Die Ausgangslage vor den beiden Finalrennen der Tourenwagen-Europameisterschaft in Monza hätte spannender nicht sein können. Punktgleich reisten Alfa Romeo-Pilot Gabriele Tarquini und BMW-Spitzenmann Jörg Müller an. Und die beiden Rennen hielten, was der Tabellenstand versprach. Aus den zwei dramatischen Durchgängen gingen die beiden Titelanwärter mit nur einem Punkt Differenz hervor, mit dem glücklicheren Ende für Gabriele Tarquini.
Der hatte im ersten Durchgang tatsächlich Glück im Unglück. Im Zeittraining setzte er gleich zu Beginn seinen Alfa Romeo 156 GTA ins Kiesbett und blieb so ohne Zeit. Während der Italiener das Rennen also vom letzten Startplatz aus in Angriff nehmen musste, schaffte sich Jörg Müller mit seiner zweiten Pole Position der Saison die beste Ausgangsposition. Im ersten Rennen drehten sich die Vorzeichen. Gabriele Tarquini stürmte auf die vierte Position vor, während Jörg Müller mit einem schleichenden Plattfuß auf die elfte Stelle zurückfiel. Für viel Diskussion sorgte ein Manöver zwischen Alfa Romeo-Pilot Roberto Colciago und BMW-Mann Dirk Müller. Unsanft beförderte der Italiener seinen deutschen Widersacher von der Strecke. Während für das Opfer damit beide Rennen gelaufen waren, fuhr Colciago als Erster über die Ziellinie. Doch den Sieg bekam er nicht zugesprochen „ die Sportrichter disqualifizierten ihn nachträglich. Alfa-Gaststarter James Thompson gewann.
Das zweite Rennen wurde zu einem echten Showdown. Von Startplatz elf aus preschte Jörg Müller an sämtlichen Gegnern, darunter auch Gabriele Tarquini, mit sehenswerten Manövern vorbei und bekam dabei kräftige Schützenhilfe von BMW-Markenkollegen Tom Coronel. Der Niederländer hielt Gabriele Tarquini in Schach, der wiederum bei den zahlreichen Windschatten-Kämpfen gegenüber BMW-Pilot Fabrizio Giovanardi die Oberhand behielt. „Heute hatte ich das nötige Glück“, jubelte Tarquini nach dem knappen Titelgewinn. „Der Kampf mit Jörg Müller hat jede Menge Spaß gemacht.“ Der pßichtete seinem Gegner bei: „Ich wäre hier gerne Meister geworden. Ein bisschen bin ich enttäuscht, aber wir hatten ohnehin nicht angenommen, auf dieser absoluten Alfa-Rennstrecke konkurrenzfähig zu sein“, so die Bilanz des Hückelhoveners. „Der Kampf mit Gabriele war fair und spannend. Ich hoffe, dass wir ihn nächste Saison fortsetzten können. Dann allerdings möchte ich gewinnen.“
Tourenwagen-EM: Alex Zanardi beim Comeback in den Punkten
Alex Zanardi hat beim Saisonfinale der Tourenwagen-Europameisterschaft sein viel beachtetes Comeback gegeben. Der Italiener, der vor zwei Jahren bei einem schweren ChampCar-Unfall auf dem EuroSpeedway Lausitz beide Beine verloren hatte, fuhr mit einem eigens für seine Behinderung umgebauten BMW des Teams von Ravaglia Motorsport die letzten beiden Saisonrennen auf dem ultraschnellen Kurs im Norden Italiens. Beim ersten Durchgang wurde der zweifache ChampCar-Titelträger und ehemalige Formel 1-Pilot unverschuldet in einer Startkarambolage in der ersten Schikane verwickelt, im zweiten arbeitete er sich von ganz hinten auf den siebten Platz nach vorne und erntete so zwei EM-Zähler.
Sein Fahrzeug wurde auf eine Anlage des italienischen Herstellers Fadiel mit Handgas und Handkupplung umgebaut. „Das System ließe sich sicher noch verbessern, aber für das Rennen war es ein guter Kompromiss aus Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit“, so Zanardi, der bei seinem ersten Start seit 2001 hohen Besuch von Indy Racing League-Star Tony Kanaan und Champ Car-Pilot Jimmy Vasser bekam. Bereits im Zeittraining hatte Zanardi beeindruckt. Er stellte seinen BMW 320i in die sechste Startreihe auf Rang elf.