Erneut an der Spitze des Feldes - Stefane Peterhansel
Die Dakar 2004 gönnt den Teilnehmern keine Atempause: Nach der extrem harten siebten Etappe wartete auf die Rallye-Karawane auch am achten Tag eine schwierige Hürde. Die 355 Kilometer lange Wertungsprüfung begann mit einer kniffligen Navigation und endete mit einem Sandsturm im Zielort Tidjikja. Dazwischen gab es steinige Passstraßen und tückische Dünen. Insgesamt überschritt Etappensieger Stéphane Peterhansel die von der Organisation eingeplante Fahrzeit mit seiner Bestzeit von 5:01.25 Stunden um eine Stunde. Dabei war der Franzose im Mitsubishi Pajero Evolution alles andere als langsam. Jutta Kleinschmidt (Volkswagen) benötigte für die Prüfung als Zweitschnellste immerhin fast 30 Minuten länger.
„Ich bin froh, das Biwak in einer so guten Zeit erreicht zu haben. Auch wir haben uns zu Beginn verfahren, weil das Roadbook sehr ungenau war. Später hatten wir noch einen Reifenschaden“, berichtete Peterhansel, der mit seinem zweiten Etappensieg die Führung übernahm.
Teamkollege Hiroshi Masuoka fiel im zweiten Mitsubishi Pajero Evolution auf den dritten Platz der Gesamtwertung zurück. Der Japaner verlor rund 94 Minuten, weil sich der erste Gang nicht mehr einlegen ließ. „Das war in den vielen langsamen Passagen ein echtes Problem“, berichtete der Dakarsieger der beiden Vorjahre. „Bis morgen dürfte aber wieder alles okay sein.“
Mit einer exzellenten fahrerischen Leistung stellte Volkswagen Werkspilotin Jutta Kleinschmidt eindrucksvoll das Potenzial des in der Rekordzeit von sieben Monaten entwickelten Race-Touareg unter Beweis, der bei der Dakar seine Wettbewerbspremiere feiert. „Ich bin sehr glücklich. Dieser zweite Platz tut gut und zeigt, was im Race-Touareg und in uns steckt“, so Kleinschmidt. „Danke auch an Fabrizia für die perfekte Navigation heute. Lediglich ein Reifenschaden hat uns kurz vor dem Ziel ein wenig Zeit gekostet.“ Im zweiten Race-Touareg erreichten Bruno Saby/Matthew Stevenson das Ziel in Tidjikja/Mauretanien als Zehnte und verbesserten sich auf den neunten Gesamtrang.
Jutta Kleinschmidt wird die Rallye Dakar fortsetzen, nachdem Volkswagen gegen den von den Sportkommissaren ausgesprochenen Ausschluss Berufung eingelegt hat. Nach dem Wasserschaden am Dienstag, als der Motor während einer unerwartet tiefen Flussdurchfahrt Wasser geschluckt hatte, konnten die Mechaniker das Triebwerk in kürzester Zeit wieder in Stand setzen, sodass Jutta Kleinschmidt gerade noch rechtzeitig den nächtlichen Start der siebten Etappe erreichte. Auf Grund der knappen Zeit wurden einige Komponenten komplett ausgetauscht, darunter auch der mit einer Plombe markierte Motorblock. Hierüber wurden die Technischen Kommissare sofort informiert, zudem wurde der Vorgang umgehend schriftlich dokumentiert. Eine Neuverplombung fand erst am Donnerstagabend statt.
Auch der Allradler von Andrea Mayer musste den außergewöhnlichen Belastungen Tribut zollen. „Wir haben nach etwa 80 Kilometern ein Schlagloch erwischt, dabei brach die Federbeinaufnahme vorne links aus ihrer Halterung“, berichtete die 36 Jahre alte Allgäuerin aus Hiemenhofen. Copilot Andreas Schulz, ein ausgebildeter Kfz-Meister, fixierte das Bauteil notdürftig mit einem Spanngurt. „Danach hatten wir vorne links keinen Federweg mehr und haben uns daher in den Dünen gleich mehrfach eingegraben.“ Mit einem bravourösen Kraftakt erreichte das deutsche Werksteam das Etappenziel mit nur 2:11.05 Stunden Rückstand und war trotz des massiven Handicaps nur 46 Minuten von den Top 10 entfernt. In der Gesamtwertung liegen Mayer/Schulz auf Platz sieben, 14 Sekunden hinter Dominique Housieaux im Mitsubishi Pajero des Ralliart-Kundenteams.
Da die achte Etappe eine von zwei so genannten „Marathon-Prüfungen“ war, steht den Piloten am Abend nicht die sonst übliche Hilfe der Service-Crew zur Verfügung. Der Tross der Helfer ist auf direktem Weg in den morgigen Zielort Néma gefahren. Die Teams müssen sich selbst um alle anfallenden Arbeiten kümmern und ihre Autos so gut wie möglich auf eine weitere Herausforderung vorbereiten: Am neunten Rallye-Tag erwartet die Teilnehmer die mit 736 Kilometern längste Wertungsprüfung.