Glücklich und abgekämpft: Timo Schupp auf dem Podium
Seinen ersten Saisonsieg im Renault Clio Cup musste sich Timo Schupp hart erkämpfen: Demian Schaffert setzte ihn bis ins Ziel unter Druck. Für Timo Schupp wäre der vierte Saisonlauf zum Renault Clio Cup fast schon in Runde eins beendet gewesen: Bei einer Attacke von Demian Schaffert konnte der 21-Jährige einen Abflug nur knapp vermeiden. „Wir berührten uns kurz, und ich stand quer auf der Strecke“, rapportierte Schupp. „Ich konnte meinen Clio so gerade eben noch abfangen und meine Führung verteidigen."
Während sich der MRS PC-Service-Pilot und sein unmittelbarer Verfolger im weiteren Rennverlauf von ihren Hintermännern absetzen konnten, lieferten sich hinter ihnen Elmar Jurek, Sascha Plöderl, Tobias Schulze und Hannes Plesse innige Zweikämpfe. Dabei bestätigte Vortagessieger Tobias Schulze seine Form: Der Tagewerbener konnte zuerst Plesse und Plöderl überholen und auch deren Revanche abwehren, bevor er die erste Gelegenheit nutzte und auch Elmar Jurek abhängte. Doch der Berliner schlug zurück und überquerte schlussendlich nach einem atemberaubenden Duell die Ziellinie mit einer halben Wagenlänge Vorsprung. „Ich hatte einen wahnsinnig schlechten Start“, berichtete Jurek später. „Zwar habe ich anfangs versucht, den Anschluss an die Spitze zu halten, doch durch die heftigen Kämpfe mit Plöderl wurde der Abstand eher größer. Gegen Schulze hatte ich zunächst keine Chance. Doch dann kam mir ein Überrundungsmanöver zugute.“
Mit einem heftigen Abgang beendete Vanessa Lee Engelhardt ihr Rennen: Die Renault Junior-Pilotin legte ihr Sportgerät im Kiesbett auf die Seite. Spektakuläre Abflüge waren auch das Ergebnis eines intensiven Gerangels zwischen Manfred Ahlden und André Lips. Christian Ott konnte sich der brenzligen Situation nur durch einen gezielten Abstecher ins Grüne entziehen. Auch Sascha Weber musste die Segel nach einem Unfall in der ersten Runde vorzeitig streichen.
Während dessen machten Timo Schupp und Demian Schaffert die Entscheidung um den Sieg unter sich aus. „Ich musste alles geben, zumal ich gegen Rennende auch noch von Überrundungen aufgehalten wurde“, so der spätere Sieger. „Timo war einfach nicht zu schlagen“, lobte Schaffert seinen Konkurrenten. „Ich konnte ihn in keinen Fehler treiben“, so der Student.
Der Held am Samstag hieß Tobias Schulze
Er war einsam, aber schneller: Tobias Schulzes Mut zum Alleingang wurde im niederländischen Assen, Austragungsort des dritten Laufs um den Renault Clio Cup, fürstlich belohnt. Der Tagewerbener hatte sich als Einziger der 26 Clio-Piloten trotz wankelmütigen Wetters für Slick-Bereifung entschieden – und konnte am Ende dank einer sensationellen Aufholjagd das gesamte Feld hinter sich lassen. Mit seinem zweiten Saisonsieg eroberte Schulze auch die vorläufige Tabellenführung in der Meisterschaft.
Heftige Niederschläge und dunkle Wolken über dem „Circuit van Drenthe“ trieben Teams und Fahrern vor dem ersten Wochenendlauf die Sorgenfalten auf die Stirn. „Ich wollte eigentlich auf Regenreifen setzen, aber mein Vater überredete mich, auf profillosen Slicks zu starten“, strahlte Tobias Schulze nach dem Samstags-Rennen in Assen, in dem er seine Konkurrenz zeitweise um bis zu fünf Sekunden pro Runde distanzieren konnte. Dabei musste sich der 20-Jährige bis zur Hälfte des dritten Saisonlaufs in Geduld üben, bis der niederländische Kurs genug abgetrocknet war, um eine Aufholjagd starten zu können. Zuvor hatte er auf der noch regennassen Strecke alle Hände voll zu tun: „Ich fiel bis ans Ende des Feldes zurück und dachte schon, das wäre es für mich gewesen“, erzählte er atemlos. Auch ein zwischenzeitlicher Ausrutscher und heftige Duelle konnte seinen Wettlauf gegen die Zeit nicht bremsen.
So quetschte sich Schulze erst auf den letzten 300 Metern an dem bis dahin führenden Demian Schaffert vorbei. „Wäre das Rennen eine Runde eher zu Ende gegangen, hätte ich es gewonnen“, seufzte der Berliner später. Zuvor hatten Schirra-Pilot Marco Wolf aus Lohmar und der Berliner Elmar Jurek dem späteren Sieger Platz machen müssen, während Mathias Schläppi – der das Rennen aus der Pole Position in Angriff genommen hatte – nach einer Feindberührung im Duell mit Schaffert seinen Clio im Kiesbett abstellte. Tobias Pfister, Drittschnellster des Abschlusstrainings, fiel bis auf Rang 19 zurück.
Auch das Duell um den dritten Rang zwischen den ehemaligen Renault-Junioren Marco Wolf, Elmar Jurek, Sascha Weber und Timo Schupp riss die Zuschauer mit stürmischen Manövern in seinen Bann – zumal auch Sascha Plöderl sowie Hannes Plesse als bester Junior nach Herzenslust mitmischten. „Ich habe versucht, mir die Reifen einzuteilen“, resümmierte Wolf im Rückblick. „Die Piloten, die zu Beginn mit Hochdruck attackierten, hatten später das Nachsehen.“ Auch Renault MotorSport-Koordinator Bernd Hütter kam ins Schwärmen: „Großes Kompliment – das war ein fantastisches Rennen!"