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2002-06-01 16:18:20 - ks
24h: Mola: „Es packt dich immer wieder“

(c) SP Motorsport Media
Mola im Cardiff-Honda S2000
Mit seinem Motorradunfall Anfang April dieses Jahres schockierte Mola Adebisi seine Fans: Der Viva-Moderator und Hobbyrennfahrer stürzte mit seiner Maschine auf der Nordschleife im Kesselchen, zog sich jedoch – dank seiner ausgezeichneten Schutzkleidung – keine schwereren Verletzungen zu. Erinnern kann sich der 28-Jährige an den Sturz nicht mehr. „Ich hatte einen totalen Blackout“, so der Kölner. War kurz danach an einen Start beim 24-Stunden-Rennen nicht zu denken, erholte sich Adebisi so schnell, dass er für das Team Cardiff Motorsport gemeinsam mit Ralf Zensen, Dr. Jochen Keils und Martin Becker im Honda S 2000 an den Start des Langstreckenklassikers gehen konnte.

Vorgenommen hat sich Adebisi viel: „Wenn das Auto durchhält, wollen wir dieses Jahr wie schon 2001 den Klassensieg holen, ganz klar.“ Im Vorjahr siegte der Moderator mit seinen Team-Kollegen auf der Lotus Elise in seiner Klasse, dieses Jahr sitzt er am Steuer eines weitaus schnelleren Wagens, denn der Honda bringt gut 250 PS auf die Straße. Nachdem in den Trainings viel am Set-up gearbeitet wurde, um die anfangs noch zu harte Fahrwerkseinstellung an die buckligen Nordschleifen-Passagen anzupassen, musste das Team mit einem Startplatz im Mittelfeld vorlieb nehmen – Platz 103 hieß es zum Trainingsabschluss. Für Adebisi kein Grund zur Beunruhigung: „24 Stunden sind lang, sehr lang.“

Faszination Langstrecke: Dabeisein ist alles
So lang, dass der „Gelegenheits-Hobby-Rennfahrer“ (O-Ton) das Unterfangen 24-Stunden-Rennen eigentlich „absolut wahnsinnig“ findet. „Es ist schon schlimm, stundenlang in einem normalen Auto zu sitzen“, so Adebisi“, „aber einen solchen Marathon im Renntempo durchzufahren ist das Schlimmste, was man sich vorstellen kann.“ Im letzten Jahr habe er sich nach der Zieleinfahrt geschworen, sich den Stress nie mehr anzutun. „Aber dann, wenn man sich erholt hat, dauert es nicht lange – dann packt es dich wieder und Du willst beim nächsten Mal mit dabei sein.“ Grund für Adebisis Zerschlagenheit nach dem Vorjahresrennen war auch eine leichte Selbstüberschätzung: „Ich bin einen Doppel-Turn gefahren, und das war definitiv zu hart.“ Um die Fahrer vor einer solchen Dauerbelastung zu bewahren, sieht das diesjährige Reglement dementsprechend eine Beschränkung von maximal 2,5 Stunden am Stück für jeden Piloten vor. Was Adebisi begrüßt, denn die Anstrengung sei enorm: „Wenn du im Auto sitzt, und von hinten die Viper angeschossen kommst, vor dir aber langsamere Autos fahren, weißt du manchmal gar nicht, wohin. Aber es ist nichts schlimmer, als wenn du nur noch vor Angst in den Rückspiegel schaust. Man muss einfach alles im Blick behalten.“

In der Ruhe liegt die Kraft
Besonders in den Nachtstunden geht die Vollgas-Tortur an die Substanz, wie Adebisi betont. „Es kommt schon mal vor, dass man auf eine Kurve zurast, die nicht einsehbar ist, und dann denkst du: ging die jetzt nach links oder nach rechts?“ Ruhe bewahren, heiße es da. Eine Ruhe, die der Kölner zunehmend gewinnt, auch in den Phasen zwischen den Turns. „Man muss sich zum Hinlegen zwingen, auch wenn es nur eine Stunde ist. Das hilft.“ Der ständige Stress und Druck nage an den Nerven, lasse sich aber mit einer guten Mütze Schlaf relativ schnell wieder abschütteln.

Adebisi will künftig jedes Jahr an den Start gehen
„Absolut glücklich“ ist Mola Adebisi in seinem neuen Team Cardiff Motorsport. „Der Honda geht ein gutes Stück schneller, das merkt man deutlich.“ Doch nicht nur den Fahrspaß auf der Nordschleife schätzt der Rennfahrer, auch die Atmosphäre sei einzigartig. „Das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring ist das absolute Top-Motorsport-Event. Keine andere Veranstaltung reicht da heran, weder von der Stimmung in den Teams noch von der Stimmung am Streckenrand. Die Fans sind einmalig, und nirgendwo ist der Kontakt zu ihnen so eng wie hier.“ Deshalb will Adebisi in Zukunft jedes Jahr zur Nordschleifen-Hatz antreten: „Mein Engagement ist auf Regelmäßigkeit angelegt“, bekennt der 28-Jährige, und das soll heißen: Wenn sich die Chance ergibt, dann wird aus dem Moderator künftig ein waschechter Profi-Rennfahrer.


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