„Die Prüfungen in den Weinbergen sind alles andere als einfach zu fahren“, so Schwarz
Mit großem Optimismus in die zweite Saisonhälfte: Vor eigenem Publikum möchte Hyundai-Werkspilot Armin Schwarz die Trendwende, die er mit seinem siebten Rang auf Zypern eingeläutet hat, am kommenden Wochenende bei der Rallye Deutschland bestätigen. Egal ob in den Weinbergen entlang der Mosel, auf dem Truppenübungsgelände Baumholder oder auf den schnellen Prüfungen im Saarland: Gemeinsam mit Beifahrer Manfred Hiemer will der 40-jährige Franke seine besonderen Streckenkenntnisse bei diesem ungewöhnlichen WM-Lauf zu seinem Vorteil nutzen. Neben Freddy Loix/Sven Smeets geht in Trier auch der Österreicher Manfred Stohl am Steuer eines Werks-Accent WRC3 an den Start.
Die knüppelharten Schotter-Pisten liegen in dieser Saison hinter dem Hyundai-Werksteam: Vier der sieben noch ausstehenden Saisonläufe zählen zu den klassischen Asphalt-Rallies. Im Gegensatz zu den klassischen Straßen-Veranstaltungen in Italien, auf Korsika und in Spanien – die in diesem Jahr allesamt im Oktober stattfinden – genießt die Rallye Deutschland jedoch einen Ausnahmestatus: Die Wertungsprüfungen auf den schmalen, verwinkelten Wirtschaftswegen in den Mosel-Weinbergen, die schnellen und mit rhythmischen Kurvenkombinationen gespickten Saarland-Straßen sowie die Betonpisten des Militärgeländes Baumholder besitzen alles andere als einen einheitlichen Charakter, sondern weisen sehr unterschiedliche Anforderungen auf.
„Die Rallye hat sich im Vergleich zum Vorjahr stark verändert“, stellt Manfred Hiemer fest, der erfahrene Beifahrer von Armin Schwarz. „2002 konzentrierte sich jede einzelne Etappe auf eine dieser Regionen. Nun fahren wir an ein und dem selben Tag in den Weinbergen, auf Baumholder und im St.-Wendeler-Land. Dies bedeutet insbesondere für unsere Mechaniker im Service-Park mehr Arbeit, das sie unseren Accent WRC3 jedesmal auf die neuen Bedingungen abstimmen müssen.“
„Die Prüfungen in den Weinbergen sind alles andere als einfach zu fahren“, pflichtet Armin Schwarz bei. „Du weisst nie, welche Bedingungen dich dort erwarten. Sind die Straßen zum Beispiel stark verschmutzt, dann findest du nicht viel Grip.“ Sein Copilot kennt noch einen weiteren, für diese Strecken typischen Effekt: „Die Wege dort wirken so schmal und langsam, in Wahrheit aber sind wir dort teilweise unheimlich schnell unterwegs. Es geht pausenlos hin und her, nur unterbrochen von zumeist sehr engen Spitzkehren. Da die Fahrer nie sehr weit nach vorne blicken können, stellt sich so etwas wie ein Tunnelblick-Effekt ein. Zudem kann der Asphalt dort sehr rutschig sein, ganz gleich, ob im Nassen oder bei Trockenheit.“
Als ein Fall für Spezialisten genießen auch die vergleichsweise rauen Pisten in Baumholder einen besonderen Ruf. „Auch dort können die Wege sehr verschmutzt sein, da der Boden links und rechts der Betonpfade sehr tonhaltig ist. Entweder es ist dort staubig oder aber – wenn es regnet – sehr glatt“, so Schwarz, der kurz vor dem Heimspiel seinen 40. Geburtstag feiern durfte. Manfred Hiemer präzisiert: „Auf diesen Prüfungen spielt auch der Reifenverschleiß eine große Rolle. So müssen wir zum Beispiel mit den WP 10 und 11 sowie 12 und 13 mehr als 50 Kilometer mit einem Satz Michelin-Pneus zurücklegen. Zudem weisen die Betonstraßen feine, gut einen halben Zentimeter hohe Rillen auf, die sich als wahre Reifen-Fresser betätigten können. Da diese Rallye zudem als Asphalt-Veranstaltung gilt, dürfen wir in Baumholder – anders als früher in der deutschen Meisterschaft üblich – nicht auf Schotter-Reifen zurückgreifen.“
Auch die Saarland-Passagen besitzen einen eigenen Charakter. „Sehr, sehr schnell und mit weniger Kurven, da sie durch eine etwas offenere Landschaft führen“, erläutert der Rallye-Copilot. Freddy Loix, der belgische Werksfahrer von Hyundai, freut sich bereits auf diese Strecken: „Sie erinnern mich – ebenso wie die Wege in den Weinbergen – an die Prüfungen der Rallye Ypern in meiner Heimat. Sie verlangen nach einem ganz speziellen Fahrstil: Wer hier flott sein will, muss spät bremsen können und darf in den engen Kehren und Abzweigen keine Zeit liegen lassen“, so der 32-Jährige. „Baumholder ist für mich noch Neuland. Manfred hat mir die Bedingungen dort als Asphalt-Safari beschrieben – ich glaube, dies trifft es ganz gut.“
Für Armin Schwarz gibt es keinen Grund, bei der Rallye Deutschland an ein Resultat in den WM-Punkten zu zweifeln: „Im vergangenen Jahr haben wir auf der ersten Etappe bewiesen, dass wir auf diesen Strecken absolut konkurrenzfähig sind“, so der Europameister von 1996, der nach einem heftigen Unfall zu Beginn des zweiten Tages vorzeitig aufgeben musste.