Beim Finale der FIA GT-Meisterschaft in Portugal siegten einmal mehr Andrea Piccini und Jean-Denis Deletraz. Nach Erfolgen in Jarama, Anderstorp und Oschersleben feierte das Ferrari-Duo nun den vierten Triumph in der Saison 2002. Kein anderes Team stand so oft ganz oben auf dem Podium. Dennoch ging der Meisterschaftspokal an einen anderen: Christophe Bouchut genügte ein vierter Platz beim 3-Stunden-Rennen in Estoril, um seinen Titel erfolgreich zu verteidigen.
Eine Vorentscheidung im Titelkampf war bereits in der Einführungsrunde gefallen: Die Viper von Tabellenführer David Terrien rollte mit Sebastien Bourdais am Steuer aus. Der Gaszug war gerissen. So reichte Bouchut ein vierter Platz, um sich in der Tabelle an seinem ehemaligen Cockpit-Partner vorbei zu schieben. Ganz frei war der Weg zur Titelverteidigung aber noch nicht. Der Deutsche Nicolaus Springer und sein britischer Partner Jamie Campbell-Walter redeten auch noch ein Wörtchen mit. Die Lister Storm-Piloten waren mit 5,5 Punkten Rückstand zum Finale gereist. Die neue Rechnung vor dem Start sah so aus: Wird Bouchut Vierter und verpassen Springer und Campbell-Walter ihren vierten Saisonsieg, ist der Franzose erneut Meister.
Doch Springer/Campbell-Walter übernahmen bereits in der sechsten von 100 spannenden Runden die Führung. Zwar schob sich die Viper von Mike Hezemans und Anthony Kumpen, die als eines der wenigen Autos auf der anfangs nassen, jedoch immer weiter abtrocknenden Strecke mit Slicks unterwegs war, an die Spitze, aber nachdem auch Springer/Campbell-Walter auf Slicks gewechselt hatten, führte die britisch-deutsche Kombination erneut. Campbell-Walter gelang es sogar, einen 35-Sekunden-Vorsprung an Springer zu übergeben.
Der Deutsche hatte jedoch Pech: Nachdem Claude-Yves Gosselin mit einer Viper einen Dreher erlebt hatte, musste das Safety-Car auf die Strecke und bremste das Starterfeld ein. Springer büßte seinen Vorsprung ein und wurde wenig später vom Ferrari 550M mit Andrea Piccini am Steuer überholt. Kurz darauf zog auch Hezemans vorbei.
25 Minuten vor Schluss übernahm Campbell-Walter wieder das Steuer, konnte aber nichts mehr ändern. Und Bouchut? Der Franzose hielt sich taktisch klug aus allen Zweikämpfen heraus und schob sich beim letzten Cockpittausch von Springer und Campbell-Walter sogar auf den dritten Platz vor. Als Springer dann im Rückspiegel auftauchte, machte der Chrysler-Pilot bereitwillig Platz. Er wusste: Die beiden Fahrer an der Spitze waren soweit enteilt, dass Campbell-Walters Aufholjagd zum Scheitern verurteilt war. Der Titelkampf war entschieden. Gleichzeitig sicherte sich Bouchuts Team Labre Competition am Ende einer packenden Saison den Gesamtsieg in der Teamwertung.
Dieser Titelkampf war auch noch in der N-GT-Klasse für seriennahe Straßensportwagen offen. Nachdem sich Porsche-Pilot Stéphane Ortelli die Fahrerkrone bereits in Donington aufgesetzt hatte, war der Monegasse nun auch in der Teamwertung erfolgreich. Durch seinen zusammen mit Sascha Maassen herausgefahrenen siebten Saisonsieg sicherte er dem deutschen Freisinger Team den Mannschaftstitel.