Gametest: Geschwindigkeitsrausch im Nudeltopf
Nach dem großen Erfolg von DTM Race Driver schickt Codemasters IndyCar Series das nächste Highlight dieses Genres ins Rennen. Mit offizieller Lizenz der Indy Racing League und dem darin enthaltenen legendären Indy 500 geht der Spieler auf 14 Originalstrecken bei 15 Veranstaltungen mit einem von 27 Boliden auf der Playstation 2 an den Start.
Im Gegensatz zu den meisten bekannten Rennspielen findet IndyCar Series ausschließlich auf Oval-Kursen statt. Dies erfordert vom Spieler nicht nur eine gute Konzentration im Kampf mit den Gegnern, sondern auch eine gute Portion Verständnis für die Fahrphysik. Hier hilft die so genannte „Meisterklasse“, ein Tutorial unter der Leitung von Indy 500-Sieger Eddie Cheever Jr.. Schrittweise wird man an die technischen Feinheiten der Rennboliden herangeführt und der sportliche Modus der IndyCar-Rennen wird bis ins kleinste Detail erläutert. Nach der Theorie folgt jeweils eine praktische Übung, die es zu meistern gilt.
Ob im Einzelrennen oder dem Meisterschaftsmodus, die unterschiedlichen Charakteristika der einzelnen Oval-Kurse erfordern ein intensives Training - ohne umfassende Streckenkenntnisse geht fast gar nichts. Im freien Training stellt man schnell fest, wie genau die Realität umgesetzt wurde. Eine Anzeige am unteren Bildschirmrand informiert über die Temperatur der Reifen und weitere technische Details. Mit steigender Rundenzahl erhitzen sich die Reifen und werden dabei spürbar griffiger. Dies macht sich dann auch schnell in der Durchschnittsgeschwindigkeit bemerkbar.
Viele Konsolenspiele schwächeln gerade im Bereich der Einstellmöglichkeiten am Fahrzeug. Nicht alles, was sich Simulation nennt, trägt diesen Titel bei näherer Betrachtung zu Recht. IndyCar Series sticht aus dieser Masse positiv hervor. Umfassende Details können im Setup verändert werden, um das Fahrverhalten seinen persönlichen Vorlieben anzupassen. Man sollte jedoch einen nicht unerheblichen Zeitaufwand einplanen, um zum Erfolg zu kommen - allen anderen empfiehlt sich der Arcade-Modus.
Wie es sich für eine zünftige Oval-Rennerei gehört, startet das Feld fliegend. Bereits in der Einführungsrunde ist der Spieler Herr über sein Fahrzeug und kann so schon durch ein gekonntes Manöver beim Start Positionen gut machen. Man sollte aber tunlichst die Regeln einhalten, denn Vergehen werden umgehend mit der schwarzen Flagge bestraft und ein unplanmäßiger Boxenstopp wird unumgänglich. Dies gilt beispielsweise auch für Safetycar-Phasen.
Die Rennen selbst sind eine Sache für sich. Je nach Schwierigkeitsgrad sind diese geprägt von knallharten Zweikämpfen. Neben dem Kampf Mann gegen Mann kommt es in erster Linie auf die Disziplin des Spielers an. Die wahnsinnige Geschwindigkeit, mit der der „Ritt auf der Kanonenkugel“ bestritten wird, relativiert sich mit zunehmender Zeit. Es tritt ein Gewöhnungseffekt ein, der vom Spieler sehr viel Disziplin fordert. Die meisten Rennstrecken erlauben keine Sekunde der Entspannung - zu jedem Zeitpunkt ist volle Konzentration gefragt, wenn man erfolgreich vorne mitmischen möchte. Selbst eine Vierteldistanz zieht sich für ein Computerspiel ungewöhnlich lang und gerade bei Spielern, die auf das Standardmäßige Sony Gamepad setzen ist auch physisches Durchhaltevermögen von Nutzen. Sobald die Hände einschlafen, ist es vorbei mit dem Rennspeed.
IndyCar Series ist eine hervorragende Simulation einer faszinierenden Rennserie. Die Grafik ist zeitgemäß, die Steuerung realistisch und die Boliden reagieren sehr präzise auf Lenkbewegungen. Langeweile ist für IndyCar Series ein Fremdwort - jedem Konsolen-Racer steht eine Menge Spielspaß bevor.