Ein spektakuläres Auto für einen spektakulären Fahrer - Stuck ist heiß!
Er gewann 1970 das erste 24-Stunden-Rennen mit einem BMW, war 1998 mit dabei, als BMW den ersten Sieg eines Dieselfahrzeuges auf der Nordschleife perfekt machte und startet nun, bei der 30. Ausgabe des Langstreckenklassikers auf dem Nürburgring erneut: Hans-Joachim Stuck. Der Topstar bildet gemeinsam mit Johannes Scheid, Mario Merten und Oliver Kainz ein Team. Das Auto: natürlich der schnelle und spektakuläre BMW M3 E46 GTRS von Scheid Motorsport. Das Ziel: Ankommen und um den Sieg ein Wörtchen mitreden.
Mit welchen Gefühlen gehen Sie in Ihr insgesamt 50. 24-Stunden-Rennen?
Ich freue mich riesig auf das Rennen und es ist etwas ganz Besonderes. Es ist nicht nur mein 50. 24h-Rennen, sondern für mich auch das erste Rennen der Saison, weil BMW leider seine Fahrzeuge aus der American Le Mans Serie zurückgezogen hat und ich seit 32 Jahren zum ersten Mal keine komplette Saison bestreite. Ich bin heilfroh, mal wieder hinters Lenkrad zu kommen.
Sie sind 1970 beim ersten 24-Stunden-Rennen dabei gewesen. Was hat sich seitdem verändert?
An der Nordschleife hat sich Gott sei Dank nicht viel verändert, abgesehen von immer neuen Sicherheitsvorkehrungen. Viel getan hat sich hingegen bei den Autos. Man hat heute Telemetrie und kann am Computer alles ablesen. Früher mussten wir uns alles merken. Auch für die Fahrern hat sich viel getan. Damals sind wir noch in Jeans und Sporthemd gefahren. Heute hat man feuerfeste Rennoveralls. Was sich glücklicherweise nicht geändert hat, ist die tolle Stimmung am Nürburgring.
Sie waren 1970 bei Ihrem ersten Sieg gerade mal 19 Jahre alt. Wie hat sich Ihre Einstellung zum Rennen fahren geändert?
Ich gehe anders ins Rennen als früher. Heute fahren wir mehr auf Ankommen und schonen das Auto mehr. Ich bin nicht mehr ganz so aggressiv wir früher, was für ein Langstreckenrennen die bessere Einstellung ist. Damals war ich ein Heißsporn, heute bin ich viel reifer.
Wie ähnlich ist der BMW von Johannes Scheid dem ALMS Pendant?
Johannes Scheid hat sehr viele Anleihen an den E46 aus der ALMS genommen - er hatte durch mich einen guten Kontakt zum Werk. Im Gegensatz zu dem GT-Sportwagen haben wir aber ein ABS und ein sequentielles Getriebe - das erleichtert uns das Fahren schon. Vom Fahrwerk her und von der Leistung her sind die beiden Autos vergleichbar.
Können Sie die Faszination 24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife umschreiben?
Normalerweise könnte man damit ein ganzes Buch füllen. Die Zuschauer machen das Rennen zu etwas ganz Besonderem. Die campen fast eine Woche lang an der Nordschleife und machen einfach nur eine Riesenparty aus dem Rennen. Wir Fahrer werden jede Runde angefeuert. Wenn man nachts an den Lagerfeuern vorbei fährt, riecht man die Steaks und Würstel und man bekommt wirklich Hunger. Am Ehesten ist die Atmosphäre mit Le Mans zu vergleichen, aber am "Ring" ist es wirklich schöner.
Was war Ihr schönstes Nürburgring-Erlebnis?
Das ist schwierig. Ich bin hier schon fast alles gefahren, was man fahren kann. Aber die beiden Siege beim 24-Stunden-Rennen 1970 und 1998 gehören auf jeden Fall zu den Highlights meiner Karriere. Gerade 1998 mit BMW den ersten Sieg mit einem Dieselfahrzeug zu fahren war toll. Wir haben eigentlich nicht daran gedacht, dass wir gewinnen können. Es war ein Sieg der Emotionen.
Was erwarten Sie von dem Rennen in diesem Jahr?
Für uns ist oberste Priorität anzukommen. Natürlich möchten wir unsere Klasse gewinnen und auch im Gesamtklassement ein Wörtchen mitreden. Wichtig ist, dass nichts passiert, denn der Nürburgring ist ja in letzter Zeit etwas in die Kritik geraten. Jetzt müssen wir als Fahrer beweisen, dass es auch anders geht. Wir müssen alle aufeinander halt etwas Rücksicht nehmen.
Ist der Gesamtsieg drin? Wie schätzen Sie Ihre Konkurrenz ein?
Es kann so viel passieren in 24 Stunden. Wenn es beispielsweise regnen sollte, was ich den Fans auf keinen Fall wünsche, haben wir es sicherlich einfacher, denn die Porsche sind dann nicht so einfach zu fahren. Die starke Viper muss genauso wie wir erstmal ins Ziel kommen. Dann wird abgerechnet. Ich denke es kommen rund 15 bis 20 Fahrzeuge für den Sieg in Frage.