Aber nur mit diesen Autos wäre das 24h-Rennen nicht möglich. Deshalb sind uns gerade die vielen hoch engagierten Privatiers, auf denen unser Augenmerk liegt wichtig. Zudem sollte man auch die so genannten ‘kleinen Klassen’ nicht unterschätzen – auch dort wird Sport auf tollem Niveau geboten. Wichtig ist uns, dass auch die Top-Piloten auf der Strecke Rücksicht auf ihre Sportkameraden in den kleineren Fahrzeugen nehmen. Wir haben lange daran gearbeitet, diese Einsicht zu verbreiten, und ich denke,dass wir gerade in dieser Beziehung sehr wichtige Schritte gemacht haben.“
Das bedeutet, dass auch der olympische Gedanke beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring in Zukunft wichtig sein wird?
„Ja – das Motto dabei sein ist alles ist bei allem Top-Sport ein Kerngedanke der Veranstaltung. Und das gilt übrigens auch für die Organisatoren. Rund 1.400 Menschen arbeiten während der Veranstaltung für dieses Event. Und die meisten von ihnen sind im ehrenamtlichen Einsatz. Ohne dieses Heer von Helfern wäre das Rennen weder zu organisieren noch zu finanzieren. Ich bin froh, dass wir auf diese unglaublich engagierte Top-Mannschaft vertrauen können.“