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2002-12-21 23:03:34 - ks
RAID: Tarek – der Weg ist das Ziel

Mit drei Tarek startet Volkswagen in Marseille bei der Dakar
Volkswagen erlebt seine Premiere bei der Rallye Telefónica Dakar am 1. Januar 2003. Mit drei Tarek startet das Werksteam in Marseille bei dem Marathon-Klassiker. Die wohl berühmteste Langstrecken-Rallye der Welt feiert ein Jubiläum - die "Dakar" wird bereits zum 25. Mal ausgetragen. Zur Premiere des Tarek vertraut Volkswagen auf drei starke Cockpit-Besatzungen. Die Deutsche Jutta Kleinschmidt, Dakar-Siegerin 2001, steuert zusammen mit ihrer italienischen Beifahrerin Fabrizia Pons den Tarek mit der Startnummer 203. Der Belgier Stéphane Henrard, Siebter und bester privater Buggy-Pilot der Rallye Dakar 2001, geht zusammen mit seinem irischen Navigator Bobby Willis im Volkswagen mit der Nummer 215 an den Start. Ein rein deutsches Team komplettiert den Debüt-Auftritt aus Wolfsburg: Der dreifache Deutsche Rallye-Meister Dieter Depping aus Wedemark bei Hannover feiert seine Wüsten-Premiere und hört im Buggy mit der Nummer 247 auf die Ansage des versierten Copiloten Walter Bachhuber aus Putzbrunn bei München.

Der aus dem Arabischen stammende Begriff "Tarek" - zu deutsch: der Weg - ist für Volkswagen dabei mehr als nur der Name des Einsatzfahrzeugs. Zu seiner Premiere bei der Rallye Dakar hat das Unternehmen erste Ambitionen definiert, die mit einem speziell darauf zugeschnittenen Fahrzeugkonzept verwirklicht werden sollen. "Die Entscheidung für einen heckangetriebenen Buggy steht für das effizienteste Konzept, das in der Kürze der Zeit seit Projektbeginn bis zur Rallye Dakar verwirklicht werden konnte", erklärt Rudolf-Helmut Strozyk, Leiter von Volkswagen Racing. "Ein Buggy ist eine leichte Rohrrahmen-Konstruktion. Diese robuste und zuverlässige Basis dient als idealer Versuchsträger für unser TDI®-Antriebskonzept. Ebenso ist es die erste Chance für die gesamte Mannschaft, die geografischen Gegebenheiten bei der härtesten Marathon-Veranstaltung der Welt kennen zu lernen. Ein Stück weit also gilt: Nomen est omen, denn bereits der Weg ist für uns das Ziel. Wir sind uns des Risikos eines ersten Einsatzes zu einem so frühen Zeitpunkt des Projekts bewusst. Ich werte es daher als Erfolg, wenn alle drei Autos ihren Weg vollenden und das Ziel in Sharm El Sheikh sehen."

Eingesetzt werden alle drei Volkswagen vom Team des erfahrenen Ex-Profipiloten und vormaligen Volkswagen Werksfahrers Erwin Weber. Der gebürtige Münchner, verantwortlich für Service und Logistik bei der Rallye Dakar, agiert seit 1998 als selbständiger Teamchef. Unter anderem war der Ingenieur für Fahrzeugtechnik im Auftrag der Volkswagen Konzernmarke Seat als Teamchef in den Jahren 2000 und 2001 an den Titelsiegen von Matthias Kahle in der Deutschen Rallye-Meisterschaft beteiligt.

In rekordverdächtiger Zeit hat die von Rudolf-Helmut Strozyk geleitete Mannschaft die Entwicklung des Tarek verwirklicht, ein umfangreiches Testprogramm abgespult und alle drei Prototypen aufgebaut. "Wir haben buchstäblich jede zur Verfügung stehende Minute genutzt. Binnen weniger Monate haben wir das Projekt vom Konzept zum ersten testfähigen Prototypen entwickelt. Jedem einzelnen internen und externen Mitarbeiter habe ich für das überdurchschnittliche Engagement bei dieser internationalen Kooperation zu danken", lobt Strozyk die extremen Anstrengungen. "Neben der Vorbereitung der Einsatzfahrzeuge war unsere Mannschaft auch mit dem Aufbau von seriennahen T1-Servicefahrzeugen auf Basis des Touareg betraut. Dadurch wurden zusätzlich erhebliche Kapazitäten gebunden."

Während der Tarek als Original-Einsatzauto am 28. November auf der Essen Motor Show seine Weltpremiere feierte, arbeitete das in Moncalieri bei Turin ansässige Design-Team von Italdesign - Giugiaro S.P.A. am Aufbau der beiden weiteren Fahrzeuge. "Dabei flossen die Erkenntnisse unserer Tests in Marokko direkt in den Aufbau der beiden weiteren Tarek ein", erklärt der Leiter von Volkswagen Racing. In einem ersten Test in Nordafrika spulten Jutta Kleinschmidt, Stéphane Henrard und Dieter Depping im November insgesamt etwa 3.000 Kilometer mit dem Buggy ab. Bei einer weiteren, kürzeren Erprobung im Dezember hat das Team auf etwa 1.500 Kilometern erfolgreich die effizientere Motorkühlung getestet.

Bei allen Testsessionen erwies sich der nach dem T2-Reglement der Motorsport-Hoheit FIA konzipierte Buggy auf Anhieb als robust, zuverlässig und damit wettbewerbsfähig. Der 1180 Kilogramm leichte Prototyp mit seiner Kohlefaser-Karosserie baut auf einem Rohrrahmen-Chassis aus Stahl auf und wird von einem 160 kW (218 PS) starken 1,9-Liter-Vierzylinder-TDI-Motor von Volkswagen angetrieben. Während die spektakuläre Karosserie und die Chassis-Struktur erst wenige Monate vor der Rallye Dakar realisiert wurden, erlebte das TDI-Aggregat in verschiedenen Varianten bereits seine Feuertaufe im Motorsport. "Die TDI-Technologie ist schon in diversen Einsätzen im Motorsport erprobt worden, unter anderem bei der Rallye Dakar", erklärt Rudolf-Helmut Strozyk.

8.562 Kilometer Gesamtstrecke erwartet die drei orange-rot lackierten Prototypen auf dem Weg von Marseille ins ägyptische Sharm El Sheikh. Nach einer Fahrt durch Spanien setzt der Tross am 4. Januar per Schiff von Valencia nach Tunis über. Drei Etappen in Tunesien über 1.235 Kilometer folgt eine weitere Bewährungsprobe in Libyen. Die fünf Tagesetappen über zusammen 3.143 Kilometer beinhalten neben einer Marathon-Sektion ohne externe Servicefahrzeuge auch einen Wertungstag ohne GPS-Navigationssysteme. Auf den sechs verbleibenden Etappen in Ägypten fahren die Teams 3.264 weitere Kilometer bis ins Ziel nach Sharm El Sheikh. Erstmals seit 1992 besteht damit kein geographischer Bezug mehr zu Dakar - der Hauptstadt des Senegal, die meist als Ziel-, aber auch als Wende- und sogar einmal als Startpunkt der Rallye diente.

Damit steht dem Tarek bei der Marathon-Premiere eine erste harte Bewährungsprobe bevor, bei der Volkswagen zudem auf das Werksaufgebot mehrerer anderer Automobilhersteller und auf weitere konkurrenzfähige Teilnehmer trifft. "Angesichts eines so hochwertigen und auch großen Aufgebots unserer Gegner ist eine Angabe über eine Platzierung im Endergebnis unrealistisch", lautet die Vorgabe von Rudolf-Helmut Strozyk. "Stattdessen wollen wir unseren ersten Einsatz so reibungslos wie möglich absolvieren. Das Projekt ist ein Intensiv-Kurs. Uns steht ein erhebliches Lernpensum bevor - in organisatorischer, technischer und sportlicher Hinsicht. Ich bin mir sicher, mit einer so starken Mannschaft bei der Premiere eine Zielankunft verwirklichen zu können."


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