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2002-09-08 15:13:33 - ks
F3: Timo Glock triumphiert in der Steiermark

(c) ts photo
"Ich spürte, dass mein Auto von Runde zu Runde besser wurde"
Es war vorauszusehen: die Youngster aus der Int. Deutschen Formel-3-Meisterschaft würden auch die Fans beim Auslandsgastspiel in Österreich beeindrucken. Auf dem 4,326 Kilometer langen A1-Ring in der Steiermark boten die 29 Piloten ein kampfbetontes und spektakuläres Rennen - von der ersten bis zur 19. Runde. In der fünften Runde stockte den Beobachtern jedoch der Atem, als der Einheimische Bernhard Auinger in einen Crash mit dem Australier Ryan Briscoe (beide Dallara Opel-Spiess) verwickelt wurde. Im Kampf um den neunten Platz rutschte Biscoe zwischen die Räder des Auinger-Monoposto, stieg meterhoch auf und überschlug sich spektakulär. Auf dem Überrollbügel liegend, krabbelte der ehemalige Formel-3000-Pilot völlig unverletzt aus seinem Auto. Die Bergung des Havarierten und die dadurch nötige Safety-Car-Phase dauerte bis eingangs der achten Runde.

Zu diesem Zeitpunkt träumte Vitantonio Liuzzi noch vom Sieg. Nachdem der Italiener den Start gegen den Pole-Sitter Gary Paffett gewonnen hatte, war Kampflinie angesagt. Immer wieder folgten die Angriffe gegen Liuzzi, zuerst vom Briten Gary Paffett, dann vom Belgier Jeffrey van Hooydonk und später rundenlang vom Odenwälder Timo Glock. Bis zur zwölften Runde hielt Vitantonio Liuzzi dem Druck stand, ehe Timo Glock sich auf der Innenbahn vorbeibremsen konnte. Für Glock war damit der Weg zu seinem dritten Saisonsieg frei. „Ich hatte ein gigantisch gutes Auto und konnte mir sogar die Stelle aussuchen, an der ich Liuzzi überholen wollte“, lobte der 20-jährige Timo Glock seinen Dallara Opel-Spiess und die Arbeit der Mechaniker des Opel Team KMS. „Ich habe gekämpft wie verrückt, doch diesen Druck von so vielen Konkurrenten konnte ich nicht über die Distanz bringen“, musste Liuzzi einsehen. Spätestens jetzt ist jedoch klar: der Kart-Weltmeister steht unmittelbar vor seinem ersten Formel-3-Sieg. Auf dem dritten Platz kam Kousuke Matsuura ins Ziel. Der Japaner wollte sich über seinen sechsten Podestplatz in der laufenden Saison allerdings nicht so recht freuen: „Vom Potenzial meines Autos her, hätte ich noch weiter vorne landen können.“ Vier Rennen vor dem Saisonende scheint Gary Paffett der Titel sicher zu sein, der Kampf um den Vizemeister ist allerdings offen: Matsuura besitzt schließlich nur zwei Punkte mehr als Glock.

Ein dubioses Rennen lieferte Gary Paffett. Im ersten Renndrittel schien der erfolgverwöhnte Brite nur bedingt konkurrenzfähig. Paffett verlor Platz um Platz und fand sich zwischenzeitig sogar auf Platz sieben wieder, ehe er sich in der zweiten Rennhälfte aufrappeln konnte. Auf dem fünften Platz wurde der Tabellenführer bereits geführt, bis ein wenig Übermut ihn neben die Strecke rutschen lies und aus den Punkterängen katapultierte. Paffett wurde schließlich auf Platz zehn abgewinkt. „Man sieht, auch er macht Fehler“, jubelte Timo Glock selbstsicher, „vielleicht ist doch noch nicht alles gelaufen. Ich habe jedenfalls nichts zu verlieren.“

Viel verloren hat auch Markus Winkelhock im 13. Saisonlauf: der Waiblinger fuhr in einem zweikampfstarken Rennen dem Finnen Kimmo Liimatainen ins Heck und fiel nach einem anschließenden Dreher vom sechsten auf den 17. Platz zurück. Die schnellste Runde drehte Jeffrey van Hooydonk mit 1:27.796 Minuten.

Timo Glock: Den Start habe ich etwas verpennt und in den ersten Runden habe ich mir noch nicht viel ausgerechnet, weil es hier sehr schwer ist, aus dem Windschatten zu überholen. Dann spürte ich, dass mein Auto von Runde zu Runde besser wurde. Ich war gegen Liuzzi überlegen und konnte mir aussuchen, wo ich ihn überholen würde. Ich wusste genau, an welcher Stelle ich ihn packen würde. Liuzzi war sehr fair. Er ist zwar hart gefahren, hat aber Platz gelassen, als er sah, dass ich schneller war. Es war eines meiner schönsten Rennen.

Vitantonio Liuzzi: Das Rennen war super, obwohl ich nicht gewonnen habe. Ich hatte einen richtig guten Start. Nach der Safety-Car-Phase war Glock richtig schnell. Er hatte vor allem in den beiden letzten Kurven vor Start und Ziel klare Vorteile. Ich habe in diesem Rennen gekämpft wie verrückt, konnte rundenlang meine Konkurrenten beherrschen, doch solche harten Fights über die gesamte Distanz durchzuhalten, ist einfach nicht möglich.

Kousuke Matsuura: Ich bin nicht zufrieden, da mein Auto für eine bessere Platzierung gut gewesen wäre. Es war für mich allerdings wichtig, vor Paffett ins Ziel zu kommen – dies habe ich geschafft.

Gary Paffett: Mein Start war richtig gut, doch der von Liuzzi noch besser. Ich habe in der Anfangsphase überhaupt keinen Grip gehabt und verlor deshalb Platz um Platz. Es war sehr schwer, überhaupt in den Punkterängen zu bleiben. Im Letzten Renndrittel war mein Auto super. Schade, ein kleiner Fehler hat mich dann fünf Plätze gekostet.

Markus Winkelhock: Ich lag schon auf Platz sechs, bis ich beim Anbremsen den Liimatainen berührt habe. Dadurch brach mein Auto hinten aus und ich habe mich gedreht.


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