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2004-03-27 08:36:05 - ks
F1: Michelin im Morgenland mit großen Hoffnungen

In der Wüste sollen die Michelin-Teams den Aufwärtstrend fortsetzen
Die Formel 1 wird in die Wüste geschickt – und erlebt dort wieder einmal eine historische Premiere: Erstmals gastiert der Grand Prix-Tross in Bahrain, wo nach Entwürfen des Aachener Architekten Hermann Tilke in Rekordzeit eine prächtige Anlage entstand. Nach ersten Berichten von GP-Piloten und Teams hält der 5,4-Kilometer-Kurs einige technische Anforderungen bereit. Reifenhersteller Michelin sieht die wohl größte Aufgabe darin, trotz der „grünen“ Piste und des ständig auf die Fahrbahn wehenden Sandes brauchbaren Grip zu finden. Mit den zu erwartenden hohen Temperaturen kamen die Partnerteams des französischen Reifenspezialisten schon in Malaysia gut zurecht. Entsprechend lautet die Zielsetzung, den Aufwärtstrend von Sepang fortzusetzen.

Was Hermann Tilke und sein Auftraggeber, Scheich Hamad Ibn Isa Al-Khalifa hier in den Sand gesetzt haben, kann sich mehr als nur sehen lasen: Für 150 Millionen Dollar errichtete der kleine Inselstaat eine Grand Prix-Rennstrecke auf allerhöchstem Niveau. Da die Raumplanung in Bahrain nicht besonders restriktiv gehandhabt wird, konnten sich die Bauherren das beste Fleckchen Wüste aussuchen. Die Wahl fiel auf das im Süden des Kleinstaats gelegene Sakhir. Erst Ende 2002 setzte Formel 1-Supremo Bernie Ecclestone seine Unterschrift unter den begehrten Grand Prix-Vertrag. Nur 18 Monate später begrüßen die Scheichs nun den „schnellsten Zirkus der Welt“ auf einer prächtigen Anlage, als deren Wahrzeichen der sich nach unten verjüngende „Sakhir-Tower“ acht Geschosse hoch aus der Wüstenszenerie herausragt. Zuschauertribünen, Garagenkomplex und VIP-Lounges sowie die Gebäude für die Rennleitung tragen Dachaufsätze, die an die typischen Zelte der Wüstenvölker erinnert.

Der Bereich von Fahrerlager und Boxen stellt dabei so etwas wie die Oase dar, in die die Piloten nach ihrer Runde durch die sandige Ebene immer wieder zurückkehren. Die Strecke besteht vor allem aus vier Geraden – darunter die sehr lange Start-Ziel-Passage – und drei Hochgeschwindigkeitskurven. Sie verbindet eine Abfolge langsamer und mittelschneller Kurven, die ein hohes Abtriebsniveau erfordern. Dies wiederum sollte das Überholen auf der Geraden erleichtern. Von den mindestens drei guten Überholmöglichkeiten, die BMW WilliamsF1-Pilot Ralf Schumacher bei seiner ersten Visite in Bahrain ausmachte, bietet sich vor allem die Bremszone am Ende der schnellen Zielgeraden an. Die Streckencharakteristik bevorteilt mehr als anderswo Boliden mit einer hohen aerodynamischen Effizienz. Um hier schnell zu sein, müssen die Teams ein Set-up finden, mit dem ihr Auto trotz hohem Abtrieb möglichst wenig Höchstgeschwindigkeit einbüßt, oder aber so viel Top-Speed produziert, dass es den Zeitverlust im Infield wettmacht.

Bei der Analyse der Anforderungen der brandneuen Grand Prix-Strecke sahen sich manche Michelin-Ingenieure in die Mitte der 80er Jahre versetzt, als der Dünenkurs von Zandvoort noch auf dem Formel 1-Kalender stand. Die Parallele: Ebenso wie an der holländischen Nordsee wehen auch in der arabischen Wüste die Windböen immer wieder Sand auf die Strecke. Ob dies zu einer Prozession der Boliden über die einzig saubere Linie führt oder ob im Gegenteil die rutschige Oberfläche packende Zweikämpfe ermöglicht, bleibt abzuwarten. Fest steht, dass der Asphalt voraussichtlich das gesamte Wochenende über „grün“ bleiben wird, das heißt aus Sicht von Michelin auch am Rennsonntag noch wie eine noch nie befahrene Strecke zu behandeln ist.


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