Überquerte auf dem engen Stadtkurs als Erster die Ziellinie: Lapierre
Um 9.22 Uhr war alles vorbei. Die beiden einzigen Deutschen im Starterfeld des 50. Jubiläumsrennens in Macau lagen in der berüchtigten San Francisco Kurve. „Wenn sich zwei am Kurveneingang berühren, kann es am Kurvenausgang nicht mehr gut gehen,“ resümierte ein sichtlich deprimierter Pierre Kaffer. Die kargen Worte des Rheinländers brachten sein Rennen auf den Punkt: Start okay, erste Kurve gut, vor der zweiten Ecke die Berührung mit dem Italiener Paolo Montin, dann der Abflug in die Leitplanke und der Auslöser für den Crash vom Portugiesen Alvaro Parente und seinem deutschen Landsmann Nico Rosberg. Der Sohn des berühmten Vaters Keke überschlug sich sogar und krabbelte mit Kaffers Hilfe unverletzt aus dem Cockpit. Kaffer: „Alles was zählt, ist, dass dem Nico nichts passiert ist.“
Soweit, so gut. Doch der 50. Macau Grand Prix war damit für die beiden Deutschen gelaufen, ehe er richtig begonnen hatte. Denn das erste 10-Runden-Rennen am frühen Sonntagmorgen entschied lediglich die Startaufstellung des über 15 Runden führenden Hauptrennens am Nachmittag. Dieses ging James Courtney (Dallara Toyota-Tom’s) aus der Pole Position an. Der Australier hatte bereits den größten Teil der Trainingssitzungen beherrscht und lediglich im Abschlusstraining den besten Startplatz an den Brasilianer Fabio Carbone (Dallara Renault-Sodemo) verloren. In der sechsten Runde schob sich Courtney am bis dahin führenden Franzosen Nicolas Lapierre (Dallara Renault-Sodemo) vorbei, um sich als Japanischer Formel-3-Champion die beste Ausgangsposition für das Hauptrennen zu sichern.
Carbone kam hinter Lapierre und dem Amerikaner Richard Antinucci (Dallara Renault-Sodemo) nur auf den vierten Platz. Eine Berührung mit dem Champion der Formel-3-Euroserie Ryan Brisco (Dallara Opel-Spiess) war Schuld. Dieser verlor bei seinem Macau-Debüt auf dem 15. Platz des Vorlaufs alle Hoffungen auf ein achtbares Resultat im eigentlichen Grand Prix.
Das hatte der gleichnamige Junior des einstigen Formel-1-Champions Nelson Piquet bereits vor dem Start vergeigt: Schon in der Einführungsrunde war dem Drittplatzierten der Britischen Formel-3-Meisterschaft ein fragwürdiges Kunststück gelungen: beim Aufwärmen der Reifen schlug Piquet ein und strandete anschließend in der Box.
Der Inder Narain Karthikeyan lag zu diesem Zeitpunkt noch im Bett. Mit einer Grippe war der Pilot aus der Nissan World Series als Mitfavorit zu seinem fünften Macau-Auftritt gereist: „Ich musste hier für meinen Sponsor noch mal in der Formel 3 antreten, weil das Rennen in Indien live im Fernsehen läuft.“ Kathikeyan kam im Training lediglich auf Platz 17 und verzichtete am Sonntag auf den Start.
Neun Runden länger dauerte die Hoffnung des einzigen Niederländers im Feld: Robert Doornbos (Dallara Opel-Spiess), früherer Tennis-Profi und nun Neuntplatzierter der Formel-3-Euroserie schied auf Platz fünf liegend mit abgerissener Antriebswelle aus, um noch auf Platz 14 gewertet zu werden.
Vom turbulenten ersten Lauf und dem Ausfall der schnellen Viererbande Montin, Kaffer, Rosberg und Parente profitierten der Brite Lewis Hamilton (Dallara Mugen-Honda) und der Pole Robert Kubick (Dallara Opel-Spiess) am meisten. Hamilton kam von Startplatz 18 auf Rang fünf, Kubica aus der 14. Position auf Rang sechs.
Was Nelson Piquet in der Einführungsrunde des Vorlaufs hinbekam, schaffte Hiroki Yoshimoto auf dem Weg zur Startaufstellung des 50. Macau Grand Prix: der Japaner pfefferte den Dallara Opel-Spiess des Swiss Racing Teams in die Leitplanken – Startplatz 13 verschenkt.
Viel besser machte es James Courtney – allerdings nur bis zur elften Runde. Dann fabrizierte er in Führung liegend den Kardinalfehler und verbog sich ausgangs der Melco-Haarnadelkurve die linke Vorderradaufhängung. Somit war der Weg für Nicolas Lapierre frei. Der 19-jährige Franzose hatte von Beginn an mächtigen Druck auf Courtney ausgelöst, musste allerdings gegen Rennmitte zurückstecken und Courtney ziehen lassen. Bereits in Pau hatte Lapierre die Pole Position geholt und damit seine Vorliebe für Stadtkurse deutlich gemacht. „Als Neuling hier zu gewinnen, ist unglaublich – es ist sogar mein erster Formel-3-Sieg. Ich hätte Courtney allerdings nicht schlagen können.“
Fabio Carbone hatte eine Zitterpartie zu durchstehen, da er um seinen zweiten Platz fürchten musste: Der Brasilianer hatte am Ende einer Safety-Car-Phase Lewis Hamilton (Dallara Honda-Mugen) auf Platz drei liegend noch vor dem Zielstrich und damit unter gelber Flagge überholt. Die Drive Through-Anweisung drei Runden später missachtete der 23-jährige Carbone zu Recht, denn Hamilton hatte vorher seinen Arm gehoben und ein Problem angezeigt. So kam der Japaner Katsuyuki Hiranaka (Dallara Opel-Spiess) nur auf den dritten Podestplatz. Um Haaresbreite rettet Ronnie Quintarelli (Dallara Opel-Spiess) noch den vierten Platz – ein Riesenerfolg für JB Motorsport, dem Meisterteam aus dem RECARO Formel-3-Cup.
Auslöser für den Einsatz des Safety-Cars war Robert Kubica (Dallara Opel-Spiess). Der Pole crashte in der San Francisco-Kurve und löste damit auch die Abflüge der ihm Folgenden Richard Antinucci und Andrew Thomson (beide Dallara Renault-Sodemo) aus.
Als bester Deutscher kam Pierre Kaffer nach seinem Pech im Vorlauf sogar noch auf dem fünften Platz ins Ziel - nur um Zentimeter und knappe fünf Hundertstel hinter Quintarelli. „Ich war im ersten und dritten Sektor der Schnellste“, strahlte der 27-Jährige, „und hätte fast noch Platz vier erreicht. Nicht so schlecht, vom 25. Startplatz aus.“ Mehr Pech hatte Nico Rosberg, der wie Courtney ausgangs der Melco in die Mauer rutschte. Auch ohne zählbares Ergebnis kann man sein Abschneiden in Macau wesentlich höher werten, als das von Nelson Piquet, der zwar den achten Platz belegen konnte, diesen aber mehr durch Ausfälle als durch gute Überholmanöver erbte.
Wie Kaffer, wurde auch Piquet nicht gewertet, da ein Resultat im Hauptrennen unbedingt voraussetzt, dass man im Vorlauf mit der vorgegebenen Rundenanzahl ins Ziel kommt. Eine Regelung, die niemand versteht, da für die Ausfallopfer vom Vormittag ein Start am Nachmittag damit völlig unsinnig ist, da sowieso keine Wertung erfolgt. Einer der Pechvögel war auch der Niederländer Robert Doornbos, der in der zwölften von 15 Runden auf dem beachtlichen dritten Platz mit Getriebeproblemen ausrollte.