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2003-11-15 13:00:15 - du
WRC: „Hollywood“ sorgt für Unterbrechung von Pokalfinale

Solberg wollte nach seinem Triumph die ganze Welt umarmen
Es geschah am helllichten Sonntagnachmittag gegen 14:45 Uhr Ortszeit: Das norwegische Fußball-Pokalfinale zwischen Rosenborg Trondheim und Bodø / Glimt war in vollem Gange, als „Hollywood“ für eine unerwartete Unterbrechung sorgte. Nein, nicht Steven Spielberg und eine seiner „Oskar“-verdächtigen Verfilmungen waren die Ursache, sondern, heilig´s Blechle, Petter „Hollywood“ Solberg, der soeben die Wales Rally of Great Britain als Sieger und somit auch als neuer Weltmeister beendet hatte. Um eben diese Neuigkeiten aus dem walisischen Margam Park zu verkünden, wurde das Pokalfinale kurzerhand unterbrochen.

Währenddessen in Wales: Ein überglücklicher Petter Solberg springt aus seinem Subaru Impreza, hüpft wie ein Gummiball über den englischen, pardon walisischen, Rasen, versucht, tatsächlich alle anwesenden Fans zu umarmen. Genau ein Jahr ist es her, dass er seinen ersten Rallye-WM-Lauf gewann und nun steht er ganz oben. Es ist das, wovon er schon als kleiner Junge geträumt hat.

Und Motorsportbegeisterung hat er sozusagen mit der Muttermilch aufsogen: Seine Eltern waren beide begeisterte Rallyecross-Piloten und bereits im Alter von acht Jahren saß Petter selbst hinter dem Steuer. Das war natürlich auf der Farm seiner Eltern in der Nähe von Oslo. Mit elf half er seinen Eltern bei Aufbau und Wartung der Rallyecross-Fahrzeuge. Und weil er zur Teilnahme an Wettbewerben noch deutlich zu jung war, spezialisierte sich Petter auf funkferngesteuerte Flitzer und wurde mit 13 norwegischer Meister.

Die eigentliche Motorsportkarriere begann am Tag nach seiner Führerscheinprüfung: Bis dahin hatte er zwar schon ein paar Überschläge hinter sich, allesamt im VW Käfer und bei „Fahrversuchen“ auf der Farm seiner Eltern, doch Ende des Jahres 1992 konnte er endlich an seiner ersten Autocross-Veranstaltung teilnehmen. Dann kam die Winterpause. Nachdem diese überstanden war, fuhr Petter im zweiten Rennen seines Lebens den ersten Sieg heim! Schnell entwickelte er sich weiter und wechselte vom Autocross zum Rallyecross, später startete er dann mit einem Ford Escort Mk2 bei Bergrennen.

Dieses Auto hatte ihm sein älterer Bruder Henning überlassen. Von Henning kam auch der Volvo 240, mit dem Petter 1995 Rallyecross und Bergrennen fuhr und in beiden Kategorien norwegischer Meister wurde. 1996 konnte er diese Erfolge wiederholen. Bemerkenswert ist sicher, dass er 19 von 21 gefahrenen Veranstaltungen als Sieger beendete!

Petters erstes Rallyeauto war eine Toyota Celica ST165, natürlich von Henning. Leider opferte er diese Celica gleich bei seinem Rallyedebüt. So mußte ein neues Wettbewerbsfahrzeug her und wurde gefunden in einer Celica ST185, die ehemals von Thomas Radström um die Ecken gedriftet wurde. 1997 wurde Petter mit dieser Celica nicht nur wieder einmal norwegischer Bergmeister, sondern beendete auch die Rallyesaison in Norwegen auf dem fünften Rang.

Das Jahr 1998 brachte neben dem erhofften Sieg in der norwegischen Rallyemeisterschaft auch das Debüt in der Rallye-WM, die Zielrampe im schwedischen Nachbarstaat sah er als Gesamt-Vierzehnter. Sein neuer Beifahrer im Ford Escort WRC war der routinierte Waliser Phil Mills. Nun war die Zeit gekommen zu der auch die Welt außerhalb Skandinaviens auf den strahlenden Blondschopf aufmerksam wurde. Als dann Thomas Radström ausfiel, nahm Petter im Cockpit des Focus WRC Platz und belegte auf Anhieb Rang fünf bei der Safari Rallye. Auch in Portugal und in Großbritannien ersetzte er Radström und fuhr einen elften und einen neunten Platz heim.

Petter und Phil blieben zunächst bei Ford und hatten einerseits beachtliche Erfolge, so Platz fünf bei der Safari, Platz sechs in Argentinien und Rang vier bei ihrem Neuseeland-Debüt. Andererseits trübten einige „standesgemäße“ Ausfälle das Verhältnis zu Teamchef Malcolm Wilson, so etwa der Unfall in Finnland, bei dem Petter genügend Kaminholz für einen ganzen Winter „produzierte“.

Subarus David Lapworth hatte schon damals erkannt, welches Potential in dem Norweger steckt und ihn im August 2000 von Ford abgeworben. Das Jahr 2001 verbrachte Petter ein wenig im Schatten seines Teamkollegen Richard Burns, der in diesem Jahr Weltmeister wurde. „Altmeister“ Tommi Mäkinen stieß Anfang 2002 zu Subaru. Unter den beiden Nordländern entwickelte sich mehr als nur eine Männerfreundschaft, Tommi hatte für Petter auch immer ein paar gute Tipps auf Lager. So strahlte der Norweger auch nach dem RAC-Sieg: „Dass ich da bin, wo ich jetzt stehe, habe ich zu einem großen Teil Tommi zu verdanken. Ihm möchte ich auch meinen Sieg hier in Wales widmen.“

Zum allerersten Mal steht er nun also ganz oben. Selbst der norwegische König Harald V. hat Petter bereits ein Glückwunschschreiben geschickt. Ganz zu schweigen von den vielen Fans in seinem Heimatland. Sie werden ihn feiern zu Hause in Spydeberg, unweit von Oslo. Dort ist „Hollywood“ zu Hause, wenn er nicht gerade durch die Weltgeschichte driftet. Dort lebt er gemeinsam mit Frau Pernilla, selbst Rallyepilotin und Tochter der schwedischen Drift-Ikone Stig-Olov Walfridsson, und dem dreijährigen Sohn Oliver. Und damit die Fans beim Feiern nicht aus der Übung kommen: In der nächsten Woche, genau am 18., wird Petter 29 Jahre alt.

Ach ja, falls es noch jemanden interessiert: Rosenborg Trondheim gewann das norwegische Pokalfinale mit 2:1 gegen Bodø / Glimt…


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