Rallye WM: Die Spritzorgie am anderen Ende der Welt
29 Wasserdurchfahrten im vergangenen Jahr
Nein, nein, nicht das was der Leser jetzt denkt ist gemeint. Es geht nicht um irgendeinen Swinger-Club im Hafengelände von Rio, sondern um die Rallye Argentinien, dem sechsten Lauf um die Weltmeisterschaft für Fahrer und Hersteller. Bei Fans wie Fotografen weltweit beliebt aufgrund der atemberaubenden Spritzorgien. Nicht alle Fahrer hingegen lieben es, wenn Wasser an falscher Stelle im Motor zwischenzeitlich den Vortrieb einbremst oder gar verhindert. 61 Mal wurde im vergangenen Jahr ein Flussbett durchkreuzt, wobei 29 mit Wasser gefüllt waren. Es gab überhaupt nur zwei Wertungsprüfungen, wo die Akteure keinen Fluss zu kreuzen hatten. Daher war es für die Teams im Vorfeld der Rallye Argentinien besonders wichtig, ihre Fahrzeuge auf die Gegebenheiten anzupassen. Besonders hart erwischte es vor einigen Jahren Seat, deren beide Fahrzeuge nach der ersten Wasserdurchfahrt buchstäblich „ersoffen“ und mit Motorschaden strandeten.
Hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten auf knüppelhartem Schotter rund um die Stadt Cordoba zeichnen die Rallye Argentinien aus. Von Fahrwerk, Chassis und Reifen werden Höchstleistungen erwartet. In der Vergangenheit fühlten sich besonders die Pirelli-Teams auf dem kalten und feuchten Schlamm besonders wohl. Bei dem zweithöchst gelegenen WM-Lauf des Jahres – nur bei der Safari in Kenia wird sich noch weiter vom Meeresspiegel entfernt – dominierten in den vergangenen Jahren Subaru und Ford. Und nach vier Peugeot-Siegen in Folge lechzen beide britischen Teams förmlich nach einem Erfolg. Subaru-Teamleader Tommi Mäkinen (17 Punkte Rückstand auf Grönholm) sowie die Ford-Asse Sainz (22) und Colin McRae (25) müssen allmählich anfangen, die Jagd auf den Weltmeister von 2000 zu eröffnen. Aber dem zweifachen Saisonsieger Grönholm droht auch aus dem eigenen Lager Konkurrenz, will doch der amtierende Weltmeister Richard Burns endlich seinen ersten Sieg für Peugeot feiern. Und Harri Rovanperä im 206 WRC mit der Nummer drei auf der Tür reist nach seinem Sieg bei der (nicht zur WM zählenden) Rallye Mexico hochmotiviert nach Südamerika.
Die Rallye Argentinien wird ebenfalls als vierter Saisonlauf für die Gruppe N-Weltmeisterschaft gewertet.
Stand in der Weltmeisterschaft (Fahrer):
1. Grönholm 31 Punkte; 2. Panizzi 20; 3. Burns 19; 4. Mäkinen 14; 5. Sainz und Rovanperä je 9; 7. Bugalski und Solberg je 7; 9. Loeb und C.McRae je 6; 11. A.McRae 2.
Stand in der Weltmeisterschaft (Marken):
1. Peugeot 68; 2. Ford und Subaru je 27; 4. Mitsubishi 6; 5. Hyundai 2.; 6. Skoda 0.
Production-Weltmeisterschaft (Gruppe N)
1. Sohlberg, Singh und Ferreyros je 10 Punkte; 4. Iliev und Trelles 9; 6. Arai 6; 7. Rowe 5; 8. Ipatti, Girdauskas und Baldini je 4; 11. Fiorio 3; 12. Harrach 2; 13. Marrini und Kollevold je 1.