Mit Siegen des deutschen BMW-Werkspiloten Jörg Müller und seines britischen Markenkollegen Andy Priaulx endeten am Sonntag vor 25.000 Zuschauern die beiden spektakulären Rennen zur FIA Tourenwagen-Europameisterschaft im Motopark Oschersleben.
Bei seinem deutschen Heimspiel gewann Jörg Müller mit einem BMW 320i des Schnitzer-Teams den ersten Lauf nach 14 Runden mit einem Vorsprung von 0,712 Sekunden vor Alfa Romeo-Pilot Gabriele Tarquini und Priaulx (1,052 Sekunden zurück). Beim zweiten Rennen, bei dem die ersten Acht in umgekehrter Reihenfolge starteten, setzte sich Priaulx vor dem Spanier Antonio Garcia (0,535 Sekunden zurück) durch. Müller verteidige seine Tabellenführung mit einem hart erkämpften vierten Platz.
Für die größte Überraschung sorgte der Pforzheimer Frank Diefenbacher, der mit seinem sensationellen dritten Platz der Marke Seat den ersten Podiumsplatz in der Europameisterschaft bescherte. Bereits im ersten Rennen hatte Diefenbacher mit Rang sechs eine starke Leistung gezeigt und sich eine gute Ausgangsposition für den zweiten Durchgang gesichert. "Ich hätte niemals von so einem Ergebnis zu träumen gewagt. Das ist unglaublich! Aber mein Auto war heute einfach perfekt", freute sich Diefenbacher.
Einen herben Rückschlag im Kampf um die Meisterschaft musste hingegen Jörg Müllers Teamkollege und Namensvetter Dirk Müller einstecken. Nach einem Ausritt ins Kiesbett kam Dirk Müller im ersten Lauf nicht über den neunten Platz hinaus. Im zweiten Rennen kollidierte der Deutsche ausgerechnet mit seinem Markenkollegen Fabrizio Giovanardi und gab anschließend in den Boxen auf. "Ich wollte aufgrund meiner schlechten achten Startposition und dem verkorksten Training alles geben und habe es übertrieben. Ich bin sehr enttäuscht", sagte Dirk Müller.
Nicht viel besser erging es auch Titelaspirant Nicola Larini im Alfa Romeo 156 GTA: Der Italiener fiel im ersten Lauf in der letzten Runde wegen eines technischen Defekts aus und konnte im zweiten Rennen mit Platz acht nur einen Punkt ergattern.
Unter keinem guten Stern stand das Debüt der beiden Deutschen Sebastian Stahl und Reinhard Huber, die in Oschersleben erstmals EM-Luft schnupperten. Stahl, "Stiefbruder" von Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher, musste einen Tag nach seinem 25. Geburtstag im ersten Lauf nach fünf Runden wegen eines technischen Defekts die Segel streichen und konnte zum zweiten Durchgang nicht mehr starten. "Nach einem guten Start habe ich mich stetig gesteigert. Nach einem Abstecher durch die Wiese drehte der Motor jedoch nur noch bis 2800 Touren. Damit war das Rennen für mich beendet", sagte Stahl.
Nicht viel besser erging es Huber. Zwei Runden vor Schluss des ersten Laufes blieb auch der Bayer nicht von Problemen verschont. "Nach einem Ausrutscher ins Kiesbett ist der Wagen an einer Welle im Rasen hängen geblieben. Die Motorhalter waren verschoben. Wir sind auf Nummer sicher gegangen und haben lieber aufgehört", sagte Huber.
Noch fünf Piloten können sich vor den letzten vier Rennen in Estoril und Monza Hoffnungen auf den Titelgewinn machen. Jörg Müller führt mit 87 Punkten vor Priaulx (82), Tarquini (76) und Larini (71). Dirk Müller (64) hat nach seiner Nullnummer nur noch geringe Chancen auf den Meisterschaftsgewinn.
"Der Titelkampf ist weiter offen", so Tabellenführer Jörg Müller. "Ich war im ersten Rennen nicht der Schnellste, aber der Konstanteste und habe von den Zweikämpfen hinter mir profitiert. Im zweiten Rennen gab es viele Zweikämpfe, vor allem mit den Roten, aber die waren stets fair. In diesem harten Titelkampf darf man keine Geschenke erwarten."