OGP: Das Wetter konnte den 30. Oldtimer-GP nicht stoppen
Markus Kern im Siegerauto von Rudolf Caracciola 1927
Die Jubiläumsveranstaltung des AvD-Oldtimer-Grand-Prix hat leider keinen neuen Zuschauerrekord gebracht. Regen, Nebel und Kälte hätten dies verhindert, vermutet AvD-Organisationsleiter Johannes T. Hübner. Trotzdem kamen an den drei Veranstaltungstagen 62.000 Zuschauer in die Eifel und sahen spannende Rennen und spektakuläre Fahrzeuge. Hübner ist zufrieden: "Damit hat der AvD-Oldtimer-Grand-Prix seinen Ruf als größte historische Rennveranstaltung Deutschlands und eine der größten weltweit weiter gefestigt".
Die Zuschauer haben ihren Besuch nicht bereut. In insgesamt zwölf Rennklassen auf der Grand-Prix-Strecke sowie dem AvD-Historic-Marathon am Freitag auf der legendären Nordschleife konnten sie historischen Motorsport der Spitzenklasse hautnah erleben. Zum besonderen Erlebnis des AvD-Oldtimer-Grand-Prix gehört auch der Besuch im Fahrerlager. Zuschauen ist hier erwünscht und gehört zum historischen Motorsport wie der Geruch von Gummi, Benzin und Öl.
AvD-Historic-Marathon
Zum Auftakt am Freitag gewannen Tommy Brorsson und Freddy Kottulinsky den 12. AvD-Historic Marathon 400 auf der Nordschleife des Nürburgrings. Für das Team mit dem Lotus Elan war es der dritte Sieg in Folge. Doch so knapp wie in diesem Jahr war es noch nie. Beim Langstreckenrennen das nach 8 Runden wegen starker Regenfälle abgebrochen wurde, kam Brorsson mit 1,85 Sekunden Vorsprung vor Guy Hoffeld / Donny Wagner im Ford Mustang ins Ziel. Dahinter komplettierten Michael Knebel / Uwe Hell / Michael Knebel das Podium.
Der zweifache Rallye-Weltmeister Walter Röhrl gewann mit Walter Weichhart im Porsche 356B seine Klasse. "Unser Auto ist fast serienmäßig und verfügt nur über 90 PS", erklärt Röhrl. "Da konnten wir uns nur Regen wünschen". Weniger Glück hatte die britische Motorsportlegende John Fitzpatrick. Der BTCC-Champion von 1966 landete zusammen mit Irvine Laidlaw aus Monaco im Porsche 904 Carrera nur auf dem 43. Gesamtrang.
Ersters Nürburgring-Siegerfahrzeug im Einsatz
Die wohl größte Attraktion bot Markus Kern aus Großmaischeid mit seinem Mercedes Benz 680 S - dem ersten Siegerauto des Nürburgrings. Mit diesem Fahrzeug gewann Rudolf Caracciola das Eifelrennen , dass am 18. und 19. Juni 1927 stattfand. Eine Anfrage bei Mercedes-Banz ergab, dass Kern "zufällig" als Restaurationsfahrzeug den Originalwagen von 1927 erstanden hatte - Glück muss man haben. Caracciola brachte es 1927 auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 96,5 km/h bei dem 12-Runden Rennen über die 28,265 Kilometer lange Kombination aus Nord- und Südschleife. Nur unbedeutend langsamer bewegte Markus Kern die Rarität über den neuen GP-Kurs. Mit einem Schnitt von 87,3 km/h fuhr er die schnellste Runde in 3:32.041 Minuten. Das Rennen der Rennsportwagenn bis 1940 gewannen Gareth und Desmond Burnett aus Großbritannien mit ihrem Talbot 105 von 1934.
Dayton und Lloyd gewinnen je drei Wertungen
Zwei Fahrer dominierten sechs der insgesamt zwölf Rennen. Allen Lloyd konnte drei Siege in den Rennen der FIA Formel Junior (Lotus 27), der European Sports Prototype Trophy (Lola T 70 MK III B)und dem FIA-Cup für historische GT-Wagen (Ford GT 40 MK I) für sich verbuchen. Erfolgreicher war Duncan Dayton aus den USA. Der in New York lebende Architekt gewann die historische Formel-2-Trophy (Brabham BT 35) und beide Läufe zur F1 Force Classic (Brabham BT 33 DFV) sowie das Rennen für historische GP-Wagen bis 1960 (Lotus 16). In der FIA Formel Junior belegte Dayton (Cooper 67) den zweiten Rang hinter Lloyd.
Bedingt durch die widrigen Witterungsbedingungen gewannen Federico Boratto und Danny Zardo (beide Italien) mit ihrem verhältnismäßig leistungsschwacher Morris Cooper S von 1964 Das Rennen der Europa Challenge für historische Tourenwagen. Auch der zweite Rang ging an einen Cooper - aus dem Hause Austin. Die Franzosen Claude Boissy und Alain Miran setzten sich gegen die Schweden Bo Warmenius und Gunnar Turebrand im Ford Lotus Cortina von 1963 durch. Keine Chancen auf dem rutschigen Grand Prix-Kurs des Nürburgrings hatten die starken, heckgetriebenen Ford Falcon und Mustang. Die US-Boliden haderten mit der mangelnden Traktion und boten den Zuschauern beeindruckende Drifts.
Das Rennen des FIA-Cups für historische GT-Wagen gewann Christian Graf von Wedel aus Frankfurt mit einem Austin Healey MK II aus dem Jahr 1961. Gary Pearson auf Großbritannien entschied im Jaguar XJR-11 von 1990 die Gesamtwertung der Gruppe C / Gruppe 5 / IMSA Fahrzeuge für sich. Bei den Rennsportwagen und Prototypen der 50er Jahre gewannen John Clark und A. McCaig im Cooper T39 von 1956.
Unfall ohne große Folgen
Ohne große Folgen blieb zum Glück ein Unfall bei den Historische GP-Cars bis 1960 am Freitag. Im Castrol-S kam Peter Gooch mit seinem Lotus-Climax 1958 von der Fahrbahn ab und fuhr über die Auslauffläche in die Reifenstapel. Dort überschlug sich das Fahrzeug. Der Fahrer wurde herausgeschleudert und landete zwischen den Reifenstapeln. Der Brite brach sich dabei lediglich ein Bein und kugelte sich die Hüfte aus. Gooch befindet sich wieder auf dem Weg der Besserung und geht davon aus, dass er im nächsten Jahr beim 31. AvD-Oldtimer-Grand-Prix wieder dabei sein wird.
Bonhams-Auktion: Sportliche Oldtimer im Trend
Die Auktionen von Bonhams während des AvD-Oldtimer-Grand-Prix haben inzwischen Tradition. Mal gingen die Geschäfte glänzend, mal aber auch schleppend. Aber immer konnten Oldtimer-Experten aus dem Verhalten der Bieter Trends ablesen für die Preisgestaltung von bestimmten Autotypen. Der teuerste Verkauf in diesem Jahr: ein Ferrari 288 GTO Berlinetta aus dem Jahr 1985 brachte einen Zuschlag bei immerhin 215.000 Euro. Ein Jaguar XJR-15 Racing Coupé aus dem Jahr 1991 brachte immerhin noch 177.000 Euro.
Heiß begehrt waren bei dieser Bonhams-Auktion besonders Rennwagen und sportliche Autos. Besonders heiß begehrt waren die Autos, die ihr Zuhause ausschließlich auf der Rennstrecke haben, so zum Beispiel der Porsche 935 K3 Turbo von Klaus Ludwig aus dem Jahr 1978 oder der Dallara-Judd von J.J. Lehto und Emmanuele Pirro aus der Formel 1-Saison 1991.