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F1: Barrichello gewinnt das Rennen seines Lebens

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Barrichello bewies, dass Überholen auch in der heutigen F1 möglich ist |
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| Alles andere als bedächtig gab sich der „älteste“ Grand Prix der Formel 1-Geschichte: Auf dem Traditionskurs von Silverstone wirbelten zwei Safety-Car-Phasen das Feld des britischen GP früh durcheinander. Was den Spitzenfahrern einiges an zusätzlicher Sonntagsarbeit einbrockte, war für die Fans ein gefundenes Fressen. Überholmanöver in jedem Teil des Feldes und zahllose Duelle zwischen den Großen und vermeintlich Kleinen der Formel 1 resultierten schließlich im ersten Saisonsieg des Ferrari-Fahres Rubens Barrichello. Neben dem Brasilianer bestiegen Juan Pablo Montoya (BMW WilliamsF1) und Kimi Räikkönen das Podium. Der McLaren-Mercedes-Star konnte damit den Abstand zu WM-Leader Michael Schumacher auf sieben Punkte verkürzen.
Die achte Pole Position seiner Karriere, der erste Saisonsieg - auf dem Papier sieht die Bilanz von Rubens Barrichello beim Großen Preis von Großbritannien nach einer eindeutigen Sache aus. Doch zwischen den beiden Erfolgen am gleichen Wochenende lag für den Ferrari-Pilot jede Menge Kampf und Überholarbeit. „Das war das aufregendste Rennen der Saison. Ich wusste, dass ich heute ein schnelles Auto hatte, habe aber am Start zwei Plätze verloren“, so der Brasilianer.
Duplizität der Ereignisse: Seinen ersten Grand Prix hatte Rubens Barrichello in Hockenheim 2000 auch deshalb gewonnen, weil ein Demonstrant auf der Strecke eine Safety-Car-Phase auslöste. In Silverstone mussten die Streckenposten erneut einen Zuschauer mitten von der Piste holen, nachdem das Safety-Car das Feld eingebremst hatte. Alle Spitzenfahrer nutzten die langsamen Runden hinter dem deutschen FIA-Chauffeur Bernd Mayländer zum Nachtanken. Doch anders als erwartet stand das Klassement nach dem Restart plötzlich geradezu auf dem Kopf: Es führten die beiden Toyota von Cristiano da Matta und Olivier Panis, während die Spitzengruppe sich überwiegend im Mittelfeld wiederfand.
Der Grund des ungewohnten Klassements: Schon wenige Runden zuvor war das Safety-Car ausgerückt, um eine Cockpit-Auskleidung – die David Coulthard verloren hatte – von der Strecke zu räumen. Der McLaren-Mercedes-Pilot musste naturgemäß seine Box ansteuern und einen neuen Nackenschutz ausfassen. Als die zweite Neutralisation erfolgte, hatte der Schotte auf einmal die Lacher auf seiner Seite: Genau wie die beiden Toyota-Asse – die während der ersten Safety-Car-Phase nachgetankt hatten – fand er sich plötzlich mitten im Kampf um die Spitze wieder und lief nach sehenswerten Zweikämpfen letztlich auf Rang fünf ein. Dabei brachte er das Kunststück fertig, seine persönlich schnellste Runde im letzten Umlauf zu markieren, weil er auf die härtere der beiden Michelin-Optionen gesetzt hatte, die im ungewohnt heißen Silverstone eine gleichbleibend hohe Leistungsfähigkeit aufwiesen.
Mit dem entscheidenden Überholmanöver des Rennens überzeugte Rubens Barrichello: Der Brasilianer quetschte sich mit einer sehenswerten Aktion an dem bis dahin Führenden Kimi Räikkönen vorbei. „An Kimi vorbeizugehen, war zwar hart, aber fair“, so Barrichello. „Ich war sehr vorsichtig, weil es auf der Innenbahn sehr eng wurde.“ Nach dem erfolgreichen Manöver war für Barrichello der Weg zum ersten Saisonsieg frei.
Für Räikkönen kam es noch dicker: Kurz nach dem Duell gegen den Brasilianer geriet er erneut neben die Strecke und musste den BMW WilliamsF1-Piloten Juan Pablo Montoya ziehen lassen, der mit dem dritten zweiten Platz in Folge seinen Teamkollegen Ralf Schumacher in der WM-Tabelle überholte. „Das war das aufregendste Rennen der Saison, es hat riesig Spaß gemacht. Ich bin vom 13. auf den zweiten Platz vorgefahren und konnte mit den Ferrari mithalten“, zeigte sich der Kolumbianer im Ziel zufrieden. Die Ambitionen seines deutschen Teamkollegen machte ein abgebrochenes Luftleitblech zunichte, das eine Kühlöffnung verstopfte, so dass der Wahl-Österreicher seinen dritten Boxenhalt vorziehen musste. Durch das ungünstigere Timing verpasste er auf Rang neun schließlich die Punkteränge.
Hinter den beiden Michelin-Piloten auf dem Podium platzierten sich Michael Schumacher im zweiten Ferrari sowie David Coulthard. Beide hatten sich zuvor ebenso erbitterte wie sehenswerte Zweikämpfe mit dem Renault-Piloten Jarno Trulli geliefert. Dieser lag nach seinem sensationellen zweiten Startplatz bis zur zweiten Saftey-Car-Phase locker in Führung und schickte sich an, den Gelb-Blauen bei ihrem zweiten Heimrennen den ersten Sieg seit ihrer Rückkehr zu schenken. Die Neutralisationen aber zerstörten diese Träume nachhaltig. Trulli, der am Samstag seine Gegner noch düpiert hatte, musste Weltmeister Schumacher sowie Coulthard ziehen lassen. Sein Fazit nach Rang sechs: „Zu Beginn des Rennens war das Auto perfekt. Ich weiß nicht recht, ob ich zufrieden oder enttäuscht sein soll.“ Noch ärger traf es Fernando Alonso im zweiten Renault: Der junge Spanier hatte im Gegensatz zu Trulli auf die härtere der beiden Michelin-Reifentypen gesetzt und hielt sich problemlos unter den ersten Fünf, bevor ein technischer Defekt seine erneut starke Fahrt beendete. „Meine Reifenwahl war absolut richtig, das Handling stimmte und ich befand mich in einer guten Position um Punkte zu holen“, räsonnierte Alonso nach seinem Ausfall.
Bei Toyota herrschte dagegen großer Jubel: „Das Gefühl, ein Rennen anzuführen, kenne ich ja eigentlich zur Genüge“, schmunzelte der am Ende siebtplatzierte Cristiano da Matta, „doch in der Formel 1 war es für uns das erste Mal. Wir verbessern uns von Rennen zu Rennen und das war heute das logische Ergebnis.“
Ergebnis Rennen
1. R. Barrichello, Ferrari, 60 Runden
2. J. Montoya, Williams, 0:05.463
3. K. Räikkönen, McLaren, 0:10.656
4. M. Schumacher, Ferrari, 0:25.648
5. D. Coulthard, McLaren, 0:36.827
6. J. Trulli, Renault, 0:43.067
7. C. da Matta, Toyota, 0:45.085
8. J. Button, BAR, 0:45.478
9. R. Schumacher, Williams, 0:58.032
10. J. Villeneuve, BAR, 1:03.569
11. O. Panis, Toyota, 1:05.207
12. H. Frentzen, Sauber, 1:05.564
13. R. Firman, Jordan, +1 Rnd.
14. M. Webber, Jaguar, +1 Rnd.
15. J. Verstappen, Minardi, +2 Rnd.
16. J. Wilson, Minardi, +2 Rnd.
17. N. Heidfeld, Sauber, +2 Rnd.
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