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2002-05-29 11:57:38 - ks
24h: Mühlner Motorsport hofft auf erfolgreichen Einstand des neuen Volvo S60

Andree: "Der Weg ist zunächst mal das Ziel - wir werden sehen, wohin uns dieser Weg führen wird"
Am kommenden Wochenende startet erstmals ein Volvo S60 bei einem 24 Stunden-Rennen. Das Langstrecken erprobte Team von Bernhard Mühlner hat den Volvo S60 2.4 in Eigenregie für das 24 Stunden-Rennen auf dem Nürburgring, Deutschlands größte und meist besuchte Motorsport-Veranstaltung überhaupt, aufgebaut und bringt beim Eifel-Marathon ein Auto an den Start.

Der neue Volvo S60 geht in der Klasse A4 für Renn-Tourenwagen mit bis zu 2,5 Litern Hubraum ins Rennen. Dort trifft der im Hinblick auf die lange Distanz auf etwa 235 PS (ca. 255 PS sind möglich) gedrosselte Reihen-Fünfzylinder auf harte Konkurrenz von Audi, BMW, Mercedes, Seat und Opel. Die Klasse A4 ist somit eine der am härtesten umkämpften Kategorien innerhalb des 24 Stunden-Rennens, bei dem insgesamt mehr als 200 Autos die Kombination aus altehrwürdiger Nordschleife und moderner Grand Prix-Strecke des Nürburgrings bevölkern werden.

Die Fahrer des Volvo S60 sind allesamt mit jeder Menge Nordschleifen-Erfahrung gesegnet. Ulrich Andree, 36, hauptberuflich für Produkt- und Motorpresse bei Volvo Car Germany verantwortlich, ist nicht nur die treibende Kraft hinter den Renneinsätzen des Volvo S60. Der Kölner, der 1983 im Kart mit dem aktiven Rennsport begann und 1993 am Ring debütierte, fährt seit 1999 in diversen Volvo Tourenwagen auf der Nordschleife. Bis zum letzten Jahr mit dem Volvo S40, jetzt erstmals mit dem vom neuen Einsatzteam Mühlner vorbereiteten Volvo S60. Stammpartner von Andree ist Andreas Middendorf (43) aus Grevenbroich. Der Architekt kennt die "Grüne Hölle" seit 1981. Er war auch schon 1995 mit dabei, als der erste Volvo 850 T5 auf der Nordschleife debütierte.

Neben Andree und Middendorf hat das Mühlner-Team sich für die aktuelle Ausgabe des 24 Stunden-Klassikers prominente Verstärkung geholt. Heinz-Josef "Juppy" Bermes (44) ist mit elf Klassensiegen der erfolgreichste Teilnehmer in der Geschichte des Rennens überhaupt. Der Speditions-Inhaber aus Willich gilt ebenso als ausgewiesener Nordschleifen-Spezialist wie Jörg Seidel - beide haben ihre motorsportlichen Aktivitäten zuletzt auf die Eifel-Strecke beschränkt, gehören dort aber zur absoluten Spitze.

Seidel stößt beim 24 Stunden-Rennen erstmals zur Volvo Mannschaft. Der 33-jährige selbständige Kfz-Mechaniker aus Weilerswist hat seine motorsportlichen Wurzeln im selben Kerpener Kartklub wie die Gebrüder Schumacher, gewann unter anderem die Deutsche Kart-Meisterschaft und das Graf Berghe von Trips-Memorial und stieg 1991 auf die Nordschleife um. Seit dem bestritt er 150 Langstreckenpokal- und acht 24 Stunden-Rennen. Seidel entschied sich aufgrund seiner guten Erinnerungen an das Mühlner-Team, mit dem er 1994 einen Klassensieg im Eifel-Marathon erobern konnte, zu einem kurzfristigen Einstieg in das Volvo Projekt.

Vor dem 24 Stunden-Rennen setzte Mühlner den Volvo S60, mit dessen Entwicklung er erst im Januar begonnen hatte, schon bei zwei Läufen zur Deutschen Langstrecken-Meisterschaft auf dem Nürburgring ein. Beim Debüt belegten Andree/Middendorf/Bermes gleich den vierten Rang. Beim zweiten Einsatz kam ein neuer Heckflügel zum Einsatz, der zwar Endgeschwindigkeit kostet, dafür aber speziell in schnellen Kurven deutlich mehr Abtrieb auf der Hinterachse generiert. Verfeinerungen an der Fahrwerksabstimmung verbesserten zusätzlich das Handling, eine überarbeitete Motoraufhängung ließ den kernig klingenden Fünfzylinder bei den Schaltvorgängen weniger kippen. Beim 24 Stunden-Rennen startet der Volvo S60 mit genau diesen Modifikationen, ist aber zugunsten von erhöhter Haltbarkeit an einigen Stellen zusätzlich verstärkt worden.

Stimmen vor dem Rennen
Ulli Andree: "Der Weg ist zunächst mal das Ziel - wir werden sehen, wohin uns dieser Weg führen wird. Bei einem 24 Stunden-Rennen geht es in erster Linie darum, problemlos über die Distanz zu kommen, dann ist man fürs Finale automatisch gut aufgestellt. Ich gehe davon aus, dass unser neuer Partner Bernhard Mühlner uns ein gewissenhaft präpariertes Auto hinstellen wird. Mühlner ist seit 1989 bei jedem 24 Stunden-Rennen an den Start gegangen und hat jedes mal einen anerkannt tollen Job gemacht. Von seiner Erfahrung werden wir sicher auch beim ersten 24 Stunden-Einsatz des neuen Volvo S60 profitieren. Vom fahrerischen Potential her bilden wir ein sehr harmonisches Team. Wir alle sind in der Lage, konstant schnelle Zeiten zu fahren, ohne das Auto zu hart ranzunehmen. Dabei hilft uns auch das optimierte Fahrwerks-Setup und ein neuer Heckspoiler. Nicht nur, dass diese Konfiguration zehn Sekunden gebracht hat - das Auto benimmt sich nun insgesamt viel ruhiger. Die Spitzenleistung des Motors und die Schaltdrehzahl haben wir im Hinblick auf die lange Distanz bewußt etwas zurückgenommen."

Andreas Middendorf: "Nach dem ersten Einsatz im Rahmen der Langstreckenmeisterschaft ist der Volvo S60 beim zweiten Lauf gleich mal um zehn Sekunden schneller geworden - ohne dass man etwas Gravierendes am Auto geändert hätte. Das zeigt, welch ein Potenzial im Volvo steckt. Wir wollten vor dem 24 Stunden-Rennen gar nicht erst nach mehr Motorleistung suchen, um das Risiko eines Ausfalls nicht zu erhöhen. Deswegen dürfte uns auf die Spitze in unserer Klasse im Zeittraining auch etwas Zeit fehlen. Aber darauf kommt es bei diesem Rennen ja überhaupt nicht an. Entscheidend ist, dass am Auto nichts kaputt geht und dass die Piloten den Wagen sicher über die Distanz bringen können. Die Feinarbeit an der Abstimmung hat die gutmütige Grundcharakteristik des Volvo S60 noch einmal verbessert. Damit ist er für die Nordschleife beinahe schon ideal. Das hilft uns Piloten, schnell und dennoch materialschonend zu fahren. Eine Zielankunft wäre schon schön - und wenn uns das gelingt, dann können wir in der Klasse durchaus unter die ersten Drei fahren."

Heinz-Josef Bermes: "Aus Erfahrung weiß ich, dass es sehr schwer ist, mit einem komplett neuen Auto im ersten Jahr völlig ohne Probleme durchzufahren. Der Volvo S60 ist zwar von Mühlner Motorsport exzellent vorbereitet, aber trotzdem kann immer ein 30 Cent-Teil kaputt gehen, denn es fehlen ja noch die Erfahrungswerte. Die Piloten sind allesamt sehr gute Langstreckenfahrer. Wir wissen alle, wo es langgeht, und tun dem Auto auch sicher nicht weh. Wir müssen erst mal 12 Stunden durchfahren und dann gucken, wo wir eigentlich stehen. Erst danach können wir die Taktik für den Rest des Rennens festlegen. Speziell wenn es lange regnen sollte, können wir mit dem Auto aber durchaus recht weit nach vorn kommen, denn das Fahrverhalten ist generell sehr gutmütig."

Jörg Seidel: "Ich habe den Wagen am letzten Donnerstag bei Mühlner zum ersten Mal gesehen. Dabei ist mir auf den ersten Blick aufgefallen, wie professionell das Auto verarbeitet ist und wie sorgfältig es auch für das 24 Stunden-Rennen zusammen gebaut wird. Der erste Eindruck war direkt enorm. Wenn sich der auf die Strecke übertragen läßt, dann können wir in unserer Klasse ein achtbares Ergebnis erzielen."

Bernhard Mühlner: "Nach unseren Modfikationen für den zweiten Lauf zur Langstreckenmeisterschaft haben wir uns bei der Vorbereitung aufs 24 Stunden-Rennen nun vor allem auf die Haltbarkeit konzentriert. Wir haben an den Aufhängungen und beim Getriebe verstärkte Teile eingebaut und außerdem ein Drehzahllimit von 8000/min vorgegeben, um das Ausfallrisiko zu minimieren. Gleichzeitig haben wir noch kleine Details verändert, um den Piloten das Fahren möglichst angenehm zu gestalten - etwa die Be- und Entlüftung des Innenraums und der Windschutzscheibe, damit es sowohl bei Hitze als auch bei dem vorhergesagten Regen keine Probleme gibt. Wir haben in der Vorbereitungszeit nur 1500 Kilometer zurücklegen können und gehen jetzt in ein Rennen, in dem 3500 bis 4000 Kilometer vor uns liegen. Die Belastungen einzelner Teile konnten wir nur hochrechnen. Deswegen lautet unsere erste Devise: Ankommen. Wenn uns das gelingt, sollte am Ende auch ein gutes Resultat herausschauen. Aber ich sehe dieses Jahr hauptsächlich als Vorbereitung für 2003."


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