Rallye WM: Loeb oder die Rechnung mit dem Unbekannten
Sebastien Loeb gewann die Rallye Deutschland
Der Sieger fährt einen französischen Wagen mit Michelin-Reifen. In diesem Punkt waren sich die meisten vor der Rallye Deutschland einig. Aber nicht die Herren Grönholm, Bugalski, Puras oder Burns sollten am Ende die Nase vorn haben. Sondern mit Sebastien Loeb ein vermeintlicher Nobody, der bei Deutschlands WM-Debüt seinen ersten WM-Gesamtsieg feierte. Und wie: elf von 22 möglichen Bestzeiten (eine der 23 WP´s wurde nicht gefahren) sprechen eine deutliche Sprache. Die zweit- und drittplazierten Peugeot-Piloten Richard Burns und Marcus Grönholm erfuhren zusammen 12 Bestzeiten. Grönholm hatte jedoch auch das Pech, am ersten Rallyetag aufgrund von Hydraulikproblemen rund 45 Sekunden einzubüßen. Und kassierte anschließend weitere 30 Strafsekunden wegen zu langer Servicezeit. Doch der Weltmeister von 2000 nähert sich immer mehr seinem zweiten Titelgewinn, hat in der Tabelle bereits 18 Punkte Vorsprung auf Colin McRae.
An Loeb und den beiden Löwen-Dompteuren bissen sich die Verfolger die Zähne aus. Vorjahressieger Philippe Bugalski, wesentlich erfahrener und höher gehandelt als sein junger Teamkollege Loeb, rutschte in WP 9 rückwärts in einen Erdwall. Als Folge der Beschädigungen brannte der Citroen einige Kilometer später kurzfristig. Eine Prüfung weiter kam Armin Schwarz. Am Steuer des Hyundai Accent überzeugte der Bayer am ersten Tag mit hervorragenden Zeiten, wobei etliche Regenschauern Schwarz entgegenkamen. Im Kampf um den vierten Gesamtrang wollte Schwarz jedoch zuviel und überschlug sich bei hoher Geschwindigkeit in WP 10 in einen Wald. Nur eine gebrochene Rippe bei Schwarz und eine Brustquetschung bei Beifahrer Manfred Hiemer zeigen einmal mehr, wie stabil die heutigen World Rally Cars sind. Die andere deutsche Hoffnung, Matthias Kahle, war zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr dabei, nachdem der Motor im Skoda Octavia nach WP 3 den Dienst quittierte. In WP 11 hatte Petter Solberg (Subaru Impreza) Glück, dass er bei seinem sechsten Gang-Abflug nur seitlich ein paar Hinkelsteine traf.
Die positive Überraschung der Rallye war zweifelsohne Bruno Thiry. In dem vom Grifone-Team privat eingesetzten Peugeot 206 überzeugte der Belgier mit konstanten und schnellen Zeiten und mischte von Beginn an in der Spitzengruppe mit. Der fünfte Gesamtrang zeigt, dass Thiry nichts verlernt hat. Dieses Ergebnis ist die beste Visitenkarte für die Rückkehr in ein Werks-Cockpit 2003. Für den amtierenden Europameister Armin Kremer verlief es genau umgekehrt. Nach den enttäuschenden Vorstellungen bei den bisherigen vier WM-Einsätzen wollte der Mecklenburger bei seinem Heimspiel glänzen. Doch trotz guten Streckenkenntnissen und einem Werks-Ford Focus konnte Kremer zu keiner Zeit das Tempo der Spitze mitgehen und rundete das Feld der Werks-Fahrer überwiegend nach hinten ab. Ein heftiger Überschlag mit anschließendem Feuer beendete die blasse Vorstellung in WP 17.
Endergebnis nach 23 Wertungsprüfungen: (gestartet: 87/ gewertet: 42)
1. Loeb/Elena (Citroen Xsara) 3:47.17,3 Stunden
2. Burns/Reid (Peugeot 206) + 14.3 Sekunden
3. Grönholm/Rautiainen (Peugeot 206) + 1.19,1 Minuten
4. C.McRae/Grist (Ford Focus) + 3.45,3 Min.
5. Thiry/Prevot (Peugeot 206) + 5.18,8 Min.
6. Märtin/Park (Ford Focus) + 5.33,0 Min.
7. Mäkinen/Lindström (Subaru Impreza) + 5.39,2 Min.
8. Sainz/Moya (Ford Focus) + 6.17,0 Min.
9. Delecour/Grataloup (Mitsubishi Lancer) + 6.35,9 Min.
10. Eriksson/Thörner (Skoda Octavia) + 6.35,9 Min.