24h Bathurst: Bathurst hat das Flair einer Goldgräberstadt
Zufriedene Gesichter: Matthias Weiland und Peter Fitzgerald
Matthias Weiland, langjähriger Starter in der Langstreckenmeisterschaft Nürburgring und dem 24h-Rennen auf der legendären Nordschleife, darf sich fortan als Pionier bezeichnen. Gemeinsam mit seinem Freund und Markenkollegen Jürgen Alzen war der Frankfurter nach Australien gereist, um dort bei dem ersten 24-Stunden-Rennen auf dem Mount Panorama Circuit in Bathurst mit von der Partie zu sein. Im Gespräch mit Motorsport2000.de schildert Matthias Weiland seine Eindrücke.
Sie waren bei dem ersten 24-Stunden-Rennen auf dem Mount Panorama Circuit in Bathurst mit dabei und beendeten das Rennen auf Rang 15. Sind Sie mit Ihrem Abschneiden zufrieden? Wie ist das Rennen aus Ihrer Sicht verlaufen?
Eigentlich sollte ich zusammen mit den in Australien sehr bekannten Fahrern Jim Richards, Maher Algadri und Peter Fitzgerald auf einem Porsche 996 GT3 RS starten. Im Training ist Peter dann nach 14 Runden mit unserem Fahrzeug von der Strecke abgekommen und in eine Begrenzungsmauer gerutscht. Das Team konnte den Schaden leider nicht bis zum Start beheben, daher haben wir kurzer Hand auf einen Cup-Porsche umgesattelt, der kaum vorbereitet war. Ursprünglich hatten wir einen Platz unter den ersten Drei angepeilt, sind aber letztendlich mit dem 15. Gesamtrang und Platz drei in der Klasse sehr zufrieden. Zudem waren wir der einzige Porsche, der nach 24 Stunden die Zielflagge gesehen hat.
Wie wir der Starterliste entnehmen konnten, waren zwar nur 38 Fahrzeuge am Start, das Feld war dennoch sehr bunt gemischt. Wie haben Sie Ihre Mitbewerber und deren Fahrzeuge erlebt? Welche Modelle haben Sie am meisten beeindruckt?
Die Veranstaltung war, dafür dass es das erste 24-Stunden-Rennen in Bathurst war, sehr gut besetzt. Die einzelnen Teams waren hoch motiviert und durchweg sehr gut vorbereitet. Ich selbst bin ein absoluter Porsche-Fan. Aus diesem Grund galt mein Interesse in erster Linie den anderen Porsche-Fahrzeugen. Der Holden Manaro mit seinen sieben Litern Hubraum hat mich davon ab schon sehr beeindruckt.
Wie kam der Kontakt zur Scuderia Prancing Horse Racing zustande? Haben Sie sich im Team wohl gefühlt?
Ich habe Maher Algadri, einen der drei Investoren der Scuderia PHR, beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring kennen gelernt. Wir haben zuerst geschäftlich miteinander zu tun gehabt, dann hat er mir von dem 24-Stunden-Rennen in Bathurst erzählt und ich habe gleich zugesagt. Das Team hatte sich sehr professionell auf den Marathon vorbereitet und ich fühlte mich dort auf Anhieb wohl.
Sie sind in der Langstreckenmeisterschaft und beim 24h-Rennen auf der Nordschleife unterwegs. Ist der Mount Panorama Circuit, der in Australien einen sehr hohen Stellenwert genießt, mit dem Nürburgring vergleichbar?
Teilweise. Es ist, wie die Nordschleife auch, ein sehr enger Kurs mit vielen unübersichtlichen Kurven. Das macht die Strecke schon interessant. Für mich persönlich war es toll, mal wieder eine völlig neue Rennstrecke kennen zu lernen und sich darauf "einzuschießen". Es war große Herausforderung, aber es geht doch nichts über unsere Nordschleife.
Wie ist das Umfeld in Australien? Sind die Fans ähnlich verrückt, wie rund um die Nordschleife?
Das Umfeld war sehr entspannt. Die Australier haben eine sehr ruhige und angenehme Art, Sachen anzupacken. Die Fans sind ähnlich wie auf dem Nürburgring mit Wohnmobilen angereist und haben das halbe Wohnzimmer an der Rennstrecke aufgebaut. Einige haben die ganze Nacht ausgeharrt. Dennoch steckt die Veranstaltung noch in den Kinderschuhen. Ich denke, es wird sich in den nächsten Jahren dort eine Menge tun und die Fans werden noch zahlreicher anreisen. Die Veranstaltung wurde übrigens komplett live im Australischen Fernsehen ausgestrahlt.
Es war das erste 24h-Rennen in Bathurst. Wie war die Organisation?
Tadellos. Es gab wirklich nichts auszusetzen.
Könnten Sie sich vorstellen, auch im kommenden Jahr teilzunehmen?
Wenn ich es schaffe, einen Sponsor aufzutreiben und ein gutes Team zusammen zu bekommen, werde ich in jedem Fall wieder dabei sein.
Allgemein betrachtet: Gibt es Unterschiede zwischen dem australischen und dem deutschen Motorsport?
Was die Teams und Fahrer an sich angeht, gibt es keine Unterschiede. Die Anlagen an der Strecke sind hingegen nicht mit den großen Rennstrecken in Europa zu vergleichen. Hier ist Raum für Verbesserungen. Aber gerade diese Atmosphäre macht in meinen Augen den Reiz aus. Bathurst hat das Flair einer Goldgräberstadt - das Fahrerlager glich einer Barackensiedlung in der Steppe.