Schotter pur bei der Rallye Wittenberg: Mysliwietz/Bastuck
Lange Zeit herrschte Ungewißheit, ob und in welcher Form sie letztendlich stattfinden würde. Denn die Veranstalter der Traditionsveranstaltung „Rallye Wittenberg“ hatten erhebliche finanzielle Schwierigkeiten und Genehmigungsprobleme, um überhaupt die härteste Schotterrallye Deutschlands durchführen zu können. Aber nachdem der Veranstalter zusammen mit dem DMSB ein völlig neues Konzept erarbeitet hatte, konnte vom 29. April bis 01. Mai der 3. Lauf zur Deutschen-Rallye-Meisterschaft 2004 rund um die Lutherstadt Wittenberg stattfinden.
Ebenfalls neu und aus saarländischer Sicht höchst erfreulich war die Ernennung des Leiters der Sportabteilung des ADAC Saarland Günter Jung zum Serienmanager der Deutschen Rallye-Meisterschaft 2004. Beim Besuch des SR1-Team-Saarland im Servicepark meinte Jung: „Momentan bin ich noch dabei, mir bei allen Läufen zur DRM einen Überblick zu verschaffen und zu schauen, wo es noch hapert. Aber ich freue mich sehr auf diese neue Herausforderung und sehe enormes Entwicklungspotential in diesem höchsten deutschen Rallyechampionat Deutschlands“. Aufgrund seiner hervorragenden Kenntnisse des Motorsports und seiner mehrjährigen Tätigkeit als Organisationsleiter der Rallye Deutschland (Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft) wurde ihm diese sehr verantwortungsvolle Aufgabe übertragen, um zunächst einmal eine Bestandsaufnahme vorzunehmen und im Laufe der Saison ein neues, tragfähiges Konzept für die DRM 2005 zu erarbeiten.
Und damit hatte Günter Jung bei der Rallye Wittenberg wohl den idealen Einstieg gefunden. Denn während die 1. Etappe am Freitag wie geplant gefahren wurde, mußten die nicht genehmigten WP-Kilometer südöstlich Wittenbergs so kompensiert werden, dass einige Prüfungen des Vortages mehrmals befahren wurden. Damit stieg bei 200 Gesamt-WP-Kilometer der Schotteranteil auf über 85 %.
Was die über 30.000 Zuschauer u.a. wegen der kurzen Anfahrtswege freute, bereitete den Rallye-Assen der DRM arge Kopfschmerzen. Denn die Wertungsprüfungen, die vornehmlich aus Schotter, Kies und losem Sand bestehen, wurden von Durchfahrt zu Durchfahrt immer tiefer und härter. Und dieser Umstand forderte schließlich seinen Tribut. Bei der extrem selektiven Schotter-Rallye erreichte nur rund die Hälfte der 44 gestarteten Teams das Ziel. Darunter auch das SR1-Team-Saarland mit den Fahrern Lars Mysliwietz und Jörg Bastuck auf ihrem seriennahen Honda Civic Type-R.
Bestens vorbereitet gaben die beiden Piesbacher von Anfang an mächtig Gas, um in der sehr dünnen Luft der Gruppe N bis 2000 ccm von Beginn an vorne dabei zu sein. Vertrauen konnten sie dabei auf ein perfekt vorbereitetes Rallyefahrzeug und ein eigens für das Fahrzeug gebaute H & R Schotterfahrwerk, dass auch bei Tempo 180 fast mühelos den Honda über die Piste trug. Doch wie bei solchen Streckenbedingungen fast schon zu erwarten, hielt auch diesmal der Fehlerteufel seinen Einzug. Auf WP drei wurde durch einen mächtigen Schlag die Hinterachse inkl. Dämpfer so arg beschädigt, dass Mysliwietz/ Bastuck auf den nächsten drei Prüfungen alle Hände voll zu tun hatte, um den wie einen wild gewordenen Geißbock hüpfenden Honda unter Kontrolle zu halten. „Also normalerweise hab ich ja keine Angst beim Rallyefahren, aber ich war wirklich froh, als wir im Service waren und unsere Mechaniker das Fahrwerk tauschen konnten. Es ist nämlich gar nicht so schön, wenn man bei 160 km/ h auf einem üblen Schotterweg im Wald beim Anbremsen das Gefühl hat, dass dich gleich der Kofferraum überholen möchte“ gibt Mysliwietz zu Protokoll.
Eine beherzte Aufholjagt wurde dann leider in der Hälfte der letzten WP des ersten Tages unterbrochen, weil durch die starke Hitzeentwicklung im Motorraum das Rallyegefährt einfach mal seinen Dienst quittierte und sich, sehr zum Unmut seiner Besatzung, eine 30 sekündige Pause gönnte. Doch am Abend war man sich trotzdem einig: Die insgesamt über 50 Sekunden an verlorener Zeit kann das Team am zweiten Tag wieder wett machen. Gesagt, getan, am Samstag Morgen als vierte in der Klasse gestartet, praktizierten die beiden Saarländer eine Aufholjagt par Excellence. Prüfung für Prüfung arbeiteten sie sich weiter an die Konkurrenz heran und lagen bei der vorletzten Prüfung mit 5 Sekunden Vorsprung auf Platz zwei. Der konnte dann, trotz harter Konkurrenz, nach fast 200 WP-Kilometer ins Ziel der wohl härtesten Schotterrallye Deutschlands gerettet werden. Ebenfalls erfreulich aus saarländischer Sicht war die Zielankunft von Jörn Limbach und seinem Fahrer Armin Holz auf VW Golf Kit Car, deren Getriebe sich langsam auflöste und die ab Mitte der Rallye nur noch drei Gänge zur Verfügung hatten.