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2002-12-09 18:58:38 - ks
F1: Michelin erfolgreicher als der Wettbewerb

Nur vier Rennen nach der F1-Rückkehr der erste Sieg für Michelin
Faust auf Faust: Das würde die Wettbewerbslage auf dem Reifensektor in der Formel 1 angesichts des gegenseitigen Respekts der großen Rivalen Michelin und Bridgestone nicht treffend beschreibend. „Kopf an Kopf“ allerdings verläuft der Vergleich der Weltmarktführer auch sportlich. In einem Head-to-head-Vergleich über die gesamte Dauer der Formel 1-Engagements zeigt sich, dass Michelin im direkten Wettbewerb weitaus besser dasteht.

Die nackten Zahlen lesen sich ähnlich: Der französische Reifenspezialist Michelin konnte bei 145 bestrittenen Grand Prix 65 Siege, 68 Pole Positions und 72 schnellste Runden herausfahren. Rivale Bridgestone blickt nach 102 Starts auf 70 Siege, 69 Pole Positions und 64 schnellste Rennrunden zurück. Vorteil für Japan? Mitnichten.

Denn was diese Statistik nicht verrät: Wettbewerber Bridgestone – und auch Rekordhalter Goodyear – bestritten rund ein Drittel ihrer Formel 1-Rennen als Monopolist, also ohne Konkurrenz. Zwischen 40 und 50 Prozent ihrer Grand Prix-Siege stammen aus jener Zeit, als sie nur mit sich selbst um die Wette fuhren. Ganz anders Michelin: Bei mittlerweile 145 Rennteilnahmen – 111 in der ersten Ära von 1977 bis 1984, 34 seit der Rückkehr 2001 – traten die Franzosen nur ganze drei Mal (oder 2,07 Prozent ihrer Rennen) als Alleinausrüster an. Diese drei Rennen fielen in die Zeit des mittlerweile historischen Machtkampfes zwischen der Teamvereinigung FOCA und dem Weltverband FISA (heute FIA), der 1981 zum zeitweiligen Rückzug der anderen Reifenhersteller führte. Michelin stattete daraufhin das komplette Starterfeld aus und sicherte damit das Fortbestehen der Weltmeisterschaft.

Damals wie heute suchte Michelin den direkten Wettbewerb. Und in dem steht die Mannschaft aus Clermont-Ferrand außerordentlich erfolgreich da: Werden nur jene Rennen betrachtet, die gegen konkurrierende Marken ausgetragen wurden, so kann Michelin mit 62 Siegen gegenüber 37 von Bridgestone aufwarten. Bei den Qualifying-Bestzeiten lautet das Verhältnis 65:36 und bei den schnellsten Runden 69:31 für die Franzosen.

Dass Michelin den schnellen Erfolg nicht nur anstrebt, sondern ihn auch erreicht, beweist ein Vergleich der Zeit, die die großen Wettbewerber bis zu ihrem ersten Grand Prix-Sieg benötigten: Michelin stieg 1977 an der Seite des Renault-Werksteams ein, das mit der Turbotechnologie die Formel 1 innerhalb weniger Jahre ähnlich revolutionierte wie der französische Reifenhersteller mit der Radial-Bauweise seiner Slick-Pneus. Ihr erstes Formel 1-Rennen gewannen die Michelin-Männer bereits 1978 nach nur sieben Anläufen. Noch schneller ging es bei der Rückkehr im vergangenen Jahr: Ralf Schumacher siegte bereits im vierten Grand Prix der Comeback-Saison mit der Kombination BMW-Williams-Michelin. Bridgestone, nach zwei Starts 1976 und 1977 beim Heimrennen in Japan 1997 mit vier Teams eingestiegen, musste sich bis zum 18. Rennen gedulden, um den ersten GP-Sieg zu feiern. Ähnlich erging es dem langjährigen Monopolisten Goodyear: Nach drei Probeläufen 1960 dauerte es nach dem „richtigen“ Einstieg 1964 nochmals elf Rennen bis zur Premiere auf dem Siegertreppchen.


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